Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 15.12.2016


Bezirk Reutte

Flüchtlingsheim schließt, Gemeinde wusste nichts

Die Tage des Flüchtlingsheims Kreckelmoos sind gezählt.

© MittermayrDie Tage des Flüchtlingsheims Kreckelmoos sind gezählt.



Von Helmut Mittermayr

Breitenwang – Das Flüchtlingsheim Kreckelmoos war lange Zeit das Vorzeigeprojekt im Außerfern. Ende März 2017 ist damit Schluss. Die Tiroler Soziale Dienste GmbH (TSD) hat den Vertrag mit dem Breitenwanger Hauseigentümer gekündigt. Breitenwangs Bürgermeister Hans­peter Wagner ist über die Vorgangsweise enttäuscht. Jedenfalls darüber, dass die Gemeinde über den Schritt von Seiten des Landes nicht informiert worden ist. „Das Flüchtlingsheim Kreckelmoos wurde immer als Musterprojekt hingestellt. Und das war es auch.“ Wagner verweist auch auf das Engagement der Gemeinde seit der Eröffnung vor zehn Jahren. Von genügend Kindergartenplätzen über das Mitspielen im Fußballverein bis zur Teilnahme an Dorffesten oder der Hilfe bei Arbeitssuche – die Gemeinde und viele Breitenwanger hätten immer versucht, Integration zu leben. Die Sorgen einiger Bürger hätten sich als unbegründet erwiesen, es habe keine nennenswerten Vorfälle gegeben. Wagner ist verwundert, dass man in ganz Tirol auf der Suche nach Unterbringungsplätzen ist und gleichzeitig ein großes bestehendes Haus mit 40 Bewohnern schließt. „So einfach ist das also. Nur für mich ist das nicht einfach.“

TSD-Sprecher Georg Mackner bestätigt das bevorstehende Ende der Anmietung. „Wir haben uns den Schritt nicht leicht gemacht, war Kreckelmoos doch eine Art Vorzeige-, ja Leuchtturmprojekt. Natürlich steht der humanitäre Fokus an erster Stelle, wir sind dem Steuerzahler gegenüber aber auch verpflichtet, wirtschaftlich zu handeln.“ In einem Jahr Verhandlungen sei es aber nicht gelungen, ein zersplittertes Vertragswerk – das Haus steht unter Denkmalschutz – auf einen Nenner zu bringen.

Dazu Soziallandesrätin Christine Baur: „Ich war öfter dort und weiß wirklich, was die Breitenwanger geleistet haben. Aber wenn man mit dem Vermieter nicht mehr zusammenkommt, hilft alles nichts.“ Zu offenen Fragen wie etwa Sanierung hätte es keine Lösung gegeben.

Die weitere Unterbringung der 40 Bewohner ab April im Bezirk Reutte, wo derzeit 324 Asylwerber in Betreuung stehen, ist laut Mackner gewährleistet. Nicht verlieren möchte er das dichte Netz an ehrenamtlichen Helfern, das sich in Breitenwang rund um das Heim gebildet hat: „Deshalb suchen wir in nächster Nähe nach Alternativen.“

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