Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 16.12.2016


Osttirol

Innervillgraten erwartet Geldfluss aus Kraftwerken

Nach zehn Jahren Planung sind zwei umstrittene Kleinkraftwerke im Probebetrieb. Die Gemeinde rechnet mit 660.000 Euro pro Jahr.

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Von Catharina Oblasser

Innervillgraten – Eingereicht wurde das Projekt schon im Sommer 2007. Nun, fast zehn Jahre später, ist es in Betrieb gegangen. Die Rede ist von zwei Kraftwerken in Innervillgraten, am Kalkstein- und am Stallerbach, die maximal 805 Kilowatt bzw. 1470 Kilowatt Leistung erbringen, im Winter entsprechend weniger.

Gegner hatte das Vorhaben einige, vom Umweltdachverband über den Tiroler Umweltanwalt bis hin zu Innervillgrater Bürgern. Im Jahr 2012 wäre das Projekt schon fast gestorben gewesen: Das Ministerium hob die Genehmigung des Landes Tirol auf und schickte das Bewilligungsverfahren wieder an den Ausgangspunkt zurück.

Das ist in Innervillgraten nun alles Schnee von gestern: Seit Mitte November laufen die beiden Werke im Probebetrieb, ab Mitte Februar startet der reguläre Betrieb. Das erklärten Bürgermeister Josef Lusser und die Planer Gottfried Steinbacher und Erwin Pirker am Donnerstag. „Wir werden die veranschlagten Baukosten von 6,8 Millionen Euro einhalten können“, sagt Steinbacher. Auch alle anderen Befürchtungen der Kraftwerksgegner wollen die drei ausräumen. „In der Landschaft wird man von den Kraftwerken gar nichts merken, wenn alles einmal begrünt ist. Wir müssen die Turbinen auch nicht im Winter abschalten, es ist immer genug Wasser da“, sagen Steinbacher und Pirker.

Und die Wirtschaftlichkeit? Betreiber der Werke ist die Gemeinde, die die Errichtung über Kredite finanziert hat. „Für das Werk am Kalksteinbach haben wir schon einen Vertrag über 13 Jahre zum Ökostrom-Tarif, und für jenes am Stallerbach verhandeln wir gerade“, erklärt Erwin Pirker. Der Ökostrom-Tarif liegt mit derzeit 7,2 Cent pro Kilowattstunde deutlich über dem Marktpreis, der nur 2,3 Cent beträgt. Die Gemeinde rechnet mit 660.000 Euro pro Jahr. Damit will sie in der Lage sein, die Darlehen spätestens mit Auslauf des Ökostrom-Tarifes abzuzahlen.

Im Zuge des Kraftwerksbaus ist auch das Ensemble rund um das historische Venezianer-Gatter, die so genannte Wegelate-Säge, neu gestaltet worden. Es umfasst neben Säge und Lodenstampf nun auch eine alte Mühle. „So kann man auf knappem Raum die Wasserkraftnutzung einst und jetzt betrachten“, sagt Gottfried Steinbacher.