Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.12.2016


Bezirk Kufstein

Wasserwelt schlägt hohe Wellen in Wörgl

Gemeinderat beschloss eine 20-prozentige Erhöhung des Wave-Eintritts für Wörgler. Das Unternehmen befürchtet Umsatzeinbußen durch den reduzierten Zuschuss, den die Stadtwerke auffangen müssen.

Der Besuch des Wörgler Erlebnisbades wird für Wörgler um 20 Prozent teurer.

© Wave/Wörgler WasserweltDer Besuch des Wörgler Erlebnisbades wird für Wörgler um 20 Prozent teurer.



Von Wolfgang Otter

Wörgl – Das Budget für 2017 wurde mehrheitlich vom Wörgler Gemeinderat genehmigt. Aber nicht ohne vorher noch einmal kräftig die einzelnen Einsparungen zu diskutieren. Bürgermeisterin Hedi Wechner machte von vornherein klar, „dass ich am liebsten alles sofort machen würde. Aber das geht nicht.“ Wie berichtet, muss die Stadt den Gürtel sehr eng schnallen. Bereits die Erstellung des diesjährigen Budgets mit rund 38,8 Mio. Euro war ein Kraftakt, die kommenden Jahre wird es noch schwieriger, da die großen Projekte Feuerwehrhaus und Musikschule (oder Pflichtschule) die frei verfügbaren Mittel einengen. Daher kündigte BM Wechner an, dass es „kein Tabu mehr im Budget geben wird“ und eine Arbeitsgruppe, gewissermaßen eine Task-Force Budget, die Einnahmen und Ausgaben durchforsten werde.

Diese Situation bekommen die Wörgler in vielerlei Hinsicht zu spüren, besonders im Wörgler Erlebnisbad Wave. Die bürgerlichen Listen (ÖVP, Team Wörgl und Junge Wörgler) hatten bereits im Vorfeld die Kürzung der Zuschüsse für Wörgler (von 40 Prozent auf 20, wobei das Wave noch 10 Prozent beisteuert) scharf kritisiert. Bei der Sitzung des Gemeinderates am Donnerstag stimmten in der Debatte über den Haushaltsvoranschlag 2017 auch die Grünen in den Chor ein. GR Richard Götz erinnerte daran, dass durch die Kürzung der Zuschüsse vor allem Familien und Alleinerzieher betroffen sein werden, die Entscheidung also soziale Auswirkungen habe.

Seitens der Liste Wechner kam der Konter, dass die von den bürgerlichen Listen genannten Zahlen nicht stimmen. Die ÖVP hatte von einem Umsatzrückgang von 300.000 Euro gesprochen, der letztlich von den Stadtwerken oder der Stadt getragen werden müsse. GR Herbert Pertl (Liste Wechner) relativierte die Zahl auf rund 140.000 Euro. „Für mich ist das auch nicht nachvollziehbar. Das würde bedeuten, dass plötzlich die Hälfte der unterstützten Wörgler nicht mehr ins Wave geht.“

BM Wechner räumte ein, dass niemand über diesen Schritt glücklich sei und falls im Rechnungsabschluss Geld übrig bleibe, man diesen Zuschuss wieder erhöhen wolle. Vorerst blieb es dabei: Mehrheitlich wurde mit dem Budget die Kürzung der Zuschüsse und damit eine 20-prozentige Erhöhung der Preise für Wörgler beschlossen.

Das Hoffen auf einen guten Rechnungsabschluss wird dem Wave wenig helfen, besonders wenn es um die Jahreskarten geht. Das Problem wird für das Unternehmen auch nicht so einfach finanziell auszugleichen sein, wenn man die den Gemeinderäten vorgelegten Zahlen betrachtet. Derzeit schreiben die Wörgler Wasserwelten operativ schwarze Zahlen. Auch weil die Zahl der Besucher aus Wörgl gestiegen ist. Die Stadt hat dafür 2015 knapp 130.000 Euro beigesteuert. Damit generierte das Bad an die 400.000 Euro Umsatz, wie zu hören ist. Mit den reduzierten Zuschüssen wird sich also, unter Annahme, dass gleich viele Wörgler wie 2015 ins Bad gehen, die Stadt 2017 an die 65.000 Euro sparen. Demgegenüber steht aber ein von der Wave-Geschäftsführung prognostizierter Umsatzrückgang von bis zu 200.000 Euro pro Jahr.

2014 war die Entscheidung im Gemeinderat gefallen, die Wörgler künftig höher zu unterstützen. Prompt ist die Zahl der verkauften Jahreskarten von 557 auf 867 (2015) gestiegen, 2016 wurden bis 31. Oktober 711 Karten verkauft. Die Einzeleintritte der Wörgler sind von 9500 auf 12.000 (2015) bzw. 10.200 bis 31. Oktober 2016 gestiegen. Zugleich stieg der Anteil der Wörgler an den jährlich rund 290.000 Besuchern von zehn auf fünfzehn Prozent.

Auf der anderen Seite hat das Bad ein Imageproblem in Wörgl. Daher wurde 2014 ein Bürgerbeteiligungsprozess durchgeführt. Das Ergebnis: Die Wörgler wollen ein größeres Freibad und einen billigeren Eintritt (die Tageskarte kostete 20,50 Euro, bislang für Wörgler die Hälfte). In Sachen Freibad wurde eine Kooperation mit dem Salvenaland (Hopfgarten) angestrebt, in Sachen Eintrittspreise die Erhöhung des Zuschusses von 20 auf 40 Prozent (plus 10 Prozent seitens des Wave). Sollte nun ein Abgang anfallen, müsste dieser von den Gesellschaftern TVB und Stadt (je neun Prozent Anteile) und den Stadtwerken (restliche Anteile) getragen werden.