Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.12.2016


Tirol

Ruf nach mehr Stützlehrern, Grüne orten blaue Zündelei

Der Aufschrei der Volksschullehrer und der Gewerkschaft ist für SPÖ, FPÖ, Impuls und Liste Fritz alarmierend. Die Grünen beruhigen.

© SOS-Kinderdorf/HechenbergerSOS-Kinderdorf betreut seit Jahren junge Flüchtlinge.



Innsbruck – Kinder, die kein Deutsch sprechen, teils traumatisiert oder noch gar nie zur Schule gegangen sind, seien vor allem für Volksschullehrer in Ballungszentren eine enorme Herausforderung. Die Gewerkschaft der Pflichtschullehrer hatte, wie berichtet, Alarm geschlagen. Die Lehrer seien zum Teil an der Belastungsgrenze. Die Gewerkschaft fordert, separierte Sprachlernklassen einzuführen. ÖVP-Bildungslandesrätin Beate Palfrader verweist auf 135 zusätzliche Stützlehrer, die das Land bezahle, obwohl der Bund zuständig sei.

135 Stützlehrer seien offensichtlich zu wenig, erklärt die größte Oppositionspartei, die SPÖ. „Ob die Stützlehrer das Land oder der Bund zahlt, ist zweitrangig. Es geht darum, den Lehrern mehr Personal zur Verfügung zu stellen“, meint SPÖ-Bildungssprecher Thomas Pupp. Von separaten Sprachlernklassen im sonderpädagogischen Bereich hält er nichts. „Diesen Fehler haben wir schon einmal gemacht, und Kinder von Gastarbeitern in die Sonderschule gesetzt. Nur weil sie die Sprache nicht verstanden haben.“ So wie die Gewerkschaft sieht auch Pupp vor allem den Bund und damit das rote Bildungsministerium gefordert. Auch katholische Privatschulen sollten laut Pupp Kinder von Asylwerbern aufnehmen.

Derzeit werden 827 schulpflichtige Kinder von Asylwerbern in Tirol unterrichtet, dazu kommen 306 Kinder im Vorschulalter und 427 Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren. Die Zahl der Kinder schwankt, weil sich auch die Gesamtzahl der Asylwerber ändert. Für die Lehrer stellt diese Gruppe eine besondere Herausforderung dar, weil sie von „heute auf morgen“ in die Schule kommen und ebenso schnell auch wieder weg sein können.

„Die Klagen der Lehrer sind absolut berechtigt, wie soll es gehen, wenn Kinder Dutzender Nationalitäten in einer Klasse sitzen und meist keine Grundkenntnisse der Sprache besitzen“, sagen FPÖ-Chef Markus Abwerzger und FPÖ-Nationalrat Gerald Hauser. Beide fühlen sich bestätigt. „Das Asylchaos macht auch vor den Pflichtschulen nicht halt.“ Eine Sonderstellung sei jedoch den katholischen Privatschulen zuzugestehen, meint Abwerzger. Die FPÖ fordert, dass Kinder erst am Regelunterricht teilnehmen dürfen, wenn ausreichende Deutschkenntnisse vorhanden seien. „Wir fordern eigene Sprachklassen, weil diese Kinder dem Unterricht nicht folgen können und das Niveau nach unten ziehen“, sagt Hauser.

Impuls-Bildungssprecherin Maria Zwölfer fordert ebenso zusätzliche Sprachlernklassen mit entsprechend qualifizierten Lehrern. „Nur zu glauben, die Lehrer sind engagiert und werden das schon schaffen, ist zu wenig“, meint Zwölfer als Reaktion auf ÖVP-Bildungslandesrätin Palfrader. Die Klubobfrau der Liste Fritz, Andrea Haselwanter-Schneider, verlangt zusätzliche Stützlehrer. „Die 135 sind offensichtlich zu wenig. Wir haben eine Verdoppelung auf zumindest 270 zusätzliche Lehrpersonen und Stützpersonal im Landtag beantragt. Auch ausgebildete Psychologen werden notwendig sein, um richtig mit den traumatisierten Kindern umzugehen.“

Die Grünen haben hingegen die FPÖ im Visier. Diese solle nicht zündeln und „keine Politik auf dem Rücken von geflüchteten Kindern machen“, befindet der grüne Bildungssprecher Ahmet Demir. Die schwarz-grüne Landesregierung werde auch weiter sachlich und ruhig die Mittel bereitstellen, damit die Unterrichtsqualität allen Kindern gerecht werde. (aheu)