Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.12.2016


Exklusiv

„Tirol Haus“ soll doch nicht in Hilton-Turm

Das umstrittene „Tirol Haus“ soll doch nicht ins Hilton-Hochhaus einziehen. Wo derzeit das Casino steht, sollen Tirol Werbung und Co. einen Neubau bekommen.

© Thomas Boehm / TTPlatters Idee von Landesbüros im Hilton-Turm dürfte nicht umgesetzt werden. Stattdessen soll nebenan ein „Landhaus 3“ errichtet werden.



Von Nina Werlberger

Innsbruck – Aus den Hotelzimmern im Innsbrucker Hilton-Hotel sollen nun doch keine neuen Büros für Tirol-Werber und Standortagentur-Mitarbeiter werden. „Der Gedanke ist fallen gelassen worden“, sagte Stadtrat Gerhard Fritz am Donnerstag der TT. Der grüne Stadtrat ist zuständig für Stadtentwicklung in der Landeshauptstadt. Anstelle eines Hilton-Umbaus zum „Tirol Haus“ werde jetzt überlegt, direkt nebenan ein komplett neues Gebäude für Tirol Werbung, Standortagentur und mehrere weitere Landeseinrichtungen zu errichten. „Es gibt neue Überlegungen, das Hilton zu renovieren und weiter als Hotel zu verpachten“, erklärte Fritz. Im Gegenzug könnte dort, wo heute das Casino steht, sowie auf dem Vorplatz ein „Landhaus 3“ entstehen.

Der Stadtrat betonte, dass dies keine beschlossene Sache sei, sondern man sich auf einer „Ebene von Absichtserklärungen“ befinde. Wie exklusiv berichtet, hatte eine Machbarkeitsstudie ergeben, dass der Umbau des 70er-Jahre-Turms zwar möglich, aber kompliziert wäre – unter anderem, weil die für Büros vorgeschriebenen Deckenhöhen zu niedrig sind und das Gebäude mit dem Casino nebenan verschränkt ist. Deswegen wird aktuell mit den Casinos Austria über einen Alternativplan verhandelt.

Stadtrat Fritz zufolge wird auch ein Abriss des gläsernen Casinos überlegt. „Das Gebäude stünde schon zur Disposition.“ Die einarmigen Banditen und Roulette-Tische könnten innerhalb eines neuen Gesamtkomplexes unterkommen. Das Casino muss grundsätzlich an Ort und Stelle bleiben – seine Lizenz ist nämlich an die Adresse gebunden.

In der Wiener Casinos-Zentrale wollte man sich gestern zu der Sache nicht äußern, es sei dafür noch zu früh. Aus dem Büro von Landeshauptmann Günther Platter gab es weder eine Bestätigung noch ein Dementi. Der Stand der Dinge habe sich nicht geändert, es liefen Verhandlungen mit den Casinos, alle Partner stünden weiter zu dem Projekt, hieß es.

Wie berichtet, planen Land, Stadt und ein Hotelier einen großangelegten Immobiliendeal in Innsbruck. Im März wurde eine Absichtserklärung unterschrieben. Das Land Tirol sollte demnach von der Stadt das Grundstück übertragen bekommen, auf dem das Hilton steht. Dafür gibt das Land die Landesbaudirektion in der Herrengasse an die Stadt ab. Dort sollen der Congress erweitert und ein Hotel angesiedelt werden. Grauer-Bär-Eigentümer Klaus Stiebleichinger, dem das Hilton-Gebäude aktuell gehört, soll im Tausch für den Turm drei Stockwerke im MCI-Gebäude bekommen. Ursprünglich wollte Platter Tirol Werbung, Standortagentur und Agrarmarketing im Hilton unter ein Dach bringen und das Gebäude mit einem repräsentativen Aufbau versehen.

Ganz einfach würde übrigens auch ein Neubau neben dem Hilton wohl nicht werden. Laut Fritz gehört der betreffende Grund teilweise der Stadt, wobei Hotelier Stiebleichinger das Baurecht habe.

Scharfe Kritik am Tirol-Haus-Deal kommt indes erneut von der Liste Fritz. Sie hat am Mittwoch die Beantwortung ihrer erneuten Anfrage an den Landeshauptmann erhalten. Zu den Schätzwerten der betroffenen Immobilien wird darin erneut keine Auskunft erteilt, da Stillschweigen vereinbart worden sei. Die Oppositionspartei kritisiert dies scharf, damit gebe es „keine Transparenz und keine Kontrollmöglichkeit“. Wie berichtet, wurden im Landesbudget für 2017 und 2018 bereits 5,7 Mio. Euro für das Projekt budgetiert. Vor wenigen Tagen beantragten SPÖ, FPÖ und Impuls Tirol eine Sonderprüfung des Landesrechnungshofs.