Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 09.01.2017


Landespolitik

FPÖ lässt Schulen durchforsten

Wie hoch der Anteil der Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache an Tirols Schulen ist, wollte die FPÖ wissen.

© ShutterstockFür Kinder mit Migrationshintergrund stehen Stützlehrer zur Verfügung. Das Land hat 135 zustätzliche Posten geschaffen.



Innsbruck – Jetzt haben es die Freiheitlichen schwarz auf weiß. ÖVP-Bildungslandesrätin Beate Palfrader hat den Blauen in einer Anfragebeantwortung penibel auflisten lassen, wie viele nicht-deutschsprachige Kinder in Tirols Volks- und Neuen Mittelschulen unterrichtet werden. Für Gymnasien ist Palfrader nicht zuständig.

Wenig überraschend lässt sich feststellen, dass in Ballungszentren der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund höher ist als abseits der Inntalfurche oder in Lienz oder im Außerfern. In Ballungszentren macht der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache zum Teil bis zu zwei Drittel der Gesamtschülerzahlen an der jeweiligen Volksschule aus. Schulen, wo nicht-deutschsprachige Kinder mehr als die Hälfte der Gesamtschülerzahl ausmachen, finden sich neben Innsbruck auch in Telfs, Kufstein, Wörgl, Hall, im Stubaital oder in Schwaz. Ein ganz ähnliches Bild zeichnet sich bei den Neuen Mittelschulen ab.

Was wollen nun die Freiheitlichen mit dem Zahlenwerk? „Für uns war in erster Linie die Bestandsaufnahme wichtig“, erklärt FPÖ-Chef Markus Abwerzger. „Ohne Deutschkenntnisse sollte ein Besuch einer Volksschule im Regelunterricht nicht möglich sein. Die betroffenen Kinder müssten sechs Monate Spezialunterricht erhalten“, fordert die FPÖ. „Sonderpädagogische Zentren sind damit nicht gemeint.“ Das Land hat die Zahl der Stützlehrer aus eigenen Budgetmitteln aufgestockt und 135 zusätzliche Posten geschaffen. Palfrader sieht sehr „positive Signale“ für eine gelungene Integration an Tirols Schulen und „sehr engagierte Lehrer“. Die Gewerkschaft der Pflichtschullehrer hatte allerdings vor Kurzem Alarm geschlagen. Vor allem Volksschullehrerinnen seien an ihren Belastungsgrenzen angelangt.

Während Palfrader auf die gemeinsame Schule der Sechs- bis Zehnjährigen setzt, um den Kindern möglichst Chancengleichheit zu gewähren, lehnt die FPÖ die gemeinsame Schule ab. „Wir brauchen den Fortbestand des Gymnasiums. Das ist der einzige Ort, wo man acht Jahre lang eine humanistische Ausbildung genießen kann“, sagt Abwerzger. Der blaue Einsatz für den Beibehalt der Gymnasien habe nichts damit zu tun, dass dort der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund geringer sei als an Tirols Neuen Mittelschulen. (aheu)




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