Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.01.2017


Exklusiv

Touristiker in Aufregung, Töchterle bestätigt

Karlheinz Töchterle wird künftig Tirol Werbung, Standortagentur und Agrarmarketing koordinieren, die Einrichtungen bleiben aber eigenständig.

Töchterle (l.) zieht auf Wunsch Platters ins "Tirol Haus" ein, aber aus dem Nationalrat nicht aus. Franz Hörl (Mitte) kann also nicht nachrücken.

© TTTöchterle (l.) zieht auf Wunsch Platters ins "Tirol Haus" ein, aber aus dem Nationalrat nicht aus. Franz Hörl (Mitte) kann also nicht nachrücken.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Dass Karlheinz Töchterle als Chef ins „Tirol Haus“ einzieht, schlug vor allem bei Touristikern wie der Blitz ein. Sie haben Angst um ihr Marketinggeld. Geld, das sie seit Jahrzehnten in das rot-weiße Tirol-Logo und dessen Positionierung auf den Märkten gesteckt haben.

Was, wenn das kostbare Gut nun von einem Nicht-Touristiker, von einem Wissenschafter verwaltet wird? Wenn die Marke mit dem Standort und den Bildungseinrichtungen verwässert wird? Fragen über Fragen. Dementsprechend heiß liefen die Telefonleitungen aus den Seitentälern nach Innsbruck und retour. „Wir haben die politische Zusage, dass die Tirol Werbung eigenständig bleibt“, stellte Alfons Parth, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Tourismusverbände, gestern Abend klar. Ihm sei diese Zusage wichtig und „dass die Tourismusagenden in den Händen des Landeshauptmannes bleiben“. Die Gesellschaftsstruktur des „Tirol Hauses“ war Thema in der Regierungsklausur.

Karlheinz Töchterle wird also künftig die Tirol Werbung, die Standortagentur und die Agrarmarketing koordinieren. Die drei Einrichtungen bleiben mit ihren Geschäftsführern, Josef Margreiter, Harald Gohm und Wendelin Juen, bestehen. Dem noch zu errichtenden „Tirol Haus“ steht der Ex-Wissenschaftsminister als Chef vor. Diese Tätigkeit werde so ausgestaltet sein, „dass er sein Mandat im Nationalrat weiterhin wahrnehmen wird können“, hieß es gestern aus dem Büro Töchterles. Damit stellt sich der in ÖVP-Parteikreisen „wünschenswerte Nebeneffekt“ nicht ein. Würde Töchterle nur noch für Tirol werben, hätte sein Sessel im Nationalrat mit Franz Hörl besetzt werden können. Den wehrhaften Obmann des Wirtschaftsbundes hätte das vielleicht besänftigen können, hoffte man in der ÖVP. Aber Töchterle bleibt.

Angestellt ist der Altphilologe auch noch an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck, deren Rektor er früher war. Lehrveranstaltungen bietet der Professor in diesem Semester keine an. Er forsche, hieß es gestern. Im Laufe des Jahres werde er emeritieren. Im Mai wird Töchterle 68. Seiner Inthronisierung ging ein Markenfindungsprozess voran. Federführend dabei war ein weiterer Altbekannter: Andreas Braun. Der Ex-­Tirol-Werbungschef und Geschäftsführer der Swarovski Kristallwelten will neue Wege in der Vermarktung Tirols gehen. Den Begriff „Tirol Haus“ mag der ehemalige Tirol-Werber gar nicht. „Lebensraum 4.0“ liegt Braun schon näher. Neben ihm waren viele Touristiker, Vertreter aus den Bereichen Agrar, Bildung und Standort sowie Experten aus dem Landhaus beim Prozess dabei. Im letzten Sommer wurde er gestartet. Das Endergebnis ist sicher schwer auf den Punkt zu bringen. Jedenfalls wurde es noch nicht präsentiert.

Das „Tirol Haus“ hätte Platter gerne im Hilton-Hotel in Innsbruck untergebracht. Aus Hotelzimmern Büros zu machen, wurde dann aber ad ­acta gelegt. Nun sollen die Vermarkter des „Lebensraums 4.0“ in ein noch zu bauendes „Landhaus 3“ einziehen. Das neue Haus soll beim Casino in Innsbruck entstehen. Ob mit dem Umzug die alte Kluft zwischen Standortmarke und Touristikern kleiner wird, bleibt offen. In der Tirol Werbung hat jedenfalls vor Kurzem mit Michael Brandl der wichtigste Vertreter der Standortvermarktung das Boot in Richtung Bezirkshauptmannschaft Schwaz verlassen. Seine Position wurde mit einem Touristiker nachbesetzt.