Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.01.2017


Exklusiv

Wasserstreit: „Tabu“ wird zum Reizwort für Tourismus

Die ÖVP versuchte gestern die Touristiker zu beruhigen. Es geht um die Tabustrecken gegen die Wirtschaft und vor allem Seilbahner rebellieren.

Auch in Ischgl liefen heuer die Schneekanonen auf Hochtouren. Die Seilbahner im Besonderen und die Wirtschaft fürchten jetzt ums Wasser.

© PockAuch in Ischgl liefen heuer die Schneekanonen auf Hochtouren. Die Seilbahner im Besonderen und die Wirtschaft fürchten jetzt ums Wasser.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Am Sonntag explodierte der Kochtopf und gestern wurde es hektisch: 100 Fließgewässer im Oberland sollen schließlich als kraftwerksfreie Zonen ausgewiesen werden. Über das Ausmaß der Beeinträchtigung, auch für Beschneiungsanlagen, scheiden sich aber die Geister. Der Vorstand der Silvretta Bergbahnen in Ischgl, Hannes Parth, befürchtet, dass die Wasser­entnahmen für Schneekanonen künftig massiv erschwert werden. Bei einer von Parth vorbereiteten Informationsveranstaltung in Landeck für Touristiker und Bürgermeister wurde Montagabend darüber intensiv diskutiert. Und nicht nur darüber.

Was sich nämlich an den Schneekanonen entzündet, dürfte nur die Spitze des Konflikts sein. Denn die Wirtschaft lehnt generell den Wasserwirtschaftlichen Rahmenplan des Bundes ab, den das Land jetzt in eine Verordnung gießen möchte. VP-Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl schimpft: „Das alles geht einfach zu weit. Ich habe die Tabustrecken von Anfang an kritisiert, weil sie die wirtschaftliche Entwicklung behindern.“ Kammerpräsident Jürgen Bodenseer warnt davor, dass man „Gebiete im wahrsten Sinne des Wortes durch politische Unvernunft“ austrocknet und damit Wertschöpfung sowie Arbeitsplätze gefährde. Wieder einmal geht es um einen Zielkonflikt.

Energiereferent LHStv. Josef Geisler (VP) versteht seinerseits die Seilbahner nicht. „Schon jetzt darf nur unter gewissen Voraussetzungen Wasser für Schneekanonen entnommen werden. Daran ändert sich in Zukunft nichts.“ Geisler möchte die Begutachtung heute in der Regierung beschließen. LH Günther Platter (VP) hat den Oberländer Touristikern jedoch das Wort gegeben, dass Wasserfassungen für die Beschneiung im bisherigen Rahmen möglich sind. Deshalb wurde bis gestern Abend um eine Formulierung gerungen, die die Seilbahner zufrieden stellt. Was bleibt, ist jedoch die allgemeine Kritik an den Tabustrecken. Und die dürfte sich heute weiter zuspitzen.

Schließlich plant die schwarz-grüne Landesregierung auch für das Unterland ein wasserwirtschaftliches „Regionalprogramm Inn“ von der Einmündung der Sill bis Kirchbichl. Allerdings in Absprache mit den Gemeinden, Planungsverbänden, Energieversorgern sowie den sonstigen Interessenvertretungen.

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