Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 24.01.2017


Innsbruck

Energiekonzept: Heiß-kalt für das Haus der Musik

Das Prestigeprojekt von Stadt und Land soll mit Grundwasser gekühlt bzw. geheizt werden. Die Behörde genehmigt das aber nur als „Versuch“. IKB und IIG fordern daher eine Ausfallshaftung über 2,5 Millionen €.

null

© Thomas Boehm / TT



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Keine Fernwärme, kein Gas. Die Stadt Innsbruck will das Energiekonzept des Hauses der Musik ganz auf die thermische Nutzung des Grundwassers auslegen. Das sei im Sinne des Innsbrucker Energieentwicklungsplans (IEP) und böte auch die Möglichkeit, weitere öffentliche Einrichtungen (Landestheater, Congress, MCI neu, Sicherheitszentrum) in diesem entstehenden Quartier ebenso an dieses System mittelfristig anzudocken, sagte gestern BM Christine Oppitz-Plörer (FI).

Über einen Brunnen in der Herrengasse sollen hierfür 60 Liter Grundwasser pro Sekunde entnommen und via Druckleitung zu Wärmetauschern im Haus der Musik geleitet werden, um selbiges zu kühlen bzw. heizen. Am Ende sprudelt das Grundwasser in den Inn zurück. Der Grundwasserbrunnen selbst soll mit 100 Litern/Sekunde größer dimensioniert werden, um eben die von Oppitz-Plörer skizzierte Erweiterung auf weitere Gebäude zu ermöglichen.

Das Ganze hat einen nicht unerheblichen Haken: Die Pläne sind so nicht genehmigungsfähig. Zumindest nicht in der ursprünglichen Variante. Das weiß die Stadt seit Mitte 2016. Also wurde umgeplant, wie IIG-Chef Franz Danler bestätigt. Man redimensionierte fürs Erste die geplante Entnahme auf nur noch 20 Liter/Sekunde. Und dem stimmte die Wasserrechtsbehörde im Stadtmagistrat zu – allerdings nur im Rahmen eines so genannten „wasserwirtschaftlichen Versuchs“. Demzufolge soll binnen fünf Jahren untersucht werden, ob diese Grundwasserentnahme weitere, bereits bestehende Wasserberechtigte im Umkreis beeinträchtigt. Tatsächlich würden diese nämlich das Grundwasser in weit geringerem Ausmaß als jeweils genehmigt nutzen – sagt die Stadt. Für das Haus der Musik und Co. sei also noch genug Grundwasser vorhanden. So die These.

Das Problem: Wird die Grundwasserentnahme nach fünf Jahren von der Behörde doch nicht genehmigt, muss die Energieversorgungtechnik beim Haus der Musik um teures Geld wieder aus- und umgebaut werden. Die Stadt-Töchter IKB und IIG rechnen in diesem Fall mit Kosten von rund 2,5 Mio. €. Auf denen sie aber nicht sitzen bleiben wollen. Und deshalb von Stadt und Land eine Ausfallshaftung einfordern. Oppitz-Plörer will die Haftung tragen und sie morgen dem Stadtsenat zur Beschlussfassung vorlegen. Sie geht davon aus, dass die Energiegewinnung genehmigt und daher die Haftung „zu 99 Prozent nicht schlagend wird“.

Offen ist, ob die Stadt die volle Haftung übernehmen oder selbige mit dem Land teilen wird. Das Haus der Musik ist eigentlich ein Gemeinschaftsprojekt. Eine Teilung läge also auf der Hand. Aus dem Büro von LR Beate Palfrader heißt es gestern, dass bezüglich der Ausfallshaftung die Gespräche noch im Laufen seien. Die Zahlen müssten überprüft werden, hierzu seien „wesentliche Informationen seitens der IKB noch ausständig“. Generell habe das Land großes Interesse am Aufbau einer gemeinsamen Kälte-/Wärmeschiene von IKB und Tigas auf Basis regenerativer Energien. Das Haus der Musik solle Teil dieser großen Lösung sein.

Die Stadt steht aber unter Zeitdruck und will Bauverzögerungen verhindern, sagt Oppitz-Plörer. Der Senat könnte daher auch die volle Haftungsübernahme beschließen. Zumindest vorläufig.