Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 03.02.2017


Tirol

Tourismus hatte Hochsaison im Landtag

Über Fachkräftemangel und Qualitätstourismus debattierten gestern die Parteien im Landtag. Durchaus kontroversiell entlang bekannter Fronten.

© Andreas Rottensteiner / TT



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Die SPÖ hatte das Thema der Aktuellen Stunde im Landtag vorgegeben und wollte über Fachkräftemangel und Qualitätstourismus reden. Abgeordneter Thomas Pupp erkannte in der Bürokratie einen Hemmschuh im Tourismus. Viel Lob gab es dagegen von seiner Seite für den „Lebensraum 4.0“. Also den Plan der schwarz-grünen Landesregierung, die Kräfte von Standortagentur, Tirol Werbung und Agrarmarketing zu bündeln und Synergien mit weiteren Einrichtungen des Landes zu nützen. Ex-Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle wurde vor Kurzem als Chefkoordinator präsentiert.

Die Branche von der rot-schwarzen Bundesregierung arg in Mitleidenschaft gezogen sah FP-Klubobmann Rudi Federspiel. Er erinnerte an die Anhebung der Mehrwertsteuer auf Dienstleistungen von zehn auf 13 Prozent. Diese Anhebung sei auch durch das neu aufgelegte Regierungsprogramm nicht zurückgenommen worden. „Die Bürokratie ist zudem ein Hindernis, das die SPÖ tatkräftig mit aufgebaut hat.“

Impuls-Abgeordneter Josef Schett verwies auf die vier Milliarden Bruttowertschöpfung, die durch den Tourismus generiert würden. Jahrzehntelang habe der Tourismus gut funktioniert, nun befinde man sich auf einem Scheideweg. „Es fehlt eine Strategie, wie man damit umgeht.“

Eine solche erkennt der ÖVP-Tourismussprecher, Siegfried Egger, im „Lebensraum 4.0“. Tirol sei zudem mit Tourismusfachschulen und einem „einzigartigen Forschungszentrum“ gut aufgestellt. Auch in die Mitarbeiter investiere die Branche. Die Nachfrage mache es allerdings notwendig, sieben Tage die Woche, vier mal zwei Monate im Jahr Service zu bieten. „Wir würden das ändern, wenn wir könnten.“ Egger ist selbst Hotelier in Kirchberg. Die Branche müsse auf ausländische Arbeitskräfte zurückgreifen, weil sie 50 Prozent mehr Arbeitsplätze geschaffen habe. Diese Zahl könne aus dem heimischen Arbeitsmarkt gar nicht abgedeckt werden. „Hören Sie auf, eine Branche schlechtzureden. Freuen wir uns, dass Tourismus passiert.“

SPÖ-Chef Elisabeth Blanik ortet im Tourismus ein „strukturelles Problem“. Lehrstellen würden nicht angenommen, weil die Belastung zu hoch und die Bezahlung der Jobs zu niedrig sei. „Nur 18 Prozent der Tourismusmitarbeiter sind vollbeschäftigt. Das Stempeln zahlt die Volkswirtschaft.“ Der Facharbeitermangel im Tourismus zeige die Defizite klar auf. An die Heilkraft des „Lebensraums 4.0“ glaubt Blanik offenbar nicht. „Das ist wohl eher eine Blase 4.0“, meinte sie.

Die Grünen präsentierten einen Lösungsansatz für den Facharbeitermangel. Der Mindestlohn gehöre erhöht und der Arbeitsmarkt für Asylwerber geöffnet, meinte Abgeordneter Ahmet Demir. Viele von der Arbeitgeber-Seite verursachte Probleme erkannte die Abgeordnete der Liste Fritz, Isabella Gruber. Das führe dazu, dass Stellen im Tourismus unbesetzt blieben, obwohl Menschen arbeitslos gemeldet seien.