Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 20.02.2017


Exklusiv

Traglufthalle in Hall bleibt Notunterkunft für Flüchtlinge

Wie geht es weiter mit den Traglufthallen für Asylwerber? Hall bleibt für die Krisenvorsorge in Betrieb, in Innsbruck wird der Sport Einzug halten.

© Thomas Boehm / TT



Innsbruck – 6,6 Millionen Euro hat die Tiroler Landesregierung für den Ankauf von fünf Traglufthallen zur Unterbringung von Asylwerbern ausgegeben. Kritik begleitete von Anfang an die Beschaffung. Einerseits gab es auch unter den Grünen viele kritische Stimmen gegen solche Massenquartiere, zum anderen protestierten Anrainer. Während die Traglufthalle in Hall relativ rasch aufgestellt wurde, gab es in Innsbruck einen wahren Behördenquerlauf. Weil sich die Flüchtlingssituation Mitte des Vorjahres entspannt hat, bleiben drei Traglufthallen unverpackt beim Hersteller. Jene in Innsbruck Arzl wurde nicht besiedelt. In Hall steht sie mittlerweile ebenfalls leer, die Asylwerber konnten in kleineren Einheiten einquartiert werden. Wie geht es jetzt mit den temporären Hallen weiter?

Wie die für Flüchtlingsfragen zuständige Landesrätin Christine Baur (Grüne) in einer Stellungnahme an den Landtag erklärt, soll die Traglufthalle in Hall im Sinne einer Krisenvorsorge weiterhin für die Aufnahme von Flüchtlingen verfügbar sein und in Betrieb gehalten werden. „Aufgrund der Einschätzungen der geopolitischen Lage, der Krisenherde insbesondere im Nahen Osten und der zahlreich erfolgten Anlandungen in Italien ist nach wie vor nicht ausgeschlossen, dass es innerhalb der nächsten Monate zu einem neuerlichen Anstieg der Flüchtlingszahl kommen kann. Deshalb ist es notwendig, eine größere Unterkunftsmöglichkeit im Zentralraum bereitzuhalten“, sagt Baur.

Die Traglufthalle in Innsbruck wurde zwar von der Stadt Innsbruck nach monatelangen Diskussionen baubehördlich genehmigt, doch die zusätzlichen Auflagen für einen Vollbetrieb würden Investitionen von rund 600.000 Euro erfordern. Die Halle wurde zwar winterfit gemacht, aber weitere Baumaßnahmen werden vorläufig nicht weiter verfolgt. Sie bleibt aber am Standort Innsbruck bestehen. Wie Baur gegenüber der TT bestätigt, gibt es derzeit mehrere Interessenten, die sie als Sporthalle nützen wollen. „Eine alternative Nutzung wird derzeit geprüft.“ Hinsichtlich der anderen drei Hallen sei man mit dem Hersteller im Gespräch, „aber auch hier gibt es einige Gemeinden, die Interesse angemeldet haben“.

In Tirol sind derzeit rund 6200 Asylwerber untergebracht. Die Oppositionsparteien SPÖ, FPÖ, Liste Fritz und Impuls haben zuletzt eine Prüfung der Flüchtlingsgesellschaft Tiroler Soziale Dienste (TSD) im Landtag beantragt. 180 Fragen wurden dem Landesrechnungshof übermittelt. Das Land gibt für die Flüchtlingshilfe rund 60,4 Mio. Euro aus, davon erhält die TSD rund 55 Millionen. 42,4 Millionen der Flüchtlingsausgaben werden vom Bund bzw. den Gemeinden refundiert. (pn)