Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 02.04.2017


Innsbruck

Gelebte politische Bildung im Jugendparlament

Von wegen Politikverdrossenheit: Beim internationalen Jugendparlament in Innsbruck berieten Schüler über aktuelle Probleme in der Alpenregion.

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© Thomas Boehm / TT



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Sieben Länder, neun Schulen, 85 Jugendliche, eine Thematik: Beim diesjährigen Jugendparlament zur Alpenkonvention in Innsbruck trafen Delegationen aus der gesamten Region aufeinander, um Lösungen für ein gemeinsames Problem zu finden – die demographi- sche Entwicklung und die Folgen für das Leben im Alpenraum. „Es ist unsere Chance, unsere Ideen einzubringen und zu lernen, wie Politik funktioniert“, sagt Katharina Stolz (17) vom Akademischen Gymnasium Innsbruck (AGI).

Wie können Bräuche erhalten bleiben, die Landflucht gestoppt, das Leben in den Dörfern attraktiver werden? „Viele Junge ziehen in die Städte“, sagt Corinne Rechsteiner (17) von der Schweizer Kantonsschule Trogen. Ein Grund ist die fehlende Kinderbetreuung: „Meine Eltern mussten mich in ein Dorf bringen, das eine halbe Stunde von unserem entfernt liegt.“ Was ihr noch am Herzen liegt: „Die Schweiz und Liechtenstein sind nicht an Natura 2000 beteiligt. Das sollte sich ändern.“ Ihrer Meinung nach sind viele Jugendliche an Politik interessiert: „Aber sie werden nicht ernst genommen.“

Matija Šiško aus Maribor in Slowenien (17): „Es sind nicht die Jungen, die nicht an Politik interessiert sind. Es sind die Politiker, die sich nicht für uns inter­essieren!“ Die Herabsetzung des Wahlalters – wie in Österreich auf 16 Jahre – könnte das ändern. In den meisten Ländern darf erst ab 18 gewählt werden.

Sieben Länder sind Mitglied der Alpenkonvention, ein Übereinkommen zum Schutz der sensiblen Region: Deutschland, Frankreich, Liechtenstein, Italien, Österreich, Slowenien und die Schweiz. „In der Politik wird zu viel über Differenzen gesprochen und zu wenig darüber, was wir gemeinsam schaffen können“, meint Kilian Schroeder aus Rosenheim (17). „Wir müssen über Landesgrenzen hinausdenken, was das Beste für uns alle ist.“

Die Initiative für das Jugendparlament kommt aus Innsbruck, AGI-Lehrer gründeten das „Youth Parlament to the Alpine Convention“ (YPAC) 2006 mit dem Sekretariat der Alpenkonvention. „Unter den Jungen gibt es keine Politikverdrossenheit“, freut sich Irmgard Senhofer, Lehrerin für Geschichte und Politische Bildung. Es ist ein Parlament zum Üben – oder wie Lehrer Ingo Martin meint: „Näher an der Demokratie können Schüler nicht sein.“ Zehn Resolutionen werden sie mit nach Hause nehmen und die berechtigte Hoffnung, dass diese in den politischen Gremien behandelt werden.