Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.04.2017


Bezirk Reutte

„Bikerbremse“ trifft nun alle Verkehrsteilnehmer

Tempolimits sollen ab Mitte April die Belastung der Anrainer durch Motorradtouristen reduzieren. Die Überwachung wird schwierig.

© TscholMit rigorosen Beschränkungen will man die Biker einbremsen.Foto: Nikolussi



Von Hans Nikolussi

Weißenbach – „Die ersten Verrückten sind bereits wieder unterwegs“, schildert Gaichtpass-Anrainer Karlheinz Pohler aus Weißenbach stellvertretend für viele das aktuelle Geschehen – und weiter: „Erst kürzlich habe ich wieder drei dieser Rowdys beobachtet. Sie sind den Gaichtpass wiederholt mit Geschwindigkeiten und Lautstärken auf und ab gerast, dass einem das Fürchten kommen könnte.“ Der wachsende Unmut der Bevölkerung sowie das Engagement mehrerer Bürgermeister und der Regio­nalentwicklung haben etwas bewegt. Das Land Tirol ist aktiv geworden. Es wird eine Reihe von Geschwindigkeitsbeschränkungen entlang der „Bikerrouten“ – allerdings für alle Verkehrhsteilnehmer – geben. Zeitnah werden die Tafeln vor Saisonbeginn aufgestellt werden. Damit hofft man unfallträchtige Strecken zu entschärfen und Lärmreduzierungen zu erreichen.

Bei der Präsentation der Maßnahmen durch den Leiter der Verkehrsabteilung des Landes, Bernhard Knapp, war aber auch durchaus Skepsis zu spüren. Auf die Euphorie-Bremse trat zum Beispiel Walter Schimpfössl, der stellvertretende Bezirkspolizeikommandant. Er warnte vor zu großen Erwartungen: „Es ist auf Grund der Personalausstattung im Außerfern schwer möglich, lückenlos und stetig zu überwachen.“ Man werde aber alles daransetzen, neben Schwerpunktaktionen auch die neuen „Zonen“ abzudecken. Er erwarte sich außerdem fallweise Personalunterstützung vom Landeskommando. BM Hans Dreier aus Weißenbach sah das mit Bedauern, freut sich aber dennoch, „dass Bewegung in die Sache“ gekommen ist. Die „Rennstrecke Gaichtpass“ mit der Beschränkung auf 60 km/h im Aufstieg sei längst fällig gewesen und könnte, Kontrolle vorausgesetzt, Wirkung zeigen. Auch Heiner Ginther, Bürgermeister von Elmen und Naturparkobmann, sah die Maßnahmen positiv und verwies erneut auf die Unverträglichkeit von Naturpark und Motorradlärm.

Nur noch mit „60 Sachen“ werden die Straßenbenutzer von Mitte April bis 31. Oktober auf der Verbindung Bichlbach – Namlos – Stanzach und am Hahntennjoch bis Imst unterwegs sein dürfen. 80er-Beschränkungen über den Sommer wird es im Bereich der Umfahrungen Tannheim, Weißenbach, Forchach und Elmen geben.

Noch bevor die Tempolimits in Kraft treten, wird in einschlägigen deutschen Motorrad-Internetforen heftigst diskutiert. Durchaus kontrovers, wie Auszüge daraus zeigen. „Aber nun gut, das heißt dann halt, die Geschwindigkeitsbeschränkungen im ersten Gang fahren, damit die sehen, dass das nichts bringt“, meint ein lautstärkenresistenter Biker. Oder: „Die Österreicher spinnen und wollen mehr Fahrspaßsteuern eintreiben.“ Einsichtig ein anderer: „Es handelt sich dabei um behördliche Maßnahmen im Kampf gegen Unfälle und Lärmbelästigungen durch Motorräder im Sommer. Was hat das mit Fahrspaßsteuer zu tun? Ich glaube, das ist eher die Dummheit der Motorradfahrer, die solche Maßnahmen auslösen.“ Andere Motorradfreaks können die Maßnahmen durchaus nachvollziehen: „Ist schon ne Art Schutz für uns selber. Da musst wirklich froh sein, dass die Strecken für Biker überhaupt noch offen sind.“

Im Bezirk Reutte und Imst wird man mit Argusaugen darüber wachen, ob die Maßnahmen wirklich greifen. Nach einer Evaluierung im Herbst könnten weitere Verbesserungen und Änderungen umgesetzt werden.