Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 26.04.2017


Exklusiv

Pitscheider vs. Willi: Grüner Showdown in Innsbruck

Sonja Pitscheider oder Georg Willi? Den Innsbrucker Grünen steht bei der Bezirksversammlung am Freitag ein heißes Match um die Spitzenkandidatur für die Gemeinderatswahl 2018 ins Haus. Der Ausgang ist offen.

© Böhm, HammerleDie Kandidaten: Sonja Pitscheider und Georg Willi stellen sich einer parteiinternen Kampfabstimmung.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck — SONJA PITSCHEIDER kennt die Situation nur allzu gut. Bereits 2010 musste sie sich erst intern — gegen die heutige Gemeinderätin Renate Krammer-Stark — zur Bürgermeister-Direktkandidatin durchboxen. In die Stichwahl gegen BM Christine Oppitz-Plörer schaffte sie es 2012 dann aber um Längen nicht — sie wurde noch hinter der SPÖ-Kandidatin Vierte. Die grüne Partei selbst belegte den dritten Platz. Seither ist Pitscheider 1. Vizebürgermeisterin in Innsbruck und Teil der Viererkoalition.

Bereits vor einem Jahr hat Pitscheider ihren erneuten Anspruch auf die Parteiführung ausgerufen. Weil sie weiterhin mit ihrem Team regieren will: „Der Klub steht hinter mir." Umso schärfer antwortete sie im Februar in einer ersten Reaktion auf die Ankündigung Georg Willis, sich ebenso am Freitag als Kandidat der grünen Basis stellen zu wollen. Der „Blabla"-Sager Richtung Willi sorgte für Wirbel.

Die Kandidaten

  • Sonja Pitscheider: Die 48-Jährige sitzt seit 2006 im Innsbrucker Gemeinderat, seit 2012 ist sie als 1. Vizebürgermeisterin der Stadt für die Bereiche Umwelt, Energie und Mobilität, Tiefbau und Frauenförderung zuständig.
  • Georg Willi: Der 58-Jährige war von 1989—1994 Gemeinderat der Stadt Innsbruck und saß von 1994 bis 2013 als Abgeordneter und Klubobmann im Tiroler Landtag. Seit 2013 ist er Nationalratsabgeordneter und Verkehrssprecher.

Die Wahltaktik nimmt Pitscheider gelassen — zuletzt hatten Umfragen Willi bessere Karten im Duell mit BM Christine Oppitz-Plörer (FI) als ihr bescheinigt. Wer die Grünen anführe, sei „eine Basisentscheidung. Ich habe nichts zu verlieren, ich bin keine Berufspolitikerin." Auch damit ist Willi gemeint. Sollte sie am Freitag keine Mehrheit erzielen können, dann „mache ich eine Pause". Soll heißen, die Privatwirtschaft könnte wieder rufen: „Wenn, dann mache ich etwas zu 100 Prozent oder gar nicht." Vorzeitig will Pitscheider aber sicher nicht aus dem Amt scheiden: „Ich bin gewählt." Die Gefahr einer Spaltung des grünen Klubs sieht sie nicht.

Doch Pitscheider will Bürgermeisterin werden — daran lässt sie keinen Zweifel: „Ich weiß, wie der Laden läuft." Auch wenn das bedinge, Kompromisse und Konflikte aushalten zu müssen: „Der Konflikt ist mir lieber als ein fauler Kompromiss." Pitscheiders weitere Ziele für 2018 sind klar: stimmenstärkste Partei zu werden und einen dritten Stadtsenatssitz zu bekommen.

Nationalrat als Plan B für Willi

GEORG WILLI war schon einmal in Innsbruck Bürgermeisterkandidat. Das war 2006. Spitzenkandidatin war damals die heutige Klubobfrau der Stadt-Grünen, Uschi Schwarzl. Auch wenn es 2006 noch keine BM-Direktwahl gab — Willi verfehlte sein Ziel klar. 2018 soll das anders werden. Zuvor muss Willi die grüne Basis überzeugen.

Dass das „keine leichte Aufgabe" wird, gibt Willi zu — und streut Pitscheider und ihrem Gemeinderatsklub Rosen. Pitscheider habe als Vizebürgermeisterin einige Erfolge für die Stadt auf der Habenseite zu verbuchen, sagt Willi. Von ihren Umsetzungsqualitäten halte er viel. Und trotzdem will er ihr die Führungsfunktion streitig machen. Der Unterschied zwischen ihr und ihm läge eher „in den weicheren Faktoren", sagt Willi: „Ich bin ein volksnaher Typ und guter Zuhörer." Und gerade beim Bürgermeisteramt gehe es eben auch „um gute Führung und Zuhörerqualitäten". Pitscheider wird das wohl nicht gerne hören.

Die Partei

  • Gemeinderatswahl 2012: Bei der letzten Innsbrucker Gemeinderatswahl kamen die Grünen auf 19,1 Prozent und wurden damit hinter ÖVP (21,9?%) und Für Innsbruck (21?%) drittstärkste Fraktion. Die Dreierkoalition FI/Grüne/SPÖ wurde Ende 2015 mit der ÖVP zu einer Viererkoalition aufgestockt.
  • Bezirksversammlung: Am Freitag wählen die Grünen den Bürgermeisterkandidaten. 394 Mitglieder sind stimmberechtigt — mit rund 200 Anwesenden wird gerechnet.

Willis Kandidatur — quasi aus heiterem Himmel — hat im grünen Klub für Unruhe gesorgt. Insbesondere sein Spruch „Die Zeit ist reif für einen Wandel in Innsbruck", stieß einigen Mandataren sauer auf. Da sei er missverstanden worden, sagt Willi. Das sei nicht auf die Regierungsarbeit der Grünen, sondern lediglich auf das Bürgermeisteramt gemünzt gewesen. Dass seine mögliche Nominierung die Stadtpartei spalten könnte, glaubt er nicht. Interne Kampfabstimmungen habe es auch in der Vergangenheit gegeben. Dass Pitscheider im Falle seiner Wahl zurücktreten will und auch StR Gerhard Fritz damit liebäugeln soll — diesen Verlust fände er „schade". Bürgermeister will er trotzdem werden. Sollte er nicht nominiert werden, dann will Willi wieder für ein grünes Nationalratsticket kandidieren.