Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.04.2017


Exlkusiv

Unfallchirurgen fühlen sich im Stich gelassen

Die Schlagzeile, dass die Notfallambulanz an der Klinik entlastet wird, sorgt bei den Kollegen an der Unfallchirurgie für einen Aufschrei.

43.479 Patienten suchten letztes Jahr an der Klinik die Unfallnotambulanz auf.

© thomas boehm43.479 Patienten suchten letztes Jahr an der Klinik die Unfallnotambulanz auf.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – 43.479 Patienten wurden letztes Jahr in der Notaufnahme der Unfallchirurgie an der Universitätsklinik Innsbruck behandelt. Die Ärzte seien sehr belastet, auch weil sich viele Patienten mit Banalitäten in der Notaufnahme einfänden. „Wir müssen jeden anschauen und dürfen keinen wegschicken“, erklärt Renate Larndorfer, geschäftsführende Oberärztin an der Unfallchirurgie. Larndorfer hat letztes Jahr die neuen Ärztegehälter mitverhandelt.

An der Unfall- zeigt sich damit ein ähnliches Bild wie an der Notfallambulanz. Letztere soll, wie berichtet, entlastet werden. Land, Klinikspitze und Sozialversicherung richteten ein Erstaufnahmezentrum ein. Dort stufen nun Allgemeinmediziner und Pfleger Patienten nach Dringlichkeit ein. 22.000 Menschen lassen sich pro Jahr in der Notfallambulanz versorgen, zehn Prozent davon sind tatsächlich Notfälle. Durch die Selektion sollen die Notfallmediziner entlastet werden.

Das fordert Larndorfer nun auch für die Unfallnotaufnahme. „Eine Verteilung der Patienten wäre mehr als angesagt.“ Weil Ärzte Arbeitszeiten einhalten müssten, seien die Dienstpläne an der Unfall immer noch „sehr verdichtet“. Operationen müssten aufgrund von Engpässen auf der Anästhesie verschoben werden. Die Wartelisten seien „immens lang“. Oft könnten nur noch Patienten behandelt werden, die eine lokale Betäubung bräuchten.

Die ärztliche Leiterin der tirol kliniken, Renate Kofler, versteht den Ärger. Sie schlägt vor, den Pilotversuch mit dem Erstaufnahmezentrum genau zu beobachten. Allerdings solle die Evaluierungsphase nicht zwei Jahre, sondern nach Koflers Vorstellungen ein Quartal betragen. Mutmaßungen an der Klinik, dass die Innere Medizin bevorzugt worden wäre, weil sie der Bruder des Gesundheitslandesrates leite, lässt Kofler „in dem Fall nicht gelten“. Das liege mehr an den Räumlichkeiten an der Unfallchirurgie. „Es fehlt der Platz.“

ÖVP-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg weist eine Bevorzugung der Inneren Medizin zurück. „Die Ambulanz dort ist die zweitgrößte nach der Unfall. Aber auf der Unfall gibt es viel mehr Patienten, die nicht von einem Allgemeinmediziner behandelt werden können.“ Ähnliches gelte auch für die Ambulanz an der Kinderklinik. Wenn das Pilotprojekt Erfolg hat, will Tilg bereits ab 2018 weitere Erstaufnahmezentren einrichten – an der Klinik und in anderen Spitälern.