Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 07.05.2017


Klinik Innsbruck

Ankauf von Operationsroboter für Uni-Klinik nicht rentabel

Die Liste Fritz fordert ein neues „Da Vinci“-Gerät für die Innsbrucker Klinik. Die Kosten seien hoch, die Methode schonender. Die tirol kliniken bezweifeln den Nutzen.

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© Ordensklinikum Linz / W.Harrer



Von Alexandra Plank

Innsbruck – Über die Prostata sprechen Männer ungern. Gezielte Kampagnen, wie jene, in der Männer lose Krawatten tragen, sollen dazu führen, dass Männer ab dem 45. Lebensjahr regelmäßig zur Prostatakrebs-Früherkennung gehen. Knapp 5000 Männer erkranken pro Jahr in Österreich an einem Prostatakarzinom. Eine effektive Behandlungsmethode, das Roboter-assistierte Chirurgensystem „Da Vinci“, war an der Innsbrucker Universitätsklinik bis 2013 im Einsatz. Beim Ausscheiden hatte es schon 13 Jahre auf dem Buckel. Es wurde ausgemustert, kein neues System mehr angeschafft. Bei computerunterstützten Operationen sitzt der Operateur an einer Konsole, die er steuert. Die mikrofeinen Instrumente können wie Handgelenke bewegt werden.

Andrea Haselwanter-Schneider, Klubobfrau der Liste Fritz, drängt darauf, ein neues Gerät zu kaufen: „Die Tiroler Patienten verdienen die beste Patientenversorgung mit der modernsten Technologie.“ Ein diesbezüglicher Antrag, den sie im März-Landtag einbrachte, wurde ausgesetzt. Schützenhilfe gibt es von Betroffenen. Schon 2014 schrieb Hans Kuba, Obmann der Prostatakrebs Selbsthilfegrupp­e Tirol, einen Brief an den Dachverband. Darin hielt er fest, Metaanalysen hätte­n gezeigt, dass „die Da-Vinci-­Methode in Bezug auf die Früh­kontinenz und die postoperative Potenz“ klare Vorteile aufweise.

Wolfgang Horninger, Direktor der Universitätsklinik für Urologie, bestätigt, dass der Operations­roboter ausgelastet wäre und interdisziplinär eingesetzt werden könnte. Der Vorteil liege vor allem darin, dass bei dieser Operationsweise die Regeneration der Patienten schneller erfolge. „Natürlich brauchen wir Spezialisten, die diese Methode durchführen können. Der ,Da Vinci‘ ist nur so gut wie der Operateur, der ihn bedient.“ Für den Ruf der Universitätsklinik sei es unerlässlich, bei Entwicklungen der Zukunft dabei zu sein, betont Horninger. Der Urologe befürchtet, dass die Zukunft bereits da sei und man in Tirol Wesentliches verschlafen habe. Ein Problem des Roboters seien die Kosten; sie belaufen sich auf 1,7 Millionen Euro. Auch die Wartung sei teuer. Der Professor geht jedoch davon aus, dass künftig mehr Hersteller das Gerät anbieten werden, wodurch dieses billiger werde.

„Ein Operationsroboter ist für die Patientenversorgung unerlässlich, und auch die jungen Mediziner brauchen ihn für ihre Ausbildung“, legt Haselwanter-Schneider nach. Teilweise würden Tiroler Patienten bis Linz fahren, um die roboterunterstützte Operation durchführen zu lassen. Klaus Praxmarer von der Selbsthilfegruppe glaubt auch, dass die Anschaffung rein an den Kosten scheitert: „Wir sind optimistisch, dass sich die Vernunft durchsetzt.“

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Der Medizinische Direktor der tirol kliniken Wolfgang Buchberger ist vom Roboter nicht überzeugt. Neueste Studien hätten keinen klaren Mehrwert für die Patienten ergeben. Auch die Medizin-Uni dränge nicht auf die Anschaffung des Gerätes. „In Zeiten knapper Budgets müssen wir Schwerpunkte setzen. Wir tun das etwa in der Strahlentherapie.“ In Wien müssten Krebspatienten bis zu fünf Monate auf die Strahlentherapie warten. „Bei uns sind sie hervorragend versorgt“, schließt Buchberger.