Letztes Update am Do, 25.05.2017 07:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Audienz beim Papst

Platter beim Papst: Unmut über Bischofs-Blockade steigt

LH Günther Platter bittet Papst Franziskus um baldige Ernennung des Innsbrucker Bischofs. Blockaden gegen mögliche Kandidaten dürften das bisher verhindert haben.

© Servizio Fotografico Landhauptmann Günther Platter bei der Generalaudienz von Papst Franziskus im Vatikan.



Innsbruck, Rom – Am 18. November 2015 wurde Bischof Manfred Scheuer von Papst Franziskus zum Linzer Oberhirten ernannt, seit Mitte Jänner ist der Bischofsstuhl in der Diözese Innsbruck unbesetzt. Seit damals gibt es auch einen Dreier-Vorschlag der Diözese für die Nachfolge u.a. mit Diözesanadministrator Jakob Bürgler und dem Pfarrer von Innsbruck-Allerheiligen, Franz Troyer.

Der päpstliche Botschafter in Österreich, Nuntius Peter Stephan Zurbriggen, hat seine Befragungen im November abgeschlossen und seinerseits einen Fünfer-Vorschlag der Bischofskongregation übermittelt. Bürgler, Troyer, der Regens des Priesterseminars, Roland Buemberger, der Abt von Stift Wilten, Raimund Schreier, und den aus Innsbruck stammenden zweiten Kirchenanwalt am vatikanischen Höchstgericht, Nikolaus Schöch, werden als seine Kandidaten gehandelt. Das Zögern Roms löst mittlerweile Unverständnis aus, weil es nicht an geeigneten Bewerbern mangelt. Sollte einer abgesagt haben, was durchaus vorstellbar ist und immer häufiger vorkommt, gibt es ja weitere Vorschläge. Vielmehr könnte hinter den Kulissen interveniert und blockiert werden. Da könnten durchaus auch einflussreiche Einflüsterer aus Österreich und Tirol eine gewisse Rolle spielen. Möglicherweise ist Innsbruck zwischen Mühlen und Machtspiele geraten.

Der Nuntius dürfte hingegen eine Tiroler Lösung bevorzugen, das hat er den diözesanen Gremien stets signalisiert. Offenbar wurde anfangs jedoch gegen den Wunschkandidaten Jakob Bürgler opponiert. Der ehemalige Generalvikar führt seit Scheuers Abgang die Diözese umsichtig und genießt nicht nur in der Kirche großes Vertrauen. Aufgrund der Wartezeit könnte das Pendel wieder in seine Richtung ausschlagen.

Gestern nützte LH Günther Platter (VP) seinen Rom-Besuch für einen erneuten Vorstoß. Der erste beim Nuntius verhallte ungehört. Bei einer persönlichen Audienz übergab er Papst Franziskus einen Brief mit der Bitte nach einer baldigen Bischofs­ernennung in Innsbruck. „Darauf hat mir der Heilige Vater mit einem klaren ‚Ich weiß um die Situation Bescheid‘ geantwortet“, sagte Platter danach. Das Amt des Bischofs sei eine tragende Säule weit über die katholische Gemeinschaft in Tirol hinaus. Er gebe den gläubigen Menschen Halt und Sicherheit, Zuversicht und Hoffnung. „Daher ist es mir persönlich sehr wichtig, dass das Land Tirol in möglichst naher, absehbarer Zukunft wieder einen Oberhirten begrüßen darf.“

Mit seinem Appell drückt der Landeschef offensichtlich die Stimmungslage in Tirol aus. Der Innsbrucker Theologe Roman Siebenrock bezeichnet die Initiative deshalb als „mehr als nur einen symbolischen Akt. Es ist schon bemerkenswert, ich kann mich an so eine Vorgangsweise in jüngster Zeit nicht erinnen.“ In seiner Funktion als Landeshauptmann dränge Platter auf Klärung einer für das Land wichtigen Frage. „Und dabei geht es nicht nur um die Katholiken.“ Kirchenrechtlich habe Platters Vorgehen keine Relevanz, „aber moralischer Druck wird dadurch schon erzeugt“.

Für den Politologen Ferdinand Karlhofer läuft entweder an den Schalthebeln im Vatikan etwas schief, weil es einen gewissen Entscheidungs-Stau gebe. „Oder es ist eine Geringschätzung einer Provinzdiözese.“ Andererseits stelle er eine niedrige Frustrationsschwelle bei engagierten Katholiken fest, „ansonsten müsse der Protest viel lauter sein“. Interventionen und Querschüsse gegen handverlesene Kandidaten seien natürlich immer möglich, fügt Karlhofer hinzu. (pn)