Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.06.2017


bezirk kufstein

Das Söllandl soll für die Jungen lebenwert bleiben

TVB Wilder Kaiser im Dialog mit der Bevölkerung: Der Gefahr des Identitätsverlustes und leerer Dörfer soll gegengesteuert werden.

© OtterGF Lukas Krösslhuber (2. v. r.) bei der Auswertung der Umfrage.



Von Wolfgang Otter

Söll – Der Tourismus im Söllandl (Tourismusverband Wilder Kaiser) floriert. 2 Millionen Nächtigungen im Jahre 15/16, im Sommer sogar ein Plus von 26 Prozent, innerhalb von drei Jahren stieg die Nächtigungszahl von knapp 800.000 auf über eine Million. Mit der wachsenden Nachfrage steigt der Preis und die Touristiker können bessere Preise erzielen. Also auf der Unternehmerseite eine erfreuliche Entwicklung. Aber wie geht es eigentlich der Bevölkerung damit? Welchen Stellenwert hat der Tourismus bei ihr und wie kommt sie mit dem Gästeansturm zurecht? „Und was wollen wir künftig für einen Tourismus haben“, meint Lukas Krösslhuber, GF des Tourismusverbandes.

Fragen, die der TVB Wilder Kaiser und die Mitgliedergemeinden beantwortet haben möchten. Daher starteten sie ein beachtenswertes Projekt: die Zukunftsdialoge, bei denen Touristiker und Bewohner der Region gemeinsam über die Zukunft nachdenken. Nach einigen internen Diskussionsrunden kam es am Mittwochabend zu einem öffentlichen Diskussionsforum in Söll.

Fünf Kernpunkte waren zuvor herausgearbeitet worden: Sie umfassten die Fragen nach Maßnahmen zur Nachhaltigkeit, den Einsatz für die intakte Natur, die Perspektive für die Jugend, die Bestimmung und Erhaltung der eigenen Identität und den Stellenwert des Tourismus bei der Bevölkerung.

Planungsverbandsobmann Christian Tschugg, Bürgermeister in Scheffau, meinte einleitend zum Diskussionsforum: „Wir müssen erreichen, dass der Tourismus als wichtigster Wirtschaftsfaktor von der Bevölkerung mitgetragen wird, nur so kann er längerfristig funktionieren.“

An diesem Abend ging es auch darum, auszuloten, welche Themen den Söllandlern besonders wichtig sind. Und dabei hat die Frage der Perspektiven für die Jugend ganz klar die Priorität. Für Krössl­huber ebenfalls ein wichtiger Punkt, wie er nach der Veranstaltung zur TT meinte, „denn wir brauchen die Jugend“. Als Unternehmer und Mitarbeiter, womit auch die Frage des Images des Tourismus verbunden sei. Aber auch Dörfer, die ausgestorben sind, seien weder im Sinne der Touristiker noch der Politiker. Damit verbunden ist in erster Linie die Frage der Wohnkosten. Im Söllandl schießen als Nebenprodukt des erfolgreichen Tourismus die Grund- und Lebenshaltungskosten in die Höhe. Daher gibt es die Aufforderung dagegenzusteuern. Besonders erfreulich ist für Krösslhuber nicht nur die große Beteiligung der Bevölkerung, sondern, „dass von niemandem der Tourismus per se in Frage gestellt wird“.

Im Herbst wird der Prozess in Arbeitskreisen, für die es laut TVB-Geschäftsführer viele Anmeldungen gibt, fortgesetzt. Der Dialog soll übrigens eine ständige Einrichtung werden.