Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.06.2017


Exklusiv

Am TirolBerg in Tirol scheiden sich die Geister

„Es wird nicht so wie in St. Moritz“, versichert die Tirol Werbung. In Innsbruck und Seefeld werde überlegt, einen „TirolBerg light“ aufzustellen.

Der TirolBerg ist eine beliebte Bühne für Politik, ÖSV und Tourismus: LH Platter, ÖSV-Präsident Schröcksnadel, Hochfilzens BM Walk und Tirol-Werber Margreiter (v. l.). Auch in Innsbruck und in Seefeld sind TirolBerg-Light-Versionen angedacht.

© Thomas Boehm / TTDer TirolBerg ist eine beliebte Bühne für Politik, ÖSV und Tourismus: LH Platter, ÖSV-Präsident Schröcksnadel, Hochfilzens BM Walk und Tirol-Werber Margreiter (v. l.). Auch in Innsbruck und in Seefeld sind TirolBerg-Light-Versionen angedacht.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Da reicht bereits ein kleiner Gegenwind und schon entsteht ein Sturm der Entrüstung. Zumindest beim Chef der Tirol Werbung, Josef Margreiter. Sein Herz hängt am TirolBerg. Und dass weder ÖVP-Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl noch FPÖ-Klubobmann Rudi Federspiel einen TirolBerg in Tirol wollen, ärgert Margreiter.

Derzeit sei noch nichts fixiert. Aber für die Kletter- und die Rad-WM in Innsbruck 2018 und die Nordische Ski-WM in Seefeld 2019 seien TirolBerge angedacht. „Es wird sicher nicht so wie in St. Moritz“, erklärt Margreiter. Damit meint er nicht das Desaster mit der Speisekarte, sondern den Aufwand. 1,3 Millionen Euro hat der Auftritt in der Schweiz gekostet. In Tirol werde das weit weniger teuer, weil der TirolBerg wenn, dann ohne das Gastronomieangebot konzipiert werde. Margreiter schwebt ein TirolBerg à la Hochfilzen vor. Dort war das Marketingtool vor allem ein Pressezentrum samt kleinem Barbereich, ein Zusatzmedienservice, wie Margreiter es nennt.

In Innsbruck hat der Obmann der Fachgruppe Gastronomie, Josef Hackl, die Zeitung in der Früh aufgeschlagen, die Einschätzung von Franz Hörl gelesen und zustimmend genickt. „Ein TirolBerg macht nur im Ausland Sinn. Hier sicher nicht. Da hat der Hörl zu 100 Prozent Recht“, sagt Hackl. Die Innsbrucker Gastronomie hätte wohl auch wenig Freude, wenn im TirolBerg im großen Stil Besucher verköstigt würden. Um Gastfreundschaft vorzuführen, brauche es keinen TirolBerg. Die könne man vor Ort in vielen Lokalen erleben, erklärt Hackl.

„Wir brauchen sicher keine Konkurrenz zur Gastronomie vor Ort“, sagt auch Karin Seiler-Lall, Geschäftsführerin des größten Tourismusverbandes Innsbruck und seine Feriendörfer. Ein TirolBerg sei ihrer Meinung nach nicht nötig. Der Idee, ein Fernsehstudio mit Blick auf die Stadt oder auf die Berge als Zusatzangebot für TV-Stationen bereitzustellen, kann sie etwas abgewinnen. „Das soll aber in einer bestehenden Location im Zielgelände untergebracht werden“, sagt Seiler-Lall. Das Zielgelände für die Rad-WM ist vor der Innsbrucker Hofburg, dem Landestheater und dem Haus der Musik. „Wir werden sicher kein Zelt oder um viel Geld extra ein Haus aufstellen“, sagt Seiler-Lall. „Das Fernsehstudio macht auch nur mit Ausblick Sinn.“ Selbst für die Umsetzung der abgespeckten Variante brauche Innsbruck Partner und einen „Umsetzer“. „TirolBerg würde ich das nicht nennen. Eher Tirol-Medienberg.“

Das wiederum hält Margreiter für keine gute Idee. „Ich bleibe bei TirolBerg, weil der Name in der Medienwelt eine Marke ist.“ Die Markenexpertin in der Tirol Werbung, Claudia Knab, will sich beim Namen noch nicht festlegen. Das angedachte Projekt sei kostengünstiger als St. Moritz, aber auch als Hochfilzen. Knab denkt an eine „Media-Lounge, eine Begegnungsstätte, als Ergänzung zum großen Pressezentrum“. Im Sommer wolle man alle Interessenten an einen Tisch holen. „Wir müssen die finanziellen Mittel auftreiben, Partner suchen und uns dann auf einen Namen einigen“, meint Knab.

Partner des TirolBerges sind Unternehmen und die Tourismusverbände. Sie bezahlen einen Beitrag und können die Location für einen Abend nützen. „Auf den Märkten macht das für die Destinationen Sinn. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass beispielsweise ­Ischgl oder das Zillertal sich in Innsbruck vorstellen“, meint Innsbruck-Chefin Seiler-Lall.

Tirol-Werber Margreiter lässt das offen. „Wir haben noch nicht mit den Partnern der Austragungsorte für die Rad-WM gesprochen“, sagt er. Bei der Rad-WM haben sich neben Innsbruck das Ötztal, Alpbachtal-Seenland, Hall-Wattens und Kufstein eingekauft. Die Rad-WM soll zwölf Millionen Euro kosten. Die sind budgetiert. Um 15 Millionen Euro werden Radwege gebaut. Damit das Produkt am Ende auch zum Groß-Event passt.