Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.06.2017


Innsbruck-Land

Umstrittenes Seehotel in Obernberg genehmigt

Das Landesverwaltungsgericht hat den Naturschutzbescheid für das Hotelprojekt am Obernberger See bestätigt und Einsprüche abgelehnt.

Die Beschwerden des Umweltanwalts wurden abgelehnt, das Hotelprojekt am Obernberger See auch in zweiter Instanz genehmigt.

© Atelier Krissmer&PartnerDie Beschwerden des Umweltanwalts wurden abgelehnt, das Hotelprojekt am Obernberger See auch in zweiter Instanz genehmigt.



Obernberg – Ende Oktober hat die Naturschutzbehörde der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck im zweiten Anlauf dem Seminarhotel mit dem runden Turm und den teils in den Hang eingegrabenen Wohntanks die naturschutzrechtliche Bewilligung erteilt. Der Entscheidung waren heftige Differenzen über Gutachten vorausgegangen, Umweltreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) stoppte sogar mit Weisung die Bescheiderstellung. Ein externer Sachverständiger wurde mit einer Expertise über die Auswirkungen auf das Landschaftsbild beauftragt. Seit 1935 ist der See nämlich ein Naturdenkmal.

Das Gutachten fiel negativ aus, das Hotelvorhaben wurde dennoch genehmigt. Vor allem aus öffentlichen bzw. touristischen Gründen. Das konnte wiederum der Umweltanwalt Johannes Kostenzer nicht nachvollziehen, er legte Berufung ein. Und so wanderte der Akt wie schon beim ersten Mal zum Landesverwaltungsgericht. 2014 wurde das so genannte Natur Refugia gestoppt. Diesmal wies Verwaltungsrichter Peter Christ die Beschwerden des Umweltanwalts ab. Das zeichnete sich schon in der mündlichen Verhandlung ab, drei Anträge des Umweltanwalts auf zusätzliche Gutachten gingen ins Leere. Eine ordentliche Revision beim Verwaltungsgerichtshof ist nicht möglich, der Umweltanwalt wird das Erkenntnis jetzt auf mögliche Formalfehler prüfen.

Der Naturschutzbescheid ist das eine, die Zufahrt zum geplanten Hotel das andere. Die Bringungsweggemeinschaft als Wegerhalter lehnt nämlich eine Benützung kategorisch ab, die Projektwerber wollen sie deshalb durch eine Straßeninteressengemeinschaft ablösen. Noch gestern brachte der Unternehmer Clemens Unteregger bei einer Gemeinderatssitzung in Obernberg einen entsprechenden Antrag ein. Dazu sein Anwalt Thomas Kerle: „Die Gemeinde hat die Grundfläche des Betriebes bereits umgewidmet. Schon allein deshalb wird die Gemeinde Sorge tragen müssen, dass auch eine funktionierende Wegverbindung zum Gasthaus geschaffen wird.“

Offen ist noch die bau- und gewerberechtliche Genehmigung, hier wartet Unteregger schon seit zwei Jahren auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs. Sollte sie positiv sein, wird das alte Gasthaus laut Anwalt Kerle sofort abgerissen. (fell, pn)