Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.06.2017


Exklusiv

300.000-Euro-Minus am Glungezer

Um den Abgang nach der jüngsten Wintersaison zu decken, zählt BM Wegscheider aus Tulfes auch auf die Beteiligung der Umlandgemeinden. Dort regte sich zuletzt aber Unmut über „mangelnde Informationspolitik“.

Die Bürgermeister der Umlandgemeinden bekritteln nebulöse Informationen, was Finanzen und Zukunftskonzepte am Glungezer angeht.

© BöhmDie Bürgermeister der Umlandgemeinden bekritteln nebulöse Informationen, was Finanzen und Zukunftskonzepte am Glungezer angeht.



Tulfes – Der „Liquiditätsengpass“ bei der Glungezerbahn – und ein Zuschuss der Gemeinde an die Bahn – beschäftigten gestern Abend den Tulfer Gemeinderat (nach Redaktionsschluss). Laut BM Martin Wegscheider, Geschäftsführer der Glungezerbahn, beträgt das Minus nach Ende der Wintersaison rund 300.000 Euro, davon werde die Gemeinde ca. 100.000 Euro selbst tragen. Daneben werde es auch eine Beteiligung der 20 Umlandgemeinden brauchen – gemäß einer Vereinbarung, die noch unter seinem Vorgänger Josef Gatt getroffen worden sei. Das sind dieselben Gemeinden, die auch bei der geplanten Erneuerung der ersten Liftsektion zwischen Tulfes und Halsmarter (Einseilumlaufbahn statt Sessellift) mitzahlen sollen – laut Finanzierungsplan sollen sie zusammen rund 2,2 Mio. von insgesamt ca. 7 Mio. Euro stemmen. Wegscheider will nun vor Ort vorstellig werden und gemäß der geltenden Vereinbarung zusätzlich zur Finanzierungssumme der Seilbahn auch den Abgang mittragen lassen. Er habe dazu bei allen drei Planungsverbänden der Region (Hall und Umgebung, Wattens und Umgebung sowie Südöstliches Mittelgebirge) um Termine angefragt. Die exakte Höhe des Abgangs habe er nicht früher wissen können, betont Wegscheider, da die Endabrechnung der miteinzubeziehenden Freizeittickets noch gefehlt habe. Es sei „nicht ideal, die Gemeinden jetzt zweifach zur Kasse zu bitten, aber die Gemeinde Tulfes kann das Minus einfach nicht alleine stemmen“. Gründe für den Abgang seien „zwei schwache Winter“ und die bislang fehlende Beschneiung.

Zum Stand des Seilbahnprojekts berichtet Wegscheider, dass noch keine Bauverhandlung anberaumt sei. Von der Seilbahnbehörde im Verkehrsministerium bekomme er erst einen Termin, wenn die Finanzierung vollkommen geklärt sei und an das Ministerium übermittelt wurde.

Unter Wegscheiders Bürgermeisterkollegen mehrte sich zuletzt der Unmut, viele fühlen sich unzureichend informiert. Begriffe wie „verwirrend“, „unkoordiniert“ oder „Überforderung“ sind aus den Amtsstuben zu hören.

BM Christoph Walser aus Thaur – wo schon vor zwei Jahren unter BM Giner eine finanzielle Beteiligung beschlossen wurde – erklärt, „dass aus Thaur nur Geld fließen wird, wenn wir alle Zahlen am Tisch haben“. Zudem wolle er ein Gesamtkonzept und eine „klare Strategie“ für den künftigen Betrieb am Glungezer sehen. „Wenn ich als Bürgermeister die Nachbargemeinden für so ein wichtiges Projekt brauche, dann muss ich persönlich mit den Bürgermeistern reden und sie über den genauen Stand informieren“, sagt Walser hörbar verärgert.

Volders stimmt heute über eine finanzielle Beteiligung in Höhe von 177.000 Euro ab. „Wir haben schon 2015 zugesagt, dass wir mitzahlen, nun beschließen wir um ca. 10.000 Euro mehr“, erläutert BM Max Harb. (Das hat mit dem seit 2014 gestiegenen Baukostenindex zu tun, durch den sich der geplante Gemeindeanteil von 2 Mio. auf nunmehr 2,2 Mio. Euro erhöhte.)

„Uns ist wichtig, dass der Skibetrieb am Glungezer erhalten bleibt, besonders für unsere Kinder und Senioren“, sagt Harb, der daher mit einem einstimmigen Beschluss rechnet. Man habe Wegscheider aber nahegelegt, einen detaillierten Businessplan zu erstellen „und darin auch zu erklären, wie der weitere Ausbau erfolgen soll“. Auch BM Peter Hanser (Mils) hält eine konzertierte Abwicklung über die Planungsverbände und einen „Businessplan für die nächsten fünf Jahre“ für notwendig. Daran, dass der Baustart für die neue Seilbahn bereits im August erfolgen und die Bahn schon in der Wintersaison 2017/18 in Betrieb gehen könnte, glaubt inzwischen niemand mehr. (md, mxs)