Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.06.2017


Landespolitik

FPÖ will Blockade am Brenner

Um gegen die Verkehrsbelastung zu kämpfen, will die FPÖ den Brenner lahmlegen. SPÖ und Impuls regt Schwarz-Grün auf.

© TT/Thomas Böhm(Symbolfoto)



Innsbruck – So ändern sich die Rollen der Parteien und die Zeiten. Die Grünen, früher mit Atemschutzmaske bei den Transitgegnern auf der Autobahn anzutreffen, verteidigen heute die Arbeit ihrer grünen Verkehrslandesrätin Felipe. „Auch wenn SPÖ und FPÖ noch so hartnäckig ignorieren, dass die Tiroler Luft seit 2013 besser geworden ist und dass der Schienentransport in Tirol auf dem höchsten Stand seit 2012 ist“, wünscht sich der grüne Landtagsvizepräsident Hermann Weratschnig eine Diskussion auf Grundlage der Fakten. „Fakt ist auch, dass die Grenzwerte für Schadstoffe weiterhin um ein Mehrfaches überschritten werden“, hält Transitforum-Chef Fritz Gurgiser dagegen. Sein Ex-Mitkämpfer Weratschnig meint, der grünen Regierungsbeteiligung seien Tempo 100 und das sektorale Fahrverbot zu verdanken. Letzteres soll bestimmte Güter auf die Schiene und auf saubere Lkw verbannen.

Eine neue Rolle spielt auch FPÖ-Chef Markus Abwerzger. Als LH-Stellvertreterin Ingrid Felipe am Brenner gegen Grenzkontrollen demonstrierte, ging das für die FPÖ gar nicht. Eine Demo am Brenner gegen die Verkehrsbelastung kann sich Abwerzger jetzt allerdings vorstellen. „Am Verhandlungstisch in Brüssel bringt Schwarz-Grün nichts zustande, da ist mit Kampfmaßnahmen mehr zu erreichen.“ Abwerzger ortet ein „Totalversagen der Landesregierung beim Kampf um bessere Luft“. Das sektorale Fahrverbot hätte vor Jahren und nicht erst Ende 2016 eingeführt werden sollen, sagt er. Tempo 100, das laut Experten am meisten zur Luftverbesserung beiträgt, lehnen die Blauen allerdings ab.

Felipe habe sich in Brüssel über den Tisch ziehen lassen, meint SPÖ-Vekehrssprecher Georg Dornauer. „Die versprochene Reduktion von 200.000 Lkw-Fahrten wird durch das sektorale Fahrverbot mit unzähligen Ausnahmen ganz sicher nicht erreicht.“ Impuls-Parteichefin Maria Zwölfer sagt, „Schwarz-Grün soll endlich aufhören, der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen“. Weder die viel gepriesene Fernpassstrategie noch das sektorale Fahrverbot in der jetzigen Form bringe eine Entlastung. „Das sind Pseudomaßnahmen, wie man an den plus sechs Prozent Lkw am Brenner sieht.“ (aheu)