Letztes Update am Fr, 09.06.2017 10:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Alpenverein gegen Oppitz: Showdown am Patscherkofel

Alpenverein-Sektionsanwalt Andreas Ermacora kämpft für die Zukunft und die Aussicht des Schutzhauses. Innsbrucks BM Christine Oppitz-Plörer sieht keine Alternative für eine Verlegung der Kofel-Bergstation.

Bauarbeiten für die neue Bergstation der Patscherkofelbahn. Der Alpenverein fürchtete um die Aussicht seines Schutzhauses Richtung Stubaital.

© Michael KristenBauarbeiten für die neue Bergstation der Patscherkofelbahn. Der Alpenverein fürchtete um die Aussicht seines Schutzhauses Richtung Stubaital.



Von Manfred Mitterwachauer

Alpenverein: „Wir warten ab, was das Volk entscheidet“

Der Alpen­vereinssektion Touristenklub Innsbruck gehört das weit über die Innsbrucker Stadtgrenzen hinaus bekannte Patscherkofel-Schutzhaus, dem nun die Bergstation der neue­n Patscherkofelbahn vorgesetzt werden soll.

Was will die Alpenvereinssektion? Der Alpenvereinssektion geht es dem Grunde nach um zwei Ziele: Zum einen soll die Aussicht der beliebten Schutzhaus-Terrasse nicht eingeschränkt werden. Dadurch, aber auch mit der in der Bergstation konzipierten zusätzlichen Gastronomie am Berg befürchtet die Sektion wirtschaftliche Einbußen für das Schutzhaus, die sogar die Zukunft des Betriebes gefährden könnten. Deshalb soll die Station zumindest um 70 Meter vom Schutzhaus abrücken. AV-Präsident und Sektionsanwalt Andreas Ermacora kreidet der Stadt- und Bahnenführung an, nicht bereits im Vorfeld aller diesbezüglichen Planungen mit der Sektion Kontakt aufgenommen und das Gespräch gesucht zu haben: „Dann hätte man schon im Vorfeld eine Lösung finden können.“ Auf diese hofft Ermacora auch noch in den laufenden Verhandlungen mit der Stadtspitze.

Wie lautet das letzte Angebot des Alpenvereins? Dass der Alpenverein an einem neuen Angebot an die Stadt arbeitet, will Ermacora nicht abstreiten, aber keine Details nennen: „Wir warten ab, was das Volk entscheiden wird.“ Zuletzt hatte der Alpenverein die Stadt aufgefordert, auf die Gastro in der Station zu verzichten und jene im Schutzhaus gemeinsam zu betreiben. Weiters solle das Schutzhaus saniert sowie die verlorene Terrassenaussicht kompensiert werden. Das Schutzhaus solle von der Stadt auf 20 Jahre an- und an den bisherigen Pächter wieder unterverpachtet werden.

Welche Chancen hat der Alpenverein? Dass der Alpenverein bei der Abstimmung das nötige Quorum schafft (siehe Factbox) gilt als unrealistisch. Trotzdem könnte eine hohe Beteiligung die Verhandlungsposition des AV stärken. Siegt der AV indes vor Gericht, könnte der Bahnbau stoppen. Dies hätte aber zur Folge, dass die Pendelbahn eingestellt wird, bevor die neue Bahn eröffnet ist. Das Schutzhaus stünde dann auf Zeit ohne Bahnanschluss da.

Oppitz-Plörer: „Die Abstimmung bringt keine Lösung“

Mit 28:9 Stimmen wurden zuletzt im Februar die Mehrkosten für das Gesamtprojekt „Patscherkofel neu“ im Gemeinderat abgesegnet. Der Grundsatzbeschluss im Oktober 2015 fand noch eine 31:8-Mehrheit.

Was will die Stadt? Mit dem Projekt will Innsbruck den Patscherkofel neu ausrichten. Winter wie Sommer. Auf den Hausberg sollen mehr und neue Gäste rauf. Hierzu hat sich die Stadt – teilweise gegen die Grischconsulta-Studie – entschieden, eine Einseilumlaufbahn zu bauen und den Rest der Anlagen abzutragen. Ein Wettbewerb wurde für die drei Hochbauten durchgeführt, um den Stellwert der Architektur in der Stadt auch am Berg zum Ausdruck zu bringen. Der Standort der strittigen Bergstation sei nicht politisch gewählt, sondern Folge technischer Notwendigkeiten, wird BM Christine Oppitz-Plörer nicht müde zu betonen. Alternative Standorte seien geprüft worden. In allen Fällen seien diese aber suboptimal, heißt es. Diesbezügliche Flächen stünden zudem nicht im Eigentum der Stadt. Oppitz-Plörer widerspricht den „behaupteten Nachteilen“, die der AV durch die Station sieht. Wirtschaftlichkeit und Zukunft des Schutzhauses würden nicht allein „von der Sicht auf die Serles abhängen“. In der Abstimmung sieht Oppitz-Plörer „keine Lösung“, selbige sei nur auf dem Verhandlungswege zu erzielen.

Was bietet die Stadt dem Alpenverein an? Seit Monaten laufen zwischen der Stadt und dem Alpenverein Vergleichsverhandlungen. Ein neuer Termin ist für den 20. Juni angesetzt worden. Zuletzt lautete das Angebot der Stadt an die Alpenvereinssektion u. a.: Übernahme aller Gastro-Einrichtungen am Berg und im Tal durch den AV auf 15 Jahre; Verzicht auf eine Pacht, sofern selbige ins Schutzhaus investiert wird.

Welche Chance hat die Stadt? Die neue Bergstation befindet sich bereits in Bau. Bringt der Alpenverein aber tatsächlich die im Vorfeld mehrmals angekündigte Unterlassungsklage mit Verweis auf ein „Recht auf Aussicht“ und die grundbücherliche Dienstbarkeit (Verbot des Baus eines Unterkunfthauses samt Wirtschaft) ein, wird es im Ermessen eines Gerichtes liegen, wer die besseren Karten am Patscherkofel in der Hand hat.

Das Projekt, die Abstimmung:

Patscherkofel neu: Das Gesamtprojekt umfasst den Bau einer Einseilumlaufbahn mit Tal-, Mittel- und Bergstation sowie den Abbau fast aller bisherigen Liftanlagen. Die Beschneiungsanlage soll erneuert, eine Rodelbahn bis ins Tal gebaut und der alte Speicherteich in einen Badeteich verwandelt werden. Zudem sind den Iglern noch Attraktivierungsmaßnahmen rund um die alte Pendelbahn-Talstation versprochen worden. In Summe ist all das mit rund 58 Millionen Euro veranschlagt worden. Hinzuzurechnen ist der Kaufpreis von 10,7 Mio. €, den die Stadt einst Vorbesitzer Peter Schröcksnadel überweisen musste.

Weitere Player: Die Interessengemeinschaft Bürgerinitiativen Innsbruck (IGBI) hat sich auf die Seite des Alpenvereins geschlagen. Ihr geht es aber nicht um eine bloße Verlegung der Bergstation, sondern um eine generelle Abkehr von dem als viel zu teuer kritisierten Projekt. Sogar eine Demo hierfür wurde in der Maria-Theresien-Straße organisiert.

Die Abstimmung: Am Sonntag sind 104.576 Wähler in Innsbruck von 8 bis 17 Uhr dazu aufgerufen, über die von der Alpenvereinssektion geforderte Verlegung der Bergstation abzustimmen. Möglich gemacht hat dies eine Bürgerinitiative gemäß Stadtrecht mit 2309 Unterstützungserklärungen. Stimmen am Sonntag zumindest 52.289 Innsbrucker einer Verlegung zu, muss der Gemeinderat das Anliegen umsetzen. Tut er das nicht, wird er vom Land aufgelöst und Neuwahlen ausgerufen. Ein neuer Gemeinderat ist an das Ergebnis aber nicht mehr gebunden.