Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Bezirk Reutte

Schutzgebiet nur Richtung Bayern denkbar

Ehrwalds Bürgermeister Hohenegg hält sich beim Thema Naturschutz zurück: „Auf Flächen, wo so ein Stempel drauf ist, kannst du gar nichts mehr machen.“

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© Paschinger



Ehrwald – Im Zuge der Diskussion rund um die vom TVB geplante und einer Unterschriftenaktion bekämpfte Plattform am Seebenwasserfall bei Ehrwald wurde auch wieder der alte Plan eines Ruhegebietes in diesem Bereich angesprochen. „Ich bin schon als Bürgermeister am Widerstand der Bauern gescheitert“, meint der jetzige TVB-Obmann Thomas Schennach. Dorfchef-Nachfolger Martin Hohenegg kann sich mit einem Ruhegebiet im Bereich Seebensee gar nicht anfreunden: Er gebe dafür „keinen Quadratzentimeter“ her.

Zwischen Ehrwalder Alm und Grünsteinscharte „sind im Jahr zwischen 150.000 und 260.000 Personen unterwegs“, sagt Hohenegg. Naturschutz sei für ihn „zum Teil kontraproduktiv, wenn ich etwa den Pistenbau anschaue“. Hier sorge der Naturschutz seiner Meinung nach sogar für eine eingeschränkte Fauna.

Skeptisch ist er auch gegenüber dem Landschaftsschutzgebiet im Ehrwalder Moos, das er „heutzutage nicht unterstützen würde“. Denn „auf Flächen, wo so ein Stempel drauf ist, kannst du gar nichts mehr machen“. Erreichbarkeit und Begehbarkeit gehöre gefördert, wenn man es doch schon erschlossen habe. Derzeit wird jedenfalls das neue Mooskonzept, das gerade ausgearbeitet wurde, von den Gemeinden begutachtet. Autor Josl Schönherr möchte es in den nächsten Tagen abschließen und vorstellen.

Wenn überhaupt Schutzgebiet, dann sieht der Ehrwalder Bürgermeister es nur im Zusammenhang gegen den drohenden Schwerverkehr von Garmisch herauf: „Die Frage ist, ob nicht das Loisachtal ein Ruhegebiet wird. Dann dürfte da kein Lkw durchfahren.“ Denn der geplante Kramertunnel als Garmischer Umfahrung könnte eine neue Transitstrecke bedeuten. Derzeit hänge das Vorhaben vom Bund Naturschutz ab: „Im Moment bin ich deren größter Unterstützer.“ (pascal)