Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Bezirk Innsbruck-Land

Bürgermeister nach Sitzung in Gschnitz attackiert und verletzt

Ein Wirt und der Gschnitzer Bürgermeister gerieten nach dem Gemeinderat aneinander, der Ortschef musste ins Krankenhaus.

(Symbolfoto)

© TT/Murauer(Symbolfoto)



Gschnitz — Dass es in Gemeindestuben oft etwas raue­r zugeht, ist bekannt. Ein Vorfall wie jener am Donnerstagabend in Gschnitz ist dennoch außergwöhnlich: Nach einer Auseinandersetzung zwischen einem Gschnitzer Gastwirt und Bürgermeister Christian Felder im Anschluss an die Gemeinde­ratssitzung wurde der Ortschef mit Notarztbegleitung in die Klinik Innsbruck gebracht und vorübergehend stationär aufgenommen.

Ein Sachbearbeiter der Polizeiinspektion Steinach bestätigt, dass man wegen eines „Angriffs mit Sturzgeschehen" ermittle, die genauen Umstände müssten noch geklärt werden. Dazu sollen nun die elf Gemeinderäte und die anwesenden Zuhörer befragt werden. Auch über den Grad von Felders Verletzung konnte die Polizei am Freitag noch keine nähere Auskunft geben.

Der Wirt selbst bestreitet im TT-Gespräch jede Art von Tätlichkeit vehement und stellt die Vorgeschichte wie folgt dar: Er habe im März ein Ansuchen wegen eines Grundstücks gestellt, auf dem er einen Blumengarten plane. Der Bürgermeister habe dieses Ansuchen zwei Sitzungen lang nicht auf die Tagesordnung genommen. Im Gemeinderat habe er Felder höflich nach den Gründen gefragt, erklärt der Wirt. Im Gespräch habe er Felder „ohne böse Absicht an der Nase erwischt. Dann hat er sich professionell hingelegt und ,toter Schwan' gespielt. Ich habe ihn definitiv nicht geschlagen."

Diese Darstellung des Wirtes lässt Vizebürgermeister Andreas Pranger nicht gelten und weist sie empört zurück. Der Bürgermeister sei zu Boden gegangen und nicht mehr ansprechbar gewesen. „Er musste mit der Bahre ins Rettungsauto getragen werden." Genaueres zum Unfallhergang will Pranger nicht sagen. Er verweist auf die polizeilichen Ermittlungen. (md)