Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Exklusiv

Herwig Van Staa im Interview: „Nie eine Muppet-Position“

Herwig van Staa wird heute 75. Eine Position wie die beiden alten Herren in der Muppet-Show habe er nie eingenommen. Aus der Politik zieht er sich langsam zurück.

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© Thomas Boehm / TT



Sie haben erklärt, sich aus der Politik zurückzuziehen. Das hat dann doch einige überrascht.

Herwig van Staa: Ich habe immer gesagt, dass ich auf die Liste des ÖVP-Seniorenbundes in Innsbruck gehe, um meine Sympathie zu bekunden. Wieso sollte ich die Liste anführen und mich wieder in den Gemeinderat setzen? Der Seniorenbund hat neben Helmut Kritzinger noch weitere gute Kandidaten.

Sie waren von 1994 bis 2002 Bürgermeister von Innsbruck. Wie sieht Ihre Prognose aus, ist die Wahl für die amtierende Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer eine sichere Sache?

Van Staa: Ich gebe dazu keine Stellungnahme ab. Ich habe mich in die Personalpolitik in der Stadt nie eingemischt. Im Landtag habe ich mich als Abgeordneter von Innsbruck immer wieder zu Wort gemeldet. Ich habe nie eine Muppet-Position eingenommen, weder gegenüber der Stadt- noch der Landespolitik.

Ihnen wird nachgesagt, Sie hätten bei der Umfrage, die den Grünen Georg Willi als ernsthaften Konkurrenten der Bürgermeisterin auswies, die Finger im Spiel gehabt.

Van Staa: Ich finde das ungeheuerlich. Ich bin mit dem Studienautor freundschaftlich verbunden, habe aber nie über die Umfrage mit ihm gesprochen. Wenn man mir Einflussnahme nachsagt, dann hätten meine Beliebtheitswerte in der Umfrage deutlich besser ausfallen müssen (lacht).

Wenn Sie die beiden Rollen vergleichen: Ist man als Bürgermeister schlagkräftiger in der Umsetzung als als Landeshauptmann?

Van Staa: Ja und nein. Als Bürgermeister mit einer eigenen, homogenen Gruppierung kann man unglaublich viel rasch umsetzen. Mit einer schwierigen Partei, wie es die Volkspartei ist und war, ist es ungleich problematischer. Deshalb unterstütze ich unseren neuen Obmann Sebastian Kurz.

Das Zurückdrängen der Bünde in der ÖVP ist ein in die Jahre gekommenes Ziel, glauben Sie, es wird dieses Mal gelingen?

Van Staa: Es ist die einzige Chance und meine Hoffnung. Ich werde alles tun, damit Sebastian Kurz das umsetzen kann. Meine Kräfte sind zwar noch vorhanden, aber doch nicht mehr so einflussreich, wie ich es gerne hätte. Kurz macht vor allem in der Flüchtlingspolitik das, was ich 2007 verkündet habe und damals heftig kritisiert wurde.

Er kann die Bundesliste für die Wahl selbst erstellen. Was ist, wenn Tirol keinen Minister mehr bekäme?

Van Staa: Tirol sollte nie einen Anspruch auf einen Minister erheben. Tirol und Vorarlberg hatten und haben lange keinen Minister gehabt. Ich würde es aber unerträglich oder sagen wir merkwürdig finden, einen ausgezeichneten Minister wie Andrä Rupprechter nicht mehr in das Kabinett aufzunehmen. Gleichgültig, ob der nun Wiener oder Niederösterreicher wäre.

Sie wurden als Landeshauptmann von einem Tiroler Minister, nämlich Günther Platter, abgelöst. Glauben Sie, die Geschichte könnte sich wiederholen?

Van Staa: Günther Platter ist völlig unumstritten, aufgrund einer hervorragenden Politik. Ich habe ihn die letzten zehn Jahre unterstützt, was auch niemand erwartet hätte.

Günther Platter wird nach Ihrem Schwiegervater, Eduard Wallnöfer, der längstdienende LH sein. Sie waren es „nur" von 2002 bis 2008. Was macht Platter richtiger als Sie?

Van Staa: Ich hätte Landeshauptmann bleiben können und hatte das Vertrauen des Parteivorstandes. Ein bis zwei Jahre hätte ich mich wohl noch halten können. Aber das wäre schwer geworden. Ich hatte die Wahl verloren. Das hat Platter nicht.

Wird sich das auch bei den nächsten Landtagswahlen 2018 ausgehen? Dass die ÖVP dazugewinnt oder, wie zuletzt, zumindest das Ergebnis halten kann?

Van Staa: Ich glaube, dass Platter dieses Mal sogar dazugewinnen kann. Er ist im Umgang mit den Menschen unglaublich auf die Leute zugehend und freundlich. Ich bin ja bitte mit der Erblast gestraft, kein Tiroler zu sein.

Und Sie galten nicht immer als freundlich ...

Van Staa: Ich war immer freundlich. Sie werden keinen einzigen Menschen finden im ganzen Land, der klagen kann, dass ich ihn abgewiesen hätte. Jedermann konnte jederzeit van Staa in Mieming anrufen.

Aber ab und zu ist Ihnen der Geduldsfaden gerissen ...

Van Staa: Es wurde gelegentlich gesagt, ich sei cholerisch. Ich bin nicht aufbrausend. Es sind mir manche Dinge zu langsam gegangen. Wenn jemand gesagt hätte, ich müsse ihm eine Weisung erteilen, hätte ich gesagt: Geben Sie her, ich schreibe mir den Bescheid selbst. Daher kommt der Spruch: Des moch i ma sölbm.

Günther Platter hat 2013 Schwarz-Grün installiert. Ist das Experiment gelungen und soll es in Verlängerung gehen?

Van Staa: Das liegt ausschließlich beim Landeshauptmann. Jede Koalition ist schwieriger als eine Alleinregierung. Ich habe aber seinerzeit trotz absoluter Mehrheit die SPÖ ins Boot geholt. Ohne große Koalition hätten wir den Brennerbasistunnel nicht geschafft.

Das Gespräch führte Anita Heubacher