Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.06.2017


Landespolitik

Schweinskopf-Affäre: Funktionär verlässt FP

Erste Konsequenzen wegen Ermittlungen um Wurf von Spanferkelrest auf Gelände des türkischen Kulturvereins.

FPÖ-Chef Markus Abwerzger will vorerst einmal die Ermittlungen des Verfassungsschutzes abwarten.

© RottensteinerFPÖ-Chef Markus Abwerzger will vorerst einmal die Ermittlungen des Verfassungsschutzes abwarten.



Schwaz, Innsbruck – Dass der verbliebene Rest der Spanferkelparty der Jungen FPÖ (RFJ) Ende Mai in Schwaz auf dem Gelände des türkischen Kulturvereins ATIP gelandet ist, steht nach Analyse der Fotos zwischenzeitlich fest. Der Verfassungsschutz ermittelt, er hat zwei Gäste des Spanferkel­essens im Visier. Ein Betroffener, der Obmann der freiheitlichen Jugend im Bezirk Schwaz, Benjamin Kranzl, wollte die Ermittlungen gegenüber der TT weder bestätigen noch dementieren. Der andere hat deswegen bereits die Konsequenzen gezogen und ist aus der FPÖ ausgetreten. Um Schaden von ihr abzuhalten. Das bestätigt FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger. Beide Männer bestreiten jedoch, etwas mit der Sache zu tun zu haben.

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In der FPÖ herrscht wegen der negativen Schlagzeilen jedenfalls Aufregung. Wohl auch deshalb, weil die zwei ohnehin nicht unumstritten sind. Der Schwazer Ersatzgemeinderat Kranzl wurde deshalb schon vor längerer Zeit aus der FPÖ ausgeschlossen, ist aber nach wie vor RFJ-Obmann. Er war auch für das ursprüngliche Facebook-Posting „Ramadan mit dem RFJ Schwaz“ verantwortlich. Sein Freund trat jetzt aus. Was führte dazu?

Laut RFJ-Obmann Christoph Jäger sollte der Schweinskopf eigentlich vom liefernden Metzger selbst entsorgt werden. Er, Landesparteisekretär Christofer Ranzmaier, und Landesfrauenvorsitzende Evelyn Achhorner waren bei der Spanferkelparty ebenfalls anwesend. Nach der Grillfete bat Kranzls Freund allerdings, die Reste des Spanferkels mitnehmen zu dürfen. Für seinen Hund. Dazu kam es jedoch nicht. Offenbar will er am Weg nach Hause den Ferkelkopf lediglich auf einer Mülltonne in der Nähe des türkischen Kulturvereins deponiert haben. Wie er dann vor das ATIP-Gebäude gekommen ist, kann sich der ehemalige blaue Gast aber nicht erklären. So rechtfertigt er sich zumindest gegenüber einigen Schwazer FPÖ-Funktionären. So weit, so gut.

Der Verfassungsschutz verlautete gestern, dass nach wie vor ermittelt werde. Unter anderem wegen Herabwürdigung religiöser Symbole. Videoaufzeichnungen werden ebenfalls ausgewertet.

Politisch sorgt die Schweinskopf-Affäre schon für Debatten. „Der Kommentar auf Facebook und dieser Vorfall belegen für mich, welche Geisteshaltung in der FPÖ nicht nur geduldet wird, sondern sogar hofiert wird. Das ist der Bodensatz, aus dem Abwerz­ger seinen Nachwuchs rekrutiert“, ärgert sich der grüne Klubchef Gebi Mair. Mit ihm sei die FPÖ in Tirol weiter nach rechts gedriftet als je zuvor.

Das weist der FPÖ-Chef empört zurück und wirft Gebi Mair Hetze vor. „Es ist nun ein laufendes Verfahren im Gange, der Verfassungsschutz ermittelt, und man muss die Ergebnisse abwarten“, so Abwerzger. Dem Grünpolitiker attestierte er ein zunehmendes Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.“ (pn)