Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.07.2017


Exklusiv

Pax Christi: Scheuer tritt zurück

Offenbar lehnte Papst Franziskus den von der Bischofskongregation empfohlenen neuen Oberhirten für die Diözese ab. Er gehörte nämlich nicht zum engeren Kreis der vom Nuntius vorgeschlagenen Kandidaten.

© iStockDie Bischofsmützen wären schon da, allein es mangelt am Oberhirten. Ob ein neuer Innsbrucker Bischof noch vor den vatikanischen Sommerferien ernannt wird, entscheidet sich in den nächsten Tagen.



Von Peter Nindler

Innsbruck — Acht europäische Diözesen warten derzeit auf einen Bischof, doch keine davon ist länger unbesetzt als Innsbruck. Am 18. November 2015 hat Papst Franziskus Manfred Scheuer zum neuen Bischof von Linz ernannt, Mitte Jänner 2016 übersiedelte der gebürtige Oberösterreicher zurück in seine Heimat. Noch vor seinem Wechsel hat Scheuer dem päpstlichen Botschafter in Österreich Nuntius Peter Stephan Zurbriggen ei- nen Dreiervorschlag aus der Diözese übergeben. Nach zwei Befragungsrunden übermittelte Zurbriggen dann Mitte November der Bischofskongregation im Vatikan seine Wunschliste. Schon damals sorgte sie für eine Überraschung, soll es sich doch um einen Fünfervorschlag gehandelt haben. Üblicherweise werden drei potenzielle Kandidaten genannt. Daran muss sich aber weder die Bischofskongregation noch der Papst halten.

Warum fünf Namen? Der Nuntius hat wohl sein Versprechen wahr gemacht und in seinen Dreiervorschlag Würdenträger mit einem starken Tirol-Bezug aufgenommen. Danach dürften jedoch noch zwei weitere Namen auf seine Liste hinaufreklamiert worden sein. Augenscheinlich gab es im Hintergrund zahlreiche Interventionsversuche — auch aus Tirol. Das scheint den Prozess für die Nachfolge in Innsbruck nicht gerade beschleunigt zu haben.

Letztlich wurde die Ernennung eines neuen Innsbrucker Bischofs allerdings in Rom gebremst. Kurioserweise nicht zum Nachteil der Diözese, obwohl sie sich weiter gedulden muss und der Bischofssitz deshalb über den Sommer hinaus vakant bleibt. Zwischen Papst Franziskus und seiner Bischofskongregation soll es nämlich heftige Differenzen über den Bischofskandidaten gegeben haben. Bei den jüngsten Bischofsernennungen in Feldkirch, Graz oder Linz hat sich Franziskus schließlich an den Wünschen der Ortskirche orientiert.

Wie es heißt, protegierte die aus 37 Mitgliedern bestehende Kongregation dem Pontifex einen Geistlichen, der nicht zum engeren Kreis der vom Nuntius vorgeschlagenen Personen gehört hatte. Möglicherweise handelte es sich um einen von zwei Namen, die aus dem Dreier- schließlich einen Fünfervorschlag gemacht haben. Papst Franziskus lehnte das ab. Dass er gegenüber Tirols LH Günther Platter im Mai erklärt hatte, er wisse über die Situation in Tirol Bescheid, dürfte darauf zurückzuführen sein.

Wie geht es jetzt in der Diözese weiter? Eine Ernennung vor den vatikanischen Sommerferien ist in den nächsten Tagen noch möglich, wäre aber überraschend. Vielmehr wird damit gerechnet, dass Nuntius Zurbriggen noch einmal die Stimmungslage auslotet und in weiterer Folge erneut einen Vorschlag unterbreitet. Dabei könnte er durchaus neue Kandidaten auf seine Wunschliste aufnehmen.

Neben Diözesanadministrator Jakob Bürgler, dem Regens des Priesterseminars, Roland Buemberger, und dem Pfarrer von Innsbruck/Allerheiligen, Franz Troyer, rücken deshalb wieder der Generalvikar der Diözese Gurk (Kärnten), Engelbert Guggenberger, oder Christian Marte, der im nächsten Jahr die Leitung des Kardinal König Hauses in Wien abgibt, wieder in den Vordergrund. Trotz vieler Spekulationen bleibt die Bischofsbesetzung schlussendlich ein Buch mit sieben Siegeln.

„Verärgerung, Unverständnis und viel Hoffnung" Innsbruck — Die Kirche ohne Bischof ist mittlerweile zum Alltag in der Diözese Innsbruck geworden. Seit nunmehr 20 Monaten warten 385.000 Katholiken auf die Ernennung eines Nachfolgers für den nach Linz berufenen Bischof Manfred Scheuer. Und vor 18 Monaten übernahm sein ehemaliger Generalvikar Jakob Bürgler als Diözesanadministrator die formelle Leitung der Diözese. Der gebürtige Osttiroler führt sie umsichtig, trotzt der ungewöhnlich langen Entscheidungsfindung des Vatikans. „Der vakante Bischofssitz hat keine Auswirkung auf die Erledigung anstehender Fragen und Entscheidungen. Nicht möglich sind weiterreichende inhaltliche Schwerpunktsetzungen", sagt er im TT-Gespräch.

Ostern, Pfingsten, Sommerbeginn — die einzige Konstante sind Bürgler und seine Mitarbeiter in der Diözese. Die Erwartungshaltung auf einen neuen Bischof steigerte sich in den vergangenen Monaten immer wieder einmal, mittlerweile rechnen nicht einmal mehr die kühnsten Optimisten mit einer Ernennung bis zum Ferienbeginn im Vatikan Ende nächster Woche. Offen bekennt Bürgler, dass die Situation viel Kraft und Energie fordere, die Spannung zwischen Arbeit und Zuwarten zu halten. Wichtig sei für die Bischofsernennung, dass die Entscheidung fundiert und mit Hilfe des guten Geistes Gottes getroffen werde.

Unabhängig davon freut sich der Diözesanadministrator wie viele andere auch auf den Sommer und hofft, dass dieser „halbwegs entspannt wird". Von einer immer wieder aufkeimenden Aufgeregtheit lässt sich Bürgler nicht anstecken, obwohl er selbst als aussichtsreicher Kandidat für die Bischofsnachfolge gilt. Gleichzeitig verhehlt er nicht, dass es ob der langen Zeit des Wartens auf einen neuen Oberhirten auch Kritik gibt. „Neben Verärgerung und Unverständnis bleiben auf weite Strecken jedoch die Hoffnung und das Vertrauen auf eine gute Bischofsnachfolge", ist der Diözesanadministrator nach wie vor optimistisch. (pn)

„Verärgerung, Unverständnis und viel Hoffnung"

Die Kirche ohne Bischof ist mittlerweile zum Alltag in der Diözese Innsbruck geworden. Seit nunmehr 20 Monaten warten 385.000 Katholiken auf die Ernennung eines Nachfolgers für den nach Linz berufenen Bischof Manfred Scheuer. Und vor 18 Monaten übernahm sein ehemaliger Generalvikar Jakob Bürgler als Diözesanadministrator die formelle Leitung der Diözese. Der gebürtige Osttiroler führt sie umsichtig, trotzt der ungewöhnlich langen Entscheidungsfindung des Vatikans. „Der vakante Bischofssitz hat keine Auswirkung auf die Erledigung anstehender Fragen und Entscheidungen. Nicht möglich sind weiterreichende inhaltliche Schwerpunktsetzungen", sagt er im TT-Gespräch.

Ostern, Pfingsten, Sommerbeginn — die einzige Konstante sind Bürgler und seine Mitarbeiter in der Diözese. Die Hoffnung auf eine Bischofsbesetzung steigerte sich in den vergangenen Monaten in wiederkehrenden Abständen, mittlerweile rechnen nicht einmal mehr die kühnsten Optimisten mit einer Ernennung bis zum Ferienbeginn im Vatikan Ende nächster Woche. Offen bekennt Bürgler, dass die Situation viel Kraft und Energie fordere, die Spannung zwischen Arbeit und Zuwarten zu halten. Wichtig sei für die Bischofsernennung, dass die Entscheidung fundiert und mit Hilfe des guten Geistes Gottes getroffen werde.

Unabhängig davon freut sich der Diözesanadministrator wie viele andere auch auf den Sommer und hofft, dass dieser „halbwegs entspannt wird". Von einer immer wieder aufkeimenden Aufgeregtheit lässt sich Bürgler nicht anstecken, obwohl er selbst als aussichtsreicher Kandidat für die Bischofsnachfolge gilt. Gleichzeitig verhehlt er nicht, dass es ob der langen Zeit des Wartens auf einen neuen Oberhirten auch Kritik gibt. „Neben Verärgerung und Unverständnis bleiben auf weite Strecken jedoch die Hoffnung und das Vertrauen auf eine gute Bischofsnachfolge", ist der Diözesanadministrator nach wie vor optimistisch. (pn)