Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.07.2017


Bezirk Reutte

Schulschließung Lähn unter Protest

Auch die Bichlbacher Gemeinderäte weigern sich, das Ende der Volksschule Lähn selbst zu besiegeln.



Von Helmut Mittermayr

Bichlbach, Lähn, Wengle – Beim großen Kleinschulenschließen des Landes – elf in ganz Tirol werden aktuell amtswegig für immer aufgelassen – schert auch Bichlbach aus der Reihe. Bürgermeister und Gemeinderäte wurden ja von Landesrätin Palfrader aufgefordert, selbst die Beschlüsse zur Schließung herbeizuführen. In Steeg gehen – wie berichtet – in Bezug auf die Volksschule Lechleiten die Wogen hoch. Während das Land davon ausging, dass alle anderen Kommunen schon klein beigegeben haben, stellt sich auch Bichlbach als widerständig heraus. Die Gemeinderäte haben erst in der kürzlich abgehaltenen Sitzung ihre Kritik geäußert, dass die Volksschule Lähn, die im kommenden Schuljahr fünf Kinder hätte, zugesperrt werden muss. BM Klaus Ziernhöld konnte keinen diesbezüglichen Beschluss herbeiführen. Federführend waren vor allem die Mandatare aus der Fraktion Lähn/Wengle, ihre Kollegen aus dem Hauptort konnten die Argumente aber durchaus mittragen. Auch Eltern wehren sich vehement.

Die beiden Weiler Lähn und Wengle führen, obwohl nur vier Kilometer von Bichlbach entfernt, historisch gewachsen ein selbstständiges Vereinsleben. Eigene Feuerwehr, eigene Musikkapelle – und bisher auch eine eigene Volksschule – waren Zeichen einer gewissen Autonomie. Nun gehen die Schülerzahlen zurück. Die vom Land ehemals vorgegebene Schranke von drei Kindern wird mit fünf zwar nicht erreicht, aber die Prognose ist laut Ziern­höld für die nächsten vier Jahre mit 5/5/3/0 wenig erbaulich. Zugleich geht die langjährige Direktorin im Herbst in Pension. Der Bürgermeister versteht beide Seiten, auch jene, die in einer Schließung Sinn sieht. „Zu klein ist auch nichts. So manches Kind in Lähn wäre alleine in einer Schulstufe. Das ist doch pädagogisch nicht sinnvoll. Außerdem werden die Kindergartenkinder von Lähn/Wengle ja schon längst nach Bichlbach geführt und wollen oftmals, nachdem sie dort Freunde gefunden haben, gar nicht mehr zurück in die kleine Volksschule.“ Für BM Ziernhöld macht vor allem eines keinen Sinn: „Ohne Schüler kann man keine Schule betreiben.“ Und die VS Bichlbach hätte nach der Zusammenlegung 26 Kinder. Die Zweiklassigkeit sei dann langfristig abgesichert, habe ihm die Behörde versichert.

Lähner Eltern, die ungenannt bleiben möchten, wollen das nicht hören. Sie können vor allem den Schwenk des Landes Tirol, dass die seit Jahrzehnten so hochgelobten Kleinschulen über Nacht pädagogisch wertlos sein sollen, nicht nachvollziehen. Die rechtliche Schließungszahl sei weiterhin drei in Tirol – und Lähn habe fünf Volksschulkinder, auch im übernächsten Jahr. Die Pensionierung einer Lehrerin könne doch kein Grund sein, echauffieren sie sich. Dann beginne eben eine neue Pädagogin. Und Ziern­höld richten sie aus, dass heute noch niemand abschätzen könne, wie viele Kinder in drei Jahren in Lähn leben werden, es gebe ja auch die Möglichkeit des Zuzugs.

Aber auch der Abwanderung, wie der Dorfchef weiß: „Vor rund 15 Jahren haben viele Bewohner aus Ex-Jugo­slawien, die bei uns in Altbauten untergekommen waren, Bichlbach in Richtung Reutte verlassen, weil dort moderne Wohnbauten errichtet wurden.“ Die Gemeinde Bichlbach hatte 2001 noch 851 Einwohner, musste danach herbe Verluste hinnehmen und ist jetzt mit 781 laut Ziernhöld knapp unter 800 stabil.

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Der Bürgermeister geht davon aus, dass die amtswegig entschiedene Schulschließung nicht rückgängig gemacht werden kann.