Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.07.2017


Tirol

„Schicken niemanden volley nach Italien zurück“

Steinachs Chefinspektor begrüßt die neue Kontrollstelle am Brenner-Seehof. Der Grieser Bürgermeister sieht in der Zufahrt ein Problem.

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© Denise Daum



Von Denise Daum

Gries a. Br. – Die Beamten der Polizeiinspektion Steinach am Brenner sind vorbereitet. In den nächsten Wochen werden kurz nach der Grenze im Bereich Seehof auf Grieser Gemeindegebiet die Bauarbeiten zur Errichtung eines Bahnsteigs durchgeführt, wo in Zukunft Güterzüge auf illegale Migranten kontrolliert werden. Aufgrund der Flüchtlingskrise wurde der Posten Steinach aufgestockt. Mit 70 Beamten hat das Wipptal einen historischen Höchststand erreicht, wie Chefinspektor Burkhard Kreutz erklärt. „Wir haben so genannte Grenzpolizisten dazubekommen. Das Wipptal ist ja Gott sei Dank kein Kriminalitäts-Hotspot, wir kommen mit den vorhandenen Kräften gut aus.“

Bislang passiert die Kon­trolle der Güterzüge am Bahnhof Steinach. Aber auch wenn der Kontrollpunkt mit der neuen Stelle näher zur Grenze nach Italien rückt – schneller rückgeführt werden die aufgegriffenen Migranten nicht. „Wir können niemanden volley nach Italien zurückschicken“, betont Kreutz. Die Beamten müssen die illegal Eingereisten „erkennungsdienstlich behandeln“. Das heißt, es muss erfasst werden, um wen es sich handelt, woher die Person kommt und wohin sie will. Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl entscheidet dann, was mit den Aufgegriffenen passiert. „Das wird telefonisch abgeklärt. Entscheidet das Grenzreferat, dass die Person nach Italien zurückgebracht werden soll, werden die italienischen Kollegen informiert“, sagt Chefinspektor Kreutz. Handelt es sich um Personen, die bereits im Schengenraum registriert sind, werden sie auf freien Fuß gesetzt – mit dem Auftrag, das Bundesgebiet zu verlassen.

Der Grieser Bürgermeister Karl Mühlsteiger begrüßt die Kontrollen bei Brennersee, weist aber auf die „problematische Zufahrt“ zum geplanten Bahnsteig hin. Dieser ist nur über eine relativ schmale Unterführung erreichbar. „Ein Polizeiauto hat gerade noch Platz, aber Feuerwehr oder Winterdienst kommen da nicht durch. Hier braucht es eine Lösung“, sagt Mühlsteiger.

Ein Umbau der Unterführung sei nicht geplant, heißt es auf Nachfrage von Seiten der ÖBB. Landespolizeidirektor Helmut Tomac erklärt, dass die Zufahrtssituation bei Vorbereitungstreffen von Polizei, Land Tirol und ÖBB zwar Thema gewesen sei. „Wir sind aber zu dem Schluss gekommen, dass die hohen Kosten einer neuen Unterführung in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen.“ Tomac verweist darauf, dass ein Polizeiwagen durchkommt. Der Weg von der Kontrollstelle durch die Unterführung sei kurz und im Bedarfsfall durchaus auch zu Fuß machbar.