Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 10.07.2017


Innsbruck-Land

Verärgerte Anrainer in Götzens: “Bausperre kommt zu spät“

Morgen wird in Götzens ein Groß­bauprojekt verhandelt. Die Anrainer kämpfen dagegen an, sie fühlen sich vom Bürgermeister verraten.

In Götzens sind schräg unter der Talstation 16 Reihenhäuser und leistbares Wohnen geplant.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Rainer</span>

© In Götzens sind schräg unter der Talstation 16 Reihenhäuser und leistbares Wohnen geplant.Foto: Rainer



Von Denise Daum

Götzens – „Vorübergehende Bausperre“, hat der Götzner Bürgermeister Josef Singer ausgerufen, die TT berichtete. Grund dafür: „Wir können uns vor Bauträger-Anfragen nicht mehr retten, wir wollen keine Großprojekte mehr“, erklärt Singer. Für die Familien Gogl und Rainer kommt das zu spät, wie sie bedauern. „Wir bekommen überdimensionierte zehn Meter hohe Reihenhäuser vor die Nase gesetzt.“

In Götzens’ „Schießstand“ sollen knapp 4000 Quadratmeter verbaut werden. Auf rund 55 Prozent der Fläche sind von einem Bauträger 16 Reihenhäuser vorgesehen. Die restliche Fläche hat die Gemeinde Götzens für leistbares Wohnen reserviert. Mit Auflage des Bebauungsplans vor einem Jahr sei ihnen erst die Dimension des Projekts klar geworden. „Wir wurden im Vorfeld mit falschen Versprechungen ruhiggestellt“, erklären Martin Gogl und Bruno Rainer. Die beiden betonen, nicht grundsätzlich gegen eine Verbauung der Fläche zu sein. „Wir sind nicht allein auf der Welt, das ist schon klar. Aber mit diesem Projekt geht unsere Lebensqualität völlig verloren.“

Die Tiroler Bauordnung sei bei diesem Projekt bis aufs Letzte ausgereizt worden, was aus Bauträgersicht nachvollziehbar sei. „Der Bürgermeister wäre hier gefragt und muss Grenzen setzen, um die Anrainer zu schützen“, erklären Gogl und Rainer.

Bürgermeister Josef Singer kann die Aufregung teilweise sogar verstehen. „Wenn die grüne Wiese nebenan plötzlich verbaut wird, ist das natürlich eine Belastung.“ Aber es müsse nun einmal platz- und ressourcensparend gebaut werden. Das Projekt sei auch nicht überdimensioniert und wurde auf die Einhaltung aller Bestimmungen der Tiroler Bauordnung überprüft. „Es handelt sich um ein Standardprojekt. Wenn die Anrainer meinen, dass dadurch ihre Lebensqualität verloren geht, kann ich leider nicht helfen“, erklärt Singer.

Die Bauverhandlung findet morgen Dienstag statt, die Familien Gogl und Rainer werden den Baubescheid jedenfalls beeinspruchen.