Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 10.07.2017


Osttirol

Vernetzung gegen die Alemagna

Erstmals haben Gemeindevertreter und Institutionen aus Süd-, Ost- und Nordtirol und dem Veneto zusammengefunden und in Kartitsch eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet.

Die bisherigen Osttiroler Unterzeichner Georg Hofmann, Anton Calovi, Franz Webhofer und Josef Außerlechner (v. l.).

© BlassnigDie bisherigen Osttiroler Unterzeichner Georg Hofmann, Anton Calovi, Franz Webhofer und Josef Außerlechner (v. l.).



Von Christoph Blassnig

Kartitsch – Seit den 1950er-Jahren gibt es Bestrebungen und Pläne für den Bau einer Autobahnverbindung von Venedig nach München mit dem weiteren Ziel der Anbindung des norditalienischen Raumes bis nach Skandinavien. „Die Alemagna ist nicht tot. Im Gegenteil: Sie wird bis heute in einflussreichen Kreisen und hinter verschlossenen Türen vorangetrieben“, warnt der Kartitscher Bürgermeister Josef Außerlechner. Auf EU-Ebene würden von Lobbyisten stetig Versuche unternommen, eine neue hochrangige Straßenverbindung zwischen Tauern- und Brennerautobahn zu schaffen und den Gütertransport weiterhin auf der Straße zu halten.

Erst vor einem halben Jahr traf eine italienische Pro-Alemagna-Delegation unter Führung von Remo Sernagiotto die Obleute der drei Osttiroler Planungsverbände, Josef Mair, Matthias Scherer und Andreas Köll, im Tourismushaus in Lienz „zum Gedankenaustausch über mögliche ökonomische Entwicklungen und Mobilität in der alpinen europäischen Region/Eusalp“, wie es hieß. „Diese Kreise versprechen der lokalen Bevölkerung, dass eine überregionale Autobahn Wohlstand, wirtschaftliche Entwicklung und Abwanderungsstopp in jene Orte bringen würde, die sie durchquert. Das Gegenteil ist der Fall“, ist Außerlechner überzeugt. Gemeinsam mit Dutzenden Vertretern von Gemeinden und Institutionen aus dem Veneto, Süd-, Ost- und Nordtirol unterzeichnete er ein Memorandum, das in zwölf Punkten ein striktes Nein zum Bau einer neuen alpenquerenden Transitroute einfordert.

Peter Haßlacher, Vorsitzender der Internationalen Alpenschutzkommission CIPR­A, fasste die vier wichtigsten Bereiche der Übereinkunft zusammen: Es gehe den Unterzeichnern ausschließlich um die Interessen und Rechte der einheimischen Bevölkerung. Die Alemagna-Debatte sei nicht abgeschlossen – dies müsse bewusst bleiben. Geltendes europäisches Recht der Alpenkonvention, keine neuen hochrangigen Straßenprojekte zuzulassen, harre immer noch der Umsetzung. Und jährliche Treffen zur Abstimmung der Zusammenarbeit über die Regionen hinweg sollen politischen Vertretern auf allen Ebenen als Unterstützung gegen die Alemagna/Cavallino-Vorhaben dienen.

Die täglichen Herausforderungen für die Menschen in entlegenen Gegenden betonte auch Renzo Bortolot, Präsident eines Zusammenschlusses von 22 Gemeinden aus dem Cadore. So wünsche man sich im Belluno wohl Ortsumfahrungen zur Steigerung der Lebensqualität, doch sei man strikt gegen die Alemagna-Autobahn. „Nicht jammern über das Zurückfahren von staatlichen Dienstleistungen, sondern aus eigenem Willen Alternativen schaffen“, sei eine der Herausforderungen. „Wir sind nicht gegen Mobilität, sondern für noch mehr“, so Bortolot, der den Ausbau der Zugverbindungen von Nord nach Süd forderte. „Mobilität hat einen hohen Stellenwert, muss aber mit Rücksicht auf unsere Umwelt im Schutzgebiet der Dolomiten gewährleistet werden.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Mit dem Kartitscher Bürgermeister unterzeichneten die Amtskollegen Franz Webhofer/Strassen und Georg Hofmann/Heinfels das Memorandum, für den Sillianer Bürgermeister unterschrieb GR Anton Calovi. Bis 15. September steht eine Unterzeichnung offen.




Kommentieren


Schlagworte