Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 01.08.2017


Exklusiv

Grünberg zur Liste Kurz: Es rumort in der ÖVP

Die Nominierung Kira Grünbergs zur ÖVP-Spitzenkandidatin in Tirol für die Nationalratswahl ließ drei AABlerinnen das Handtuch werfen.

Kira Grünberg wurde von Sebastian Kurz ins Team der ÖVP geholt.

© APA/HERBERT PFARRHOFERKira Grünberg wurde von Sebastian Kurz ins Team der ÖVP geholt.



Von A. Heubacher und P. Nindler

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Innsbruck – Unter der türkisen Farbe tickt die Liste Sebastian Kurz noch sehr wie die alte ÖVP. Zumindest in Tirol. Lagen sich zuerst wochenlang der Wirtschafts- und der Bauernbund wegen der Platzierung auf den Listen zur Nationalratswahl in den Haaren, ist es jetzt der Arbeitnehmerflügel, der sauer ist.

Drei AABlerinnen zogen gestern per E-Mail ihre Kandidaturen sowohl auf der Landes- als auch auf den Regionalwahllisten zurück. „Die Begründung liegt sicherlich darin, dass die Arbeitnehmervertretung nicht in einem der Bedeutung absolut angemessenen und notwendigen Maß platziert wurde“, erklärt AAB-Landesgeschäftsführerin Tanja Rupprecht. Der AAB sei die Interessenvertretung von zwei Dritteln der Wähler, legt Rupprecht nach.

Alles AAB? Bettina Ellinger (l.), hier mit AAB-Chefin und LR Beate Palfrader, sieht das nicht so. Sie verzichtet auf eine Nationalrats-Kandidatur.
Alles AAB? Bettina Ellinger (l.), hier mit AAB-Chefin und LR Beate Palfrader, sieht das nicht so. Sie verzichtet auf eine Nationalrats-Kandidatur.
- AAB

AAB-Chefin und Landesrätin Beate Palfrader und AK-Präsident Erwin Zangerl hatten für den Arbeitnehmerflügel allgemein den zweiten Platz auf der Landesliste für die Nationalratswahlen gefordert. Und im Speziellen für Bettina Ellinger. Die derzeitige ÖVP-Landtagsabgeordnete hätte in den Nationalrat übersiedeln sollen. Doch dann kam Bundesparteiobmann Sebastian Kurz und machte letzte Woche von seinem Durchgriffsrecht auf die Landeslisten Gebrauch. Spitzenkandidat wurde nicht, wie zuerst von der Tiroler ÖVP-Parteispitze gebetsmühlenartig wiederholt, der Tiroler Minister Andrä Rupprechter, sondern Kira Grünberg. Die Nominierung der Quereinsteigerin erlöste Landesparteichef Günther Platter von der Qual, die Entscheidung zwischen Bauernbündler Rupprechter und Wirtschaftsbund-Obmann Franz Hörl treffen zu müssen, beschert ihm aber Reibereien mit dem AAB.

Außerdem wird die Partei dringend Frauen brauchen. Seit Kurz gilt das Reißverschlussprinzip. Mann, Mann, Frau als Reihung auf einer Liste geht gar nicht mehr in der neuen ÖVP. Drei Frauen sind der Partei gestern abhan­dengekommen. Neben Ellinger zogen auch die Tiroler FCG-Frauenvorsitzende Erika Landers und die Bezirksfrauenvorsitzende von Kufstein Barbara Trapl ihre jeweiligen Kandidaturen für Innsbruck-Land/Schwaz und Kufstein/Kitzbühel zurück. Bettina Ellinger war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

ÖVP-Hauptgeschäftsführer Martin Malaun bedauert den Rückzug der AABlerinnen, meint aber, „dann müssen wir eben nachnominieren“. Das sei schon öfter vorgekommen, sagt Malaun.

Wenig Freude mit der Listenerstellung soll auch Minister Rupprechter haben. Als landesweiter Spitzenkandidat gehandelt, tritt er nun nur noch auf der Regionalwahlliste Kufstein-Kitzbühel auf Platz 1 an. Der Minister sei dadurch nicht beschädigt, meint Malaun. Die Parteileitung habe umgeplant und mit Kira Grünberg Fakten geschaffen. „Es war immer klar, dass der Landeshauptmann die Landesliste erstellt“, erklärt Malaun. Hinter Rupprechter in Kufstein/Kitzbühel fand sich übrigens Ellinger. Bis gestern, gefolgt von Nationalrat Josef Lettenbichler. Der muss hoffen, dass Rupprechter Minister bleibt, oder ihn mit Vorzugsstimmen überholen, um im Nationalrat zu bleiben.

Brösel könnte es auch noch im Frauenbund geben. Dessen Chefin, Elisabeth Pfurtscheller, muss sich im Oberland auf einen harten Vorzugsstimmenwahlkampf einstellen. Dominik Schrott, der Obmann der durch Kurz erstarkten Jungen ÖVP, will Pfurtscheller überrunden und statt ihr im Nationalrat Platz nehmen. Auf der Landesliste ist Schrott auf Platz 6 gesetzt. Das werteten die Jungen als klares Signal für ihren Bund. Bis gestern Abend: Da setzte die Parteispitze Pfurtscheller auf Platz 3 der Landesliste.