Letztes Update am Sa, 02.09.2017 09:58

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Ein Quartett rittert in Innsbruck um Platz zwei

Die Grünen mit Abstand voran, dahinter ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen FPÖ, ÖVP, Für Innsbruck und der SPÖ um Platz zwei. Acht Monate vor der Gemeinderatswahl in Innsbruck sind noch nicht alle Weichen gestellt.

© Thomas Böhm / TTGeorg Willi geht für die Grünen ins Bürgermeister-Rennen. Die Partei liegt in der Sonntagsfrage deutlich auf Platz eins.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Am 22. April 2018 wird in Innsbruck gewählt: Gemeinderat wie Bürgermeisterposten. Zuvor gilt es aber noch, Nationalratswahl, Olympiavolksbefragung (beide 15. Oktober 2017) und die Landtagswahl (25. Februar 2018 ) zu schlagen. Der Ausgang dieser drei Entscheidungen kann auch Einfluss auf den Innsbrucker Urnengang haben. Somit kann die jüngste repräsentative Umfrage, die von den Innsbrucker Grünen in Auftrag gegeben wurde (siehe Grafik), auch nur mit Vorsicht genossen werden.

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In der Sonntagsfrage scheint die politische Großwetterlage in der Landeshauptstadt vorerst einigermaßen stabil zu sein. Die Grünen liegen mit 28 Prozent satte zwölf Prozentpunkte vor ihrem ersten Verfolger, der FPÖ mit 16 Prozent. Im Paarlauf folgen ÖVP und die Bürgermeisterliste Für Innsbruck mit je 15 Prozent auf Platz drei. Die SPÖ kommt auf 13 Prozent. Damit scheint sich ein Vierkampf um Platz zwei anzubahnen. Zu den NEOS (6 %) klafft eine Lücke, dann kommt der Seniorenbund (2 %).

Während alle Parteien derzeit noch nach passenden Listenmitstreitern suchen, haben manche die Bürgermeisterkandidaten-Weichen schon gestellt. Aber nicht alle.

1. Für Innsbruck: Christine Oppitz-Plörer will ihren Bürgermeistersessel um jeden Preis verteidigen. Im direkten Duell droht ihr aus heutiger Sicht die größte Gefahr durch Georg Willi (Grüne). Im Bekanntheitsgrad schlägt sie Willi noch klar mit 93:78 Prozent (Quelle: Umfrage Grüne), ein Drittel der unter 30-Jährigen kennt den (Noch)-Nationalratsabgeordneten gar nicht. In der Sympathiefrage indes liegt Willi vor der FI-Chefin (67:56 %). Dass FI-Vize-BM Christoph Kaufmann noch einmal antritt, soll fix sein, dahinter könnte es auf der FI-Liste aber zu größeren Verschiebungen kommen.

2. Grüne: Mit der Kampfabstimmung zwischen Willi und der amtierenden Vize-BM Sonja Pitscheider um die Bürgermeisterkandidatur haben sich in der grünen Basis zwei Lager gebildet. Willi gewann und muss diese jetzt wieder mühsam versöhnen, will er geeint in den Wahlkampf ziehen. Pitscheider hat ihren Rückzug von den Grünen angekündigt. Dass sie gar bei einem Tirolableger der Liste Pilz anheuern könnte, ist bis dato nur ein Gerücht. Zunächst enttäuscht ob Pitscheiders Niederlage, soll sich Stadtrat Gerhard Fritz nun doch um einen neuerlichen Listenplatz bei der Bezirksversammlung Ende September bemühen, heißt es. Da auch weitere altgediente Grün-Mandatare dies vorhaben, wird es spannend, ob und wie Willi trotz allem auch neue Kandidaten wird präsentieren können.

3. ÖVP: Will er, kann er oder muss er? Diese Frage ist bei Stadtrat Franz Gruber noch nicht beantwortet, wenn es um eine schwarze Bürgermeisterkandidatur geht. Zuletzt wurde sogar spekuliert, die ÖVP könnte gar keinen Kandidaten ins Rennen schicken, und stattdessen Oppitz-Plörer im Kampf gegen Willi unterstützen. Gruber würde in diesem Falle nur die Rolle eines Spitzenkandidaten auf der VP-Liste zufallen. Fakt ist: Die Stadt-VP hat diese Frage bis dato umschifft – Klarheit soll es erst in den nächsten Wochen geben. Zumindest aus heutiger Sicht zeichnet sich aber kein Überraschungskandidat wie noch 2012 mit Ex-FIler Christoph Platzgummer ab.

4. SPÖ: Mit der ehemaligen Journalistin Irene Heisz haben Parteichefin Elisabeth Blanik und Parteimanager Georg Dornauer den Stadt-Roten eine designierte Bürgermeisterkandidatin bereits vorgesetzt. Dass sich deren Strahlkraft noch nicht entfaltet habe und dass für den Stadtparteitag an einer Gegenkandidatur gebastelt werde, bestritten kürzlich Stadtparteichef Helmut Buchacher und Heisz vehement. Dass die SPÖ darüber hinaus auf ihrer Liste weitere neue Köpfe präsentieren muss, liegt auf der Hand: Lang­gediente Mandatare wie StR Ernst Pechlaner oder Klubchef Arno Grünbacher werden nicht mehr dabei sein, Gemeinderätin Selma Yildirim ist Spitzenkandida-tin für die Nationalratswahl.

5. FPÖ: Alles Rudi, oder was? So könnte das Motto der Freiheitlichen lauten. Nach der Fusion der Liste Federspiel mit den Stadt-Blauen bastelt Bürgermeisterkandidat Rudi Federspiel am Wiedereinzug in den Stadtsenat. Das dürfte die FPÖ dieses Mal auch schaffen. Personell liegt aber auch bei der FPÖ noch vieles im Dunkeln. Zuletzt rumorte es, da FP-Klubobmann Winfried Vescoli zugunsten von GR-Rückkehrer Johann Überbacher sein Mandat aufgeben musste. Sein Abgang war alles andere als freiwillig.

6. Sonstige: Ob der Seniorenbund bzw. die NEOS eigene Bürgermeisterkandidaten aufstellen werden, ist noch offen. Helmut Kritzinger wird, sofern er überhaupt noch einmal anzutreten gedenkt, eher nur den ersten Listenplatz des Seniorenbundes einnehmen. Die Wahl-premiere der NEOS ist paktiert, weniger, wer dann auch tatsächlich kandidieren soll. Ob auch die Liste Fritz das Wagnis eingeht, soll sich nicht vor Jahresende entscheiden. Fraglich sind auch die Piraten. Sie hätten ein Mandat im Gemeinderat zu verteidigen.

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