Letztes Update am Mo, 04.09.2017 10:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Tiroler Landärzte ringen um eigene Apotheken

Die Politik verspricht weniger Hürden. Doch bei Hausapotheken werden Landärzten in Tirol weiter Prügel zwischen die Beine geworfen.

In Tirol gibt es 1340 niedergelassene Ärzte. 468 davon sind Allgemeinmediziner. Die Hälfte geht in den nächsten zehn Jahren in Pension.

© KeystoneIn Tirol gibt es 1340 niedergelassene Ärzte. 468 davon sind Allgemeinmediziner. Die Hälfte geht in den nächsten zehn Jahren in Pension.



Innsbruck – Eine Tiroler Hausärztin ordiniert neben ihrer Stammpraxis einmal die Woche auch in einem benachbarten Tal. Die Behörde genehmigte ihr im November des Vorjahres eine Hausapotheke, die nächstgelegene Apotheke erhob jedoch erfolgreich Einspruch dagegen. Weil die Mindest-Ordinationszeit zum Führen einer Hausapotheke 18,5 Stunden betragen muss, wie das Landesverwaltungsgericht jüngst entschieden hat. Und die Bewilligung einer ärztlichen Hausapotheke bei zwei Berufssitzen darf nur für jene Praxis erteilt werden, in der das Schwergewicht der Tätigkeit liegt. Die Landärztin hat also Pech gehabt.

Mit den Hausapotheken alleine wird sich der Ärztemangel in den peripheren Regionen zwar nicht lösen lassen, „doch sie sind gerade am Land ein wichtiger Service für die Bevölkerung und eine zusätzliche Einnahmequelle für die Mediziner“, betont Tirols Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger. Schließlich wird die Hälfte der 468 Allgemeinmediziner in den nächsten zehn Jahren in Pension gehen. „Zuletzt konnten nur drei der neun ausgeschriebenen offenen Hausarztstellen besetzt werden“, klagt Wechselberger. Die Ärztekammer bemühe sich ohnehin seit Jahren gegenzusteuern. Übergabepraxen, Jobsharing, Work-Life-Balance, aber auch Hausapotheken sollen deshalb die Attraktivität des Landarztes steigern.

Apropos Hausapotheken: Im Vorjahr feierten SPÖ und ÖVP eine neue Hausapotheken-Regelung, in der Praxis gibt es jedoch nach wie vor zahlreiche Hürden.

Landärzte kämpfen mit Hürden

Dem Hausärztemangel soll endlich vorgebeugt werden, kündigte zuletzt Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SP) an. Doch politische Absichtserklärungen vor Wahlen sind das eine, die alltäglichen Realitäten das andere. Und da geht es einmal mehr um die starren gesetzlichen Vorschriften bei der Führung von ärztlichen Hausapotheken. Das musste jetzt auch eine Tiroler Ärztin erfahren, die einmal in der Woche in ihrer zweiten Praxis eine Hausapotheke führen wollte. Der positive Bescheid der Bezirkshauptmannschaft wurde erfolgreich beeinsprucht: Wenn die Voraussetzungen vorliegen, könnte die Medizinerin nur in ihrer Hauptordination eine Hausapotheke haben. Außerdem beträgt die Mindestordinationszeit 18,5 Stunden. In der Außenstelle hatte sie ihre Praxis aber nur einmal geöffnet.

Zwar gab es im Vorjahr Erleichterungen bei ärztlichen Hausapotheken, doch viele Hindernisse für die Landärzte bleiben weiterhin. 69 Hausapotheken gibt es in Tirol. Der Tiroler Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger würde sich auch im Sinne der Patienten einen realitätsfreundlicheren Zugang bei den Hausapotheken wünschen. „Natürlich ist es auch eine zusätzliche Einnahme für den Allgemeinmediziner.“

Die Situation bei den Ausschreibungen offener Ärztestellen hat sich zuletzt in Tirol verschärft: Neun Allgemeinmediziner und zwölf Fachärzte wurden gesucht. Für 17 gab es nicht einmal Bewerber, weist Wechselberger auf die prekäre Situation hin. Deshalb müsse alles unternommen werden, um den Beruf des Hausarztes attraktiver zu machen.

Einmal mehr rügt Wechselberger das Fehlen eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin an der Med-Uni Innsbruck und fordert einen „Facharzt für Allgemeinmedizin“. Darüber hinaus regte er im Zusammenhang mit Reformvorschlägen ein breites und von den Krankenkassen bezahltes Leistungsspektrum ohne Honorarlimitierungen an: aber mit attraktiven Tarifen sowie liberale, den Bedürfnissen der Ärztinnen und Ärzte entsprechende Zusammenarbeitsformen. (pn)