Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.09.2017


Landespolitik

Olympia in Tirol: Noch nicht angekommen

Wenig Interesse an der Olympia-Roadshow, Kritik an der Kampagne, keine Stimmung und Diskussionen: Der Olympiazug Richtung Volksbefragung am 15. Oktober ruckelt so dahin.

Schon zwei Mal hat Innsbruck Olympische Winterspiele durchgeführt, am 15. Oktober wird die Tiroler Bevölkerung über eine Bewerbung für 2026 befragt.

© BöhmSchon zwei Mal hat Innsbruck Olympische Winterspiele durchgeführt, am 15. Oktober wird die Tiroler Bevölkerung über eine Bewerbung für 2026 befragt.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Hinter den Kulissen wird bereits intensiv diskutiert, schließlich läuft die Informationskampagne von Land und Stadt Innsbruck für die Olympiavolksbefragung am 15. Oktober nicht gerade rund. Überlagert vom Nationalratswahlkampf gerät Olympia in den Hintergrund. Der von den Verantwortlichen erhoffte Funke will nicht überspringen, der Besuch der ersten beiden Etappen der Roadshow „Olympia 2026 im Dialog“ blieb deutlich hinter den Erwartungen. Zuerst in Innsbruck, dann in Imst. „Da ist etwas schiefgelaufen“, gibt Gernot Uhlir, der Vertreter des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) bei der verantwortlichen Innsbruck Tirol Sports GmbH (ITS) unumwunden zu. „Es war ein Fehler, in der Landeshauptstadt zu beginnen, doch in den nächsten Wochen wollen wir noch breiter informieren.“ Außerdem verweist Uhlir darauf, „dass wir ja erst am Anfang stehen, aber trotzdem schon zahlreiche Informationsveranstaltungen durchgeführt haben“.

Dass außer im Umfeld der Politik und von öffentlichen Funktionsträgern sehr wenig über die mögliche Bewerbung für dritte Winterspiele in Innsbruck/Tirol diskutiert wird, irritiert dennoch die Politik. Landeshauptmann Günther Platter (VP): „Ich sehe es auch so, dass die Olympia-Befragung noch nicht bei allen Tirolerinnen und Tirolern angekommen ist.“ Platter setzt jetzt auf die Aktivitäten in den Regionen und den Austausch mit den Sportverbänden und Institutionen. „Insgesamt stehen neben den ,Olympia im Dialog‘-Terminen in den Bezirken und der Stadt Innsbruck noch über 30 weitere Informationsveranstaltungen in allen Teilen des Landes an.“ Diese Veranstaltungen sollten den Menschen die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen, sich mit Olympia auseinanderzusetzen und eine Meinung zu bilden. Sachliche Information und nicht oberflächliche Werbung stehe dabei im Vordergrund.

Mit dem Engagement von 1000 Olympia-Botschaftern quer durch Tirol erwartet sich Platter im wahrsten Sinne des Wortes mehr Feuer. „Ich hoffe, dass durch diese Bewegung – trotz des aktuellen Wahlkampfs – richtig Stimmung entsteht.“

Andererseits wird zu wenig kritische Auseindersetzung über die Olympia-Bewerbung als zentraler Kritikpunkt genannt. Jetzt auch von Platters Koalitionspartner, den Grünen. „Mehr Diskussion mit den Bürgern über das Tiroler Angebot ist notwendig“, fordert der grüne Landtagsvizepräsident Hermann Weratschnig. Mit der inhaltlichen Ausrichtung ist er ebenfalls nicht glücklich. „Ich erwarte mir von der Kampagne mehr Ausgewogenheit und Information.“ Und fast wortgleich mit Platter fällt Weratschnigs bisherige Olympiaanalyse aus: „Das Thema Olympia ist bei den Tirolern noch nicht angekommen.“

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Sowohl Platter als auch Weratschnig streichen aber das Tiroler Angebot hervor. „In Tirol haben wir klare Bedingungen dafür formuliert, auf welche Art und Weise Spiele möglich sind“, sagt Weratschnig. Im Gegensatz zu den Grünen in Innsbruck, die sich gegen Olympia aussprechen, begegnet die Landespartei einer möglichen Bewerbung mit „konstruktiver Skepsis“.

Für Platter enthält die Machbarkeitsstudie klare Bedingungen für eine Neuausrichtung der Spiele unter regionalen Gesichtspunkten. „Olympia wäre eine Chance für unser Land und die Stadt Innsbruck.“

Und warum gibt es in Innsbruck noch keinen Infopoint für Olympia, wo sich die Bürger tagtäglich informieren oder ihre Befindlichkeiten deponieren können? „Das wird es dann in der Woche vor der Volksbefragung geben“, erklärt Uhlir. Andererseits habe die ITS auch nur beschränkt Personal zur Verfügung.

5 Fragen an Peter Schröcksnadel

Skiverbands- und ÖOC-Vizepräsident Peter Schröcksnadel fordert auch einen Mehrwert für den Sport bei einer Olympiabewerbung.

1. Herr Schröcksnadel, knapp vier Wochen vor der Volksbefragung hat man den Eindruck, Olympia geht an der Bevölkerung vorbei. Wir befassen uns schon damit, schließlich wären Olympische Spiele eine Riesenchance für Tirol. Man würde eine große Gelegenheit vergeben, wenn sich Innsbruck/Tirol nicht bewerben würde. Ich spreche mich klar für eine Kandidatur aus.

2. Aber offensichtlich springt der Funke trotzdem nicht über. Nicht einmal von den Sportlern oder den Vereinen. Weil Winterspiele zwar eines der größten Sportereignisse sind und es für die Durchführung das Knowhow der Funktionäre und Vereine benötigt, aber die Nachhaltigkeit für den Wintersport derzeit eigentlich nicht erkennbar ist.

3. Das klingt aber nicht gerade optimistisch. Es wird immer von reduzierten Spielen geredet, das passt auch. Wir haben die Sportinfrastruktur und müssen nicht viel investieren. Tourismus und Wirtschaft profitieren von den Winterspielen. Und der Sport? Seit Jahren beklagen etwa die Eissportler, dass es zu wenig Infrastruktur gibt. Gleichzeitig schaut die finanzielle Situation bei vielen Vereinen ebenfalls nicht rosig aus. Was haben sie also von den Winterspielen?

4. Sie vermissen also den Mehrwert für den Sport in Tirol bzw. Österreich? Der muss gewährleistet sein. So sollten die Trainingsbedingungen für die Sportler und den Nachwuchs verbessert werden. Das wäre aus meiner Sicht notwendig, um auch unter den Sportlern und Funktionären jene Stimmung zu entfachen, die dann weitergetragen wird.

5. Was würden Sie sich wünschen? Vor allem, dass auch der Sport von Winterspielen in Tirol profitiert und ein klares Bekenntnis dazu. Die Vereine und Funktionäre sind Multiplikatoren in ihrem Umfeld, durch sie erreicht man auch die Bevölkerung.