Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.09.2017


Bezirk Innsbruck Land

Wipptaler Eltern fordern mehr Kinderbetreuung

Ein Mühlbachler hat eine Petition gestartet und über 120 Unter­stützer gefunden. Die Bürgermeister sehen vorerst keinen Handlungsbedarf.

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© E+



Von Denise Daum

Matrei, Mühlbachl, Pfons – „Wenn wir keine Betreuung in den Ferien haben, muss meine Frau kündigen“, ärgert sich Andreas Felder aus Mühlbachl. Er fordert einen Ausbau der Kinderbetreuung im Wipptal, vor allem aber im Schulsprengel Mühlbachl, Matrei, Pfons. Für Volksschulkinder gebe es keine bzw. nur unzureichende Betreuung in den Ferien. Von den Bürgermeistern fühlt sich der Vater einer Tochter im Volksschulalter im Stich gelassen. „Deren Meinung nach reicht das bestehende Angebot aus. Aber sie sind fern der Bevölkerung und wissen nichts von unseren Nöten.“

Felder startete vor einigen Tagen eine Online-Petition. Bereits in den ersten 24 Stunden fanden sich über 50 Unterstützer. In den Kommentaren erklärt beispielsweise ein Papa von zwei kleinen Kindern, warum er das Anliegen unterstützt: „Wir müssen auch beide arbeiten gehen; wir wissen schon, was das immer für a Würgerei ist, mit dem Urlaub einteilen.“ Eine Mutter schreibt: „Es ist nicht mehr so wie früher, wo Mütter das ganze Jahr zu Hause waren oder Omas und Opas auf die Kinder schauen konnten.“

Stand gestern Nachmittag hatte die Petition über 120 Unterstützer. „Das gibt mir Recht“, betont Felder.

Mühlbachls Bürgermeister Alfons Rastner fackelt auf Nachfrage der TT nicht lang herum: „Das will nur der Andreas Felder. Wir können nicht auf den Wunsch eines Einzelnen eingehen, das geht organisatorisch und kostenmäßig auch gar nicht.“ Es würden ausreichend Kinderbetreuungsplätze zur Verfügung stehen, die Bürgermeister „tun eh alles, was möglich ist“. Rastner nimmt auch die Eltern in die Pflicht, vorausschauend zu planen.

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Ähnlich sieht das Matreis Bürgermeister Paul Hauser. „Den Eltern wäre es am liebsten, wenn es 365 Tage im Jahr von 6 bis 22 Uhr eine Kinderbetreuung gibt.“ Einerseits verstehe er die Probleme arbeitender Eltern, andererseits könnten nicht die Gemeinden allein dieses Problem lösen. „Wir drei Bürgermeister sind uns da schon einig: Wir haben eine ausreichende Kinderbetreuung.“ Derzeit gibt es einen Ganztagskindergarten, der bis auf vier Wochen ganzjährig geöffnet ist. Für die Schüler besteht während des Schuljahrs eine Nachmittagsbetreuung, in den Ferien gibt es für Volksschüler die Möglichkeit, im Rahmen des Ganzjahreskindergartens betreut zu werden.

Alexander Woertz, Bürgermeister von Pfons, erklärt, dass man bislang noch immer eine Lösung für die Volksschulkinder in den Ferien gefunden habe, wenn die Eltern früh genug an die Betreuungseinrichtung herangetreten seien. „Nächstes Jahr werden wir in Pfons einen Gruppenraum dazubauen“, erklärt Woertz.

Für Andreas Felder reicht das nicht aus. „Ich muss sicher sein, dass meine Tochter einen Platz hat in den Ferien.“ Es scheint im Übrigen, dass es ähnliche Probleme auch in den anderen Wipptaler Gemeinden gibt. So eine Mutter aus Trins auf der Homepage der Petition: „Ich fahre täglich von meiner Arbeit in Ibk mittags wieder nach Trins, um mein Kind von der Schule zu holen und es in Ibk in den Schülerhort zu bringen.“