Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.09.2017


Exklusiv

Erneute Diskussion um Kosten für Schulspinde

Ein Vater beklagt die „Kostenlawine“ und kritisiert Innsbrucker Gymnasium. Dessen Direktor sieht den Fall anders und verweist auf die „Freiwilligkeit“.

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© Getty Images/iStockphoto



Von Marco Witting

Innsbruck – Genau vor einem Jahr stellte das Unterrichtsministerium klar: Die kostenpflichtige Vermietung von Schulspinden ist nicht zulässig – und war es auch nie. Das gilt auch heute noch, wie die Sprecherin des Unterrichtsministeriums, Patrizia Pappacena, bestätigt. „Es ist in jedem Fall unzulässig, von Eltern Miete für einen Spind zu verlangen.“ Das gilt übrigens auch, wenn die Schule die Spinde gekauft hat.

Im Vorjahr gab es eine bundesweite Debatte über die Spinde – die teilweise auch von fremden Anbietern angeboten wurden und bis zu 90 Euro kosteten. Ein betroffener Vater beschwerte sich jetzt über das Gymnasium am Adolf-Pichler-Platz und dass dort für die Garderobenkästen „weiterhin eine Jahresgebühr verlangt wird“. Was dem Vater ziemlich sauer aufstieß. Zumal es keinerlei Informationen dazu gegeben haben soll bzw. nur auf der Seite des Elternvereines, wo von Kosten von 25 Euro die Rede ist. Er fragt auch: „Wann hört die Kostenlawine für die Eltern endlich auf?“

Der Direktor der Schule, Walter Nigg, kann diese Kritik überhaupt nicht nachvollziehen. Die Schule biete allen Schülern eine Garderobe an, zudem seien fast flächendeckend Kästen vorhanden. „Außerdem gibt es an der Schule aus Altbeständen 200 Garderobekästen, die – so ist es derzeit vorgesehen – auf freiwilliger Basis an Schüler vergeben werden“, erklärt er in einer schriftlichen Stellungnahme. Und weiter: „Es besteht keine Verpflichtun­g! Für Reinigun­g und Wartung wird ein Betra­g von 1,50 Eur­o pro Monat, in dem ein Kästche­n verwende­t wird, verrechnet.“ Dazu gibt es eine Kaution pro Kasten. Außerdem sind noch weitere 200 Spinde im Besitz des Elternvereines, die auch auf freiwilliger Basis vergeben werden. Und etwas teurer sind – diese kosten 25 Euro.

Der Direktor erklärt weiter, dass er der Ansicht war, „dass wenn wir die Aufbewahrungsmöglichkeiten bieten können und die Nutzung auf freiwilliger Basis abgewickelt wird, ein kleiner Betrag für Wartung und Reinigung möglich ist“. 1,50 Euro pro Monat sei kein „sehr hoher Betrag“. Vor allem junge Schüler würden die Spinde nutzen. Es würden auch bei Weitem nicht alle genutzt.

Nachdem es zuletzt aber die Anfrage eines Vaters an den Landesschulinspektor diesbezüglich gab, habe er die Vergabe der Spinde sofort gestoppt. Was wiederum zu Protesten vieler Eltern geführt habe, die welche anmieten wollten. Im vergangenen Jahr habe es nur eine diesbezügliche Beschwerde an der Schule gegeben.

Beim Landesschulrat kennt man den Fall und gibt der Schule Recht. Es gebe keine Verpflichtung, Spinde zur Verfügung zu stellen. Wenn auf Wunsch von Schülern oder Eltern Zusatzangebote gemacht werden, dann „bestehen dagegen keine Bedenken“. Eine allfällige Anmietung durch Schüler an Bundesschulen kann „jedoch keinesfalls verpflichtend“ sein.




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