Letztes Update am Fr, 22.09.2017 15:31

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kirche

Entscheidung in Rom gefallen: Steirer wird Innsbrucker Bischof

Der gebürtige Steirer Hermann Glettler (52), Bischofsvikar der Diözese Graz-Seckau, wird neuer Bischof der Diözese Innsbruck.

© Kleine Zeitung/Jürgen FuchsHermann Glettler wird neuer Bischof von Innsbruck.



Innsbruck - Nach 22 Monaten ist die Entscheidung über die Bischofsnachfolge in Tirol gefallen. Keiner der genannten Favoriten wird Nachfolger von Bischof Manfred Scheuer, wie aus Kreisen in Rom bekannt wurde. Neuer Bischof der Diözese Innsbruck wird der Bischofsvikar der Diözese Graz-Seckau Hermann Glettler.

Nächste Woche wird der Ministerrat die Bischofsernennung absegnen. Mit dem Steirer Hermann Glettler erhält die Diözese Innsbruck den dritten Bischof von außen. Der letzte Tiroler war der 2013 verstorbene Reinhold Stecher.

Stillschweigen in der Diözese

Noch herrscht Stillschweigen, die Diözese Innsbruck konnte naturgemäß den Namen weder bestätigen noch dementieren. Die offizielle Ernennung durch Papst Franziskus dürfte nächste Woche erfolgen, zuerst wird die Bundesregierung noch informiert.

Hermann Glettler ist derzeit Bischofsvikar der Diözese Graz-Seckau.
- Sabine Hoffmann

Aufgrund des Konkordats hat sich der Heilige Stuhl verpflichtet, vor Ernennung von Bischöfen der Bundesregierung den Namen des künftigen Würdenträgers mitzuteilen. Aus „Gründen allgemein politischer Natur“ kann die Regierung Einwände erheben, worauf jedoch ein Vermittlungsprozess in Gang gesetzt wird. Das ist aber nur ein Formalakt, der Ministerrat wird sicher der Ernennung Glettlers zustimmen.

Mit Hermann Glettler hat niemand gerechnet, obwohl er bereits 2015 für die Nachfolge des steirischen Alt-Bischofs Egon Kapellari neben den später ernannten Wilhelm Krautwaschl und Franz Xaver Brandmayr als möglicher Diözesanbischof gehandelt wurde.

Am 18. November 2015 hat Papst Franziskus Manfred Scheuer zum neuen Bischof von Linz ernannt, Mitte Jänner 2016 übersiedelte der gebürtige Oberösterreicher zurück in seine Heimat. Noch vor seinem Wechsel hat Scheuer dem päpstlichen Botschafter in Österreich Nuntius Peter Stephan Zurbriggen einen Dreiervorschlag aus der Diözese übergeben. Nach zwei Befragungsrunden übermittelte Zurbriggen dann Mitte November der Bischofskongregation im Vatikan seine Wunschliste. Schon damals sorgte sie für eine Überraschung, soll es sich doch um einen Fünfervorschlag gehandelt haben. Üblicherweise werden drei potenzielle Kandidaten genannt. Daran muss sich aber weder die Bischofskongregation noch der Papst halten.

Warum fünf Namen?

Der Nuntius hat wohl sein Versprechen wahr gemacht und in seinen Dreiervorschlag Würdenträger mit einem starken Tirol-Bezug aufgenommen. Danach dürften jedoch noch zwei weitere Namen auf seine Liste hinaufreklamiert worden sein. Augenscheinlich gab es im Hintergrund zahlreiche Interventionsversuche — auch aus Tirol. Das scheint den Prozess für die Nachfolge in Innsbruck nicht gerade beschleunigt zu haben.

Letztlich wurde die Ernennung eines neuen Innsbrucker Bischofs allerdings in Rom gebremst. Kurioserweise nicht zum Nachteil der Diözese, obwohl sie sich weiter gedulden muss und der Bischofssitz deshalb über den Sommer hinaus vakant blieb. Zwischen Papst Franziskus und seiner Bischofskongregation soll es nämlich heftige Differenzen über den Bischofskandidaten gegeben haben. Bei den jüngsten Bischofsernennungen in Feldkirch, Graz oder Linz hatte sich Franziskus schließlich an den Wünschen der Ortskirche orientiert.

Tiroler Vorschläge nicht berücksichtigt

Wie es hieß, protegierte die aus 37 Mitgliedern bestehende Kongregation dem Pontifex einen Geistlichen, der nicht zum engeren Kreis der vom Nuntius vorgeschlagenen Personen gehört hatte. Möglicherweise handelte es sich um einen von zwei Namen, die aus dem Dreier- schließlich einen Fünfervorschlag gemacht haben. Papst Franziskus lehnte das ab. Dass er gegenüber Tirols LH Günther Platter im Mai erklärt hatte, er wisse über die Situation in Tirol Bescheid, dürfte darauf zurückzuführen sein.

Trotzdem: Die Bischofskongregation in Rom entschied sich wieder einmal gegen die Vorschläge der Ortskirche und der diözesanen Gremien, die Diözesanadministrator Jakob Bürgler, seinen Bruder Bernhard, den Regens des Priesterseminars, Roland Buemberger oder den Pfarrer von Innsbruck/Allerheiligen, Franz Troyer, empfohlen hatten.

Reaktionen von Platter und Schützenhöfer

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hat sich in einer schriftlichen Stellungnahme zur bevorstehenden Ernennung Hermann Glettlers zum neuen Innsbrucker Diözesanbischof geäußert:

„Es ist zu hoffen, dass das lange Warten auf eine neuen Bischof für die Diözese Innsbruck jetzt tatsächlich zu Ende geht. Ich würde mich freuen, wenn mein Drängen auf eine Entscheidung, unter anderem bei Papst Franziskus in Rom, endlich erhört wurde. In den letzten Tagen habe ich vernommen, dass Bewegung in das Auswahlverfahren gekommen ist. Offizielle Mitteilung von Seiten des Vatikans liegt mir noch keine vor. Sobald diese vorliegt, werde ich auf eine möglichst rasche Entscheidung des Ministerrats im Umlaufverfahren pochen. Ich werde mich aber erst nach der offiziellen Bestätigung dieser Bischofsernennung öffentlich dazu äußern. Wer immer für dieses Amt ausgewählt wird, ist unser Ansprechpartner in vielen Angelegenheiten, die die Menschen in Tirol betreffen. Und genau wie mit seinen Vorgängern, freue ich mich auch bei einem neuen Bischof auf eine gute Gesprächsbasis.“

Steiermarks LH Hermann Schützenhöfer (ÖVP) gratulierte indes der Tiroler Bevölkerung. „Ich sehe den Abgang Glettlers aus unserer Diözese auch mit einem weinenden Auge, weil eine große Persönlichkeit nun in einer anderen Diözese wirkt, aber die Freude über diese Berufung überwiegt. Ich kenne ihn schon sehr lange und schätze ihn als eine charismatische Persönlichkeit. Glettler ist, das hat er an all seinen bisherigen Wirkungsstätten eindrucksvoll bewiesen, ein Hirte, der in der Vielfalt Einheit schafft und das Gemeinsame vor das Trennende stellt“, meinte der steirische Landeschef. (TT.com, pn)




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