Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 30.09.2017


Bezirk Reutte

Landwirte verlangen wolffreie Alpen

Bauernvertreter betonen Leistungen: „Niemand macht Urlaub wegen dichter Wälder und hoher Stauden.“

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Reutte – Der Außerferner Almsommer neigt sich dem Ende zu und Bezirksbauernobmann Richard Wörle sowie der Obmann der Tiroler Maschinenringe und Bauer aus Breitenwang, Christian Angerer, ziehen Bilanz. Ihr Fazit: Es müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, damit die Almen im Außerfern auch weiterhin flächendeckend bestoßen werden – zum Wohle der ganzen Bevölkerung.

Sie fallen derzeit besonders auf, weil sie nach und nach wieder zurück ins Tal kommen, die Stars bei den Almabtrieben: Gemeint sind die Almtiere. „Im Außerfern waren heuer 6223 Rinder auf der Alm. Es gibt bei uns 101 Almen, davon 25 Melkalmen. Insgesamt verbrachten neben den Rindern 65 Ziegen, 2567 Schafe und 337 Pferde den Sommer auf den Almen im Bezirk Reutte“, berichtet der Pinswanger Bezirksbauernobmann Richard Wörle.

„Man darf nicht unterschätzen, welchen enormen Stellenwert die Almwirtschaft für unser Land hat. Würde diese flächendeckende Bewirtschaftung wegfallen, so würde die Anzahl der Muren und Lawinen sofort ansteigen und die Attraktivität des Tourismusstandortes rasant abnehmen“, erklärt Christian Angerer, der als Vizebürgermeister der Gemeinde Breitenwang auch Substanzverwalter der Musteralpe am Plansee ist. Jobs im Tourismus, in der Landwirtschaft und der Wirtschaft wären gefährdet. „Kein Mensch will bei uns Urlaub machen, weil die Wälder so dicht und die Stauden so hoch sind“, erklärt Angerer weiter. „Werden unsere Almen nicht mehr wie gewohnt bestoßen, mutieren unsere steilen Berghänge schnell zu Rutschbahnen für Muren und Lawinen. Unsere gepflegte Kulturlandschaft leistet einen wertvollen Beitrag zum Schutz vor Naturgefahren.“

„Es gilt, die Rahmenbedingungen so zu stärken, dass möglichst viele Bauern nach wie vor ihre Tiere in Tirol auf die Alm bringen können. Wir haben im Außerfern sehr viel Fremdvieh. Teilweise treiben Bauern aus dem Zillertal und auch aus Vorarlberg ihre Tiere im Sommer auf Außerferner Almen auf – und darüber sind wir froh“, sagt Wörle.

„Ich fordere als leidenschaftlicher Schafzüchter mit aller Entschiedenheit, eine wolffreie Zone im Ostalpenraum zu errichten. Sobald nur ein auffälliges Tier damit beginnt, in unserem Bezirk ein Tier zu reißen, ist die gesamte Almwirtschaft gefährdet. Ich bin mir sicher, dass keiner unserer Bauern seine Tiere an Wölfe verfüttern und Weidetiere dieser Bedrohung und dem damit einhergehenden Leid aussetzen will“, erklärt Angerer. Und Wörle weiter: „Wie man den Medien zum erschreckenden Vorfall in Griechenland entnimmt, stellen Wölfe ja auch eine Bedrohung für Menschen dar.“

Abschließend halten beide fest: „Die Ratschläge von in Städten ansässigen Tierschutzorganisationen, wonach wir Bauern kilometerlange und meterhohe Zäune errichten und scharfe, unerschwinglich teure Herdenschutzhunde halten sollen, um unsere Tiere vor Wölfen zu schützen, sind eine Farce und Beleidigung für jeden Almbauern.“ (TT, hm)




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