Letztes Update am Mi, 11.10.2017 06:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Katholische Kirche

Neuer Bischof lässt bei Weihe Eis schmelzen

Bis zu 4000 Menschen sollen damit die Bischofsweihe am 2. Dezember in Innsbruck mitverfolgen können.

Der gebürtige Steirer Hermann Glettler wird neuer Innsbrucker Bischof.

© Thomas BöhmDer gebürtige Steirer Hermann Glettler wird neuer Innsbrucker Bischof.



Innsbruck – Am Tag seiner Ernennung hat der neue Diözesanbischof Hermann Glettler (52) gemeinsam mit den Gläubigen im Innsbrucker Dom zu St. Jakob gebetet. Für seine Weihe am 2. Dezember verlässt Glettler die Bischofskirche und begibt sich zwar symbolisch aufs Eis der Innsbrucker Olympia-Eishalle, doch damit nicht aufs Glatteis. Denn Glettler geht auf die Menschen zu: Erstmals in der österreichischen Kirchengeschichte wird nämlich ein Bischof außerhalb eines Gotteshauses geweiht. „Der Innsbrucker Dom stößt mit 750 Besuchern an die Grenzen seiner Kapazität. Als einzige Möglichkeit, die Bischofsweihe als ein Fest für alle zu gestalten, bietet sich die Olympia-Eishalle an“, verlautete am Dienstag die Diözese.

Dahinter verbirgt sich noch eine zweite zentrale Botschaft des neuen Innsbrucker Oberhirten: „Wir brauchen eine Kirche, die Räume öffnet und mit einer neuen Entschiedenheit für alle Menschen Platz macht“, betont Glettler. 4000 können bei seiner Weihe dabei sein. Die Olympiaworld ist Sport- sowie Veranstaltungsstätte und wird von der Diözese und dem Bischof als „Ort der Vielfalt und Begegnung“ bezeichnet.

Wobei die Olympia-Eishalle für die Kirche in Tirol gleichsam ein Ort schöner Erinnerungen ist. 1988 besuchte der damalige Papst Johannes Paul II. dort das Kinderfest und erzählte vom Eislaufen und Bergsteigen in seiner Jugend. Und ein Vorgänger Glettlers, Bischof Paulus Rusch, hat einmal mit 6000 Katholiken in der heutigen Olympiaworld die Messe gefeiert.

Zur Bischofsweihe werden außerdem 500 Gäste aus Glettlers steirischer Heimat erwartet. Sein Landsmann und Erzbischof von Salzburg, Franz Lackner, der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl sowie der Linzer Bischof Manfred Scheuer werden den Festgottesdienst zelebrieren. Kardinal Christoph Schönborn und der päpstliche Botschafter in Österreich, Nuntius Peter Stephan Zurbriggen, kommen – wie fast alle heimischen Würdenträger – ebenfalls nach Innsbruck. Der Dom steht dann am Abend im Mittelpunkt, wenn Bischof Hermann Glettler zu einer feierlichen Vesper zum 1. Advent einlädt.

Anknüpfend an das Jubiläum 50 Jahre Diözese Innsbruck im Jahr 2014, das unter dem Motto „Aufbruch“ stand, hat Glettler seinen Wahlspruch gemeinsam mit den Verantwortlichen der Diözese ausgewählt: Mit „Geht, heilt und verkündet“, hofft der Bischof auf eine Dynamik in seiner Diözese. Er versteht Kirche als große Gemeinschaft und streicht einmal mehr seinen Leitspruch „Kirche sind wir alle“ hervor.

In den nächsten Wochen wird Glettler seine Übersiedelung von Graz nach Innsbruck vorbereiten. Dass ihm die am Rand der Gesellschaft Stehenden bzw. an den Rand Gedrängten besonders am Herzen liegen, hat der Bischof bereits mit seiner Kritik am Schlafverbot in der Innsbrucker Innenstadt verdeutlicht. Die Kollekte bei der Bischofsweihe kommt deshalb der neu errichteten Notschlafstelle in der Landeshauptstadt und dem Caritas-Integrationshaus zugute. (pn)