Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.10.2017


Bezirk Kitzbühel

ÖVP lässt Kirchberger Bürgermeister abblitzen

Ein Wohnprojekt der Zima fand im Kirchberger Gemeinderat keine Mehrheit. Auch wenn Wohnungen für Einheimische vorgesehen waren, ist das Projekt für die VP-Listen unausgewogen und ein Kuhhandel.

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© Harald Angerer



Von Harald Angerer

Kirchberg – Leistbares Wohnen für Einheimische – ein Thema, das allen Gemeinden im Bezirk unter den Nägeln brennt. Doch zu welchem Preis soll man dieses Angebot ermöglichen, oder besser, wie weit muss die Gemeinde zum Beispiel privaten Wohnbauträgern dabei entgegenkommen? Mit dieser Frage musste sich am Dienstagabend der Gemeinderat in Kirchberg beschäftigen. Denn es galt, eine Grundsatzentscheidung für das Wohnprojekt der Zim­a Wohn- und Projektmanagement GmbH im Süden der Gemeinde zu treffen.

Dort sollen auf insgesamt 16.700 m2 Fläche Wohnungen entstehen. Nicht weniger als 75 bis 85 Wohnungen für Einheimische sollen gebaut werden, aber eben nicht nur diese. Denn das Thema war im Gemeinderat nicht neu, und die ÖVP-Listen stoßen sich vor allem an der Aufteilung. Denn ein Teil der Fläche soll frei verkäuflich sein. Die Zima und die SPÖ-Liste von Bürgermeister Helmut Berger sprechen von einem Anteil von 65 Prozent für Einheimische und 35 Prozent für den freien Verkauf.

Doch die Flächenverteilung sieht anders aus, lediglich 5000 m2 Grund stehen für Einheimischen-Wohnbau zur Verfügung. Kirchberg müsse sich grundsätzlich entscheiden, wo man hin will, betont Ersatz-GR Franz Heim (Unser Kirchberg) in der Diskussion um das Projekt. Denn die 5000 m2 würden der Gemeinde zwar kostenlos zur Verfügung gestellt, aber „der Preis ist die Widmung für die gesamte Fläche“, sagt Heim. Seit 2015 seien in Kirchberg 284 Wohnungen gebaut worden, „nicht einmal ein Drittel davon ging an Einheimische. Wenn wir dann noch die Flächen vergleichen, sind das nicht mal 10 Prozent für die Einheimischen“, erklärt Heim. Diese Zahlen würden vorliegen. Er würde eine Lösung mit 100 Prozent für Einheimische bevorzugen.

Bürgermeister Berger sieht in dem Projekt hingegen eine Jahrhundert-Chance und auch Alois Leiter (SPÖ) ist überzeugt von dem Vorhaben. „Wenn wir das jetzt vergeigen, ist uns nicht mehr zu helfen.“ Er verweist auf eine Liste mit 198 Wohnungssuchenden in Kirchberg. Eine 100-Prozent-Lösung, wie von Heim vorgeschlagen, sei nicht umsetzbar und noch dazu verfassungswidrig, wie Leiter betont. „Wir dürfen uns nicht von den Wohnbauträgern vorne hertreiben lassen“, sagt Heim. Dies würde man mit einer festgelegten 60/40-Quote aber machen. „Ich würde von 100 Prozent ausgehen und der Rest ist Verhandlungssache“, sagt Heim. Er bezweifelt den von Leiter vorgebrachten Bedarf, so habe man im Pflanzgarten-Wohnprojekt für 30 Wohnungen 80 Interessenten gebraucht, um sie zu füllen.

Auch bringen die VP-Listen immer wieder ein, dass sich die Gemeinde um die gesamte Fläche bemühen sollte, um dann dort auf der gesamten Fläche Einheimischen-Wohnbau zu verwirklichen. „Wir haben mit dem Grundstücksbesitzer gesprochen und eine klare Absage erhalten, das habe ich aber schon mehrfach gesagt“, erklärt Bürgermeister Berger. Wen einer der Gemeinderäte aber eine erschlossene Fläche in bester Lage bringt, könnte man natürlich auch über diese reden. Denn wenn man sich jetzt gegen dieses Projekt entscheidet, sei diese Fläche auf viele Jahre verloren.

„Wie weit denken wir in die Zukunft, zehn Jahre, oder 30 Jahre? Mir stellt sich die Frage, ob unsere Enkel noch Platz haben in Kirchberg“, wirft Simair Christian (Dei Hoamat – Tourismus, Wirtschaft, Umwelt) ein. Er macht sich Sorgen um den Grundverbrauch, der bei diesem Projekt ein Problem sei. Und Heim befürchtet, dass dort „blau-weiße-Fahnen von den Häusern wehen“ und die Einheimischen zu kurz kommen. Zudem bringt Vizebürgermeister Andreas Schipflinger (Unser Kirchberg) ein, dass derzeit bereits mehrere Vorhaben kurz vor der Umsetzung stehen, wo 54 Wohneinheiten für Einheimische entstehen.

Bei der Abstimmung ging nur Wolfgang Haller (FPÖ) mit der SPÖ und so stimmten zehn Mandatare gegen das Projekt, sieben dafür.

Für Aufklärung, was die Quote betrifft, sorgte erst Zima-­GF Alexander Wolf. Bei der 65/35-Prozentaufteilung sei das Nutzflächenverhältnis gemeint. Er kündigte nach der negativen Abstimmung auch an, ein weiteres Vorhaben in Kirchberg ruhen zu lassen.