Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.10.2017


Bezirk Kufstein

Wasserverband Unteres Unterland rückt näher

Der Wassergemeindeverband Unteres Unterland für den Bau des Innhochwasserschutzes soll bis Jahresende stehen. Angeblich wurde eine Trendumkehr bei Grundbesitzern erreicht.

© OtterNicht alle Grundbesitzer zeigen sich begeistert von den Retentionsflächen, wie das Plakat in Radfeld zeigt.



Von Wolfgang Otter

Wörgl – Heuer noch, so hofft der Breitenbacher Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Alois Margreiter, soll es mit der Gründung des Gemeindeverbands für den Bau des Innhochwasserschutzes Unteres Unterinntal (Brixlegg bis Angath) ernst werden. Am Dienstagabend trafen sich Vertreter der acht betroffenen Gemeinden (Angath, Wörgl, Kundl, Breitenbach, Kramsach, Brixlegg, Radfeld sowie Rattenberg) mit Fachleuten, um über noch offene Fragen zu beraten.

Ziel ist ein Megaprojekt um rund 250 Millionen Euro. Durch die geplanten Maßnahmen werden 160 Hektar Bauland und 2200 Häuser vor Hochwasser geschützt. Im unteren Unterinntal sollen dafür 18 Kilometer Mauern und Dämme errichtet sowie in Kramsach, Radfeld/Kundl und Angath drei optimierte Retentionsräume mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 8,5 Millionen Kubikmetern Wasser geschaffen werden, wie das „Generelle Projekt“ vorsieht. Von den Kosten übernimmt der Bund 212,5 Mio. Euro (85 %).Weitere zehn Millionen Euro kommen von den Infrastrukturträgern, 13,7 Mio. Euro übernimmt das Land, den Rest müssen die acht Gemeinden berappen, der Löwenanteil entfällt mit 46,8 Prozent (6,4 Mio.) auf Wörgl.

Aus drei Gemeinden kommt aber bislang ein Nein zur Gründung des Wasserverbandes. Kundl, Radfeld und Angath haben daher noch keinen entsprechenden Gemeinderatsbeschluss. Zumindest in einem ganz entscheidenden Punkt gibt es nun eine Annäherung, wie nach der Sitzung zu erfahren ist. Gerade Kundl und Radfeld müssten viele Hektar Grund für die Retentionsflächen bereit­stellen. Dazu kam von den Landwirten bislang ein entschiedenes Nein. Nun sei es gelungen, eine Trendumkehr herbeizuführen, wie BM Margreiter erzählt. Durch Grundankauf wird auch einem Großteil der Bauern, „für die Flächen, auf denen Dämme stehen sollen, eine Ersatzfläche angeboten“, weiß BM Anton Hoflacher aus Kundl. Angeblich werden für diese Baumaßnahme an die 37 Hektar benötigt. „Wobei noch diskutiert wird, ob nun Mauern oder Dämme errichtet werden“, führt Hoflacher an. Mauern sind zwar teurer, benötigen aber weniger Grund. „Aber genau für diese Entscheidung brauchen wir den Wasserverband“, zeigt Margreiter die Dringlichkeit der Gründung auf.

Auch der Radfelder Vizebürgermeister Friedrich Schuler zeigt sich nun zuversichtlicher, dass „es bis Ende des Jahres gelingen wird, den Verband zu gründen“. Er will auf alle Fälle alles tun, um dieses Ziel zu erreichen. Wichtigste Voraussetzung ist auch hier, dass mit den Grundbesitzern das Einverständnis herbeigeführt wird. Die technischen Anmerkungen der Radfelder zum Projekt, wie die Hochwassersicherheit der Innbrücke, werden in Gesprächen mit Fachleuten in den nächsten Wochen angegangen.

Um Bedenken bezüglich dieses generellen Projektes geht es auch in Angath. Dort kommt noch immer ein entschiedenes Nein von Bürgermeister Josef Haaser und dem Gemeinderat. Zum einen will man eine bei Hochwasser sichere Innbrücke und einen Notweg nach Oberlangkampfen, zum anderen eine Statutenänderung. Die Angather hätten nur wenige Stimmenanteile. Derzeit ist auch vorgesehen, dass die Gemeinde nichts bezahlt. Schließlich wird auch nur Grund im Ort beansprucht, zusätzliche Schutzbauten braucht es nicht. Wer garantiert aber, dass der Verband eines Tages Angath nicht doch zur Kasse bittet. Das Statutenpaket wieder aufzuschnüren ist allerdings gewagt. Seitens der Stadt Wörgl kamen diesbezüglich ebenfalls Bedenken. Dort hatte man den Statuten zugestimmt, weil man das Hochwasserschutzprojekt – das für den Schutz der Stadt dringend notwendig ist, nicht aufhalten wollte. Besonders begeistert über die Statuten war man jedoch nicht.