Letztes Update am Fr, 13.10.2017 10:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Platter: Lkw-Staus sollen Bayern unter Druck setzen

Das Land bastelt an einer permanenten Obergrenze für Lkw. LH Günther Platter wirft Bayern Untätigkeit vor und fordert Solidarität ein.

© BöhmTirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP).



Papiere und Absichtserklärungen, die Verkehrsbelastung reduzieren zu wollen, gibt es viele. Wie auch diese Woche in Brüssel. Wieso soll es bei EUSALP mit der Umsetzung klappen?

Günther Platter: Die Belastungsgrenze für Mensch, Natur und Infrastruktur ist überschritten. Es kann nicht sein, dass die Diskussion bei europäischen Papieren stecken bleibt. Der Unterschied ist, dass es dieses Mal in Richtung konkrete Maßnahmen geht. Eine davon war die Blockabfertigung am 4. Oktober. Nur noch eine bestimmte Lkw-Anzahl pro Stunde darf durch Tirol durchfahren.

Jetzt sprechen die EU, Österreich und Tirol seit Jahren von einer Verlagerung auf die Schiene. Warum gibt es keine Sanktionen, wenn alle sehen, es geht in die falsche Richtung?

Platter: Wenn wir hier auf die EU warten, warten wir noch lange. Die vereinbarten Ziele im EU-Weißbuch sind gut, aber es ändert sich nichts. Der Lkw-Verkehr ist gestiegen, trotz verschiedener Lkw-Fahrverbote. Deshalb müssen wir jetzt die Dinge selbst in die Hand nehmen.

Sie setzen auf eine Lkw-Obergrenze, die bei 300 Lkw pro Stunde liegt. Das Dosiersystem aber nur an neuralgischen Tagen einzusetzen, dürfte wohl zu wenig sein.

Platter: Deshalb gibt es ein umfassendes Maßnahmenpaket. Das Erste ist die Block­abfertigung an Tagen, wo mit sehr viel Lkw-Verkehr zu rechnen ist. Das Zweite ist die Korridormaut. Bayern, Südtirol und Trentino müssen die Maut verteuern und auf unser Niveau anheben. Als Drittes wollen wir eine permanente Obergrenze zustande bringen. Daran arbeiten wir. Sobald es zu langen Staus kommt, rechne ich mit einem gewaltigen Aufschrei, vor allem bei unseren Nachbarn.

Südtirols Landeshauptmann hat beim Forum Alpbach angekündigt, die Maut erhöhen zu wollen. Gibt es da Fortschritte?

Platter: Innerhalb der Europaregion gibt es das informelle Einverständnis, dass die Korridormaut kommt. Da benötigt Südtirol eine landeseigene Gesellschaft zum Betrieb der Autobahnen, aktuell warten sie auf grünes Licht aus Rom.

Bayern sitzt zwar in der Makroregion Alpen, hat die EU-Strategie für die Alpen unterzeichnet, baut aber weder die Zulaufstrecken zum Brennerbasistunnel, noch gibt es Pläne, die Lkw-Maut zu erhöhen.

Platter: Ich muss schon sagen, dass Bayern hier zu wenig aktiv ist. Deshalb müssen wir auch zu Maßnahmen wie der Blockabfertigung greifen.

Soll heißen, Lkw-Staus sollen Bayern zum Einlenken bringen?

Platter: Ja, das erwarte ich mir. Die Regionen sind zur Solidarität verpflichtet. Es kann nicht sein, dass man nur auf die Transitlobby hört.

Österreich könnte tätig werden und den Preis für Diesel erhöhen. Soll die nächste Bundesregierung das Diesel-Privileg abschaffen?

Platter: Diesel-Privileg hin oder her. Das geht am Thema vorbei. Ich will eine Verlagerung auf die Schiene erreichen.

Teurerer Diesel könnte dazu beitragen. Das fordert das Transitforum seit Langem.

Platter: Ich bin mit Fritz Gurgiser vom Transitforum im regen Austausch. Man kann nur erfolgreich sein, wenn man die Kräfte bündelt. Ich bin an Maßnahmen interessiert, die sofort wirken, über andere Themen kann man sich immer unterhalten. Am 27. Oktober werden wir zum zweiten Mal die Blockabfertigung durchführen und danach genau analysieren, wie sich das auf den Verkehr auswirkt.

Blockabgefertigt wird immer in Kufstein-Nord, was passiert am anderen Ende im Süden?

Platter: Die Brenner-Bundesstraße ist wegen Murengefahr leider noch gesperrt und auf der Autobahn gibt es Baustellen. Die Mautstelle Sterzing und die Kontrollstelle am Brenner wirken wie ein Dosiersystem. Geprüft werden aber beide Varianten.

Sie haben sich gerade mit EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani getroffen. Was sagt der denn zur Obergrenzen-Idee?

Platter: Ich habe ihm unsere Maßnahmen erklärt und er war sehr gelassen. Näher ist er darauf nicht eingegangen.

In Brüssel gab es ein Jugendfestival der Euregio. Die Jungen fragten, wieso es kein Euregio-Öffi-Ticket gibt.

Platter: In Tirol wird das Tirolticket sehr gut angenommen. 120.000 haben es gekauft. Es geht da auch um Abrechnungsmodelle. Die Tarife in allen Landesteilen sind sehr unterschiedlich. Ziel muss es sein, dass es in zwei Jahren ein Euregio-Ticket gibt.

Das Gespräch führte Anita Heubacher