Letztes Update am So, 15.10.2017 06:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia-Volksbefragung

Ja oder Nein zu Olympia? Die Tiroler wählen heute zweimal

Knapp 537.000 sind bei der Volksbefragung über eine Olympia­bewerbung für die Winterspiele 2026 stimmberechtigt.

© Thomas Böhm1964 und 1976 war Innsbruck Olympiastadt. 2012 fanden die Jugendspiele statt.



Innsbruck – Dass die heutige Olympiavolksbefragung zeitgleich mit der Nationalratswahl stattfindet, stellt die Wahlbehörden in den 279 Gemeinden vor Herausforderungen. Schließlich braucht es getrennte Wahllokale. Hintergrund für die Zusammenlegung ist zum einen die Hoffnung auf eine höhere Wahlbeteiligung bei der Olympia-Volksbefragung, zum anderen finden bekanntlich im Februar auch Landtags- und im April Innsbrucker Gemeinde­ratswahlen statt. Die Wahlmüdigkeit nach dem vorjährigen Bundespräsidentenwahl-Marathon sollte nicht vorsätzlich provoziert werden. Zudem wurden die Innsbrucker bereits im Juni zum Patscherkofel befragt.

Stimmberechtigt sind am heutigen „Wahl-Sonntag“ 536.817 Tirolerinnen und Tiroler ab 16 Jahren. Die Wahlbeteiligung dürft­e dennoch unter jener der Nationalratswahl liegen, schließlich wurden im Vergleich dazu nur 33.771 Wahlkarten angefordert. Für den Urnengang auf Bundesebene sind es nahe­zu doppelt so viele, nämlich 65.544. Heute findet die bereits dritte Volksbefragung zu einer möglichen Olympiabewerbung in Tirol statt. 1993 gab es nur eine Befragung in Innsbruck, die deutlich gegen Olympia ausging. Sie stand aber ganz im Zeichen einer politischen Unzufriedenheit mit dem damaligen Bürgermeister Romuald Niescher.

1997 folgte der nächste Anlauf. Eine Bewerbung scheiterte damals am negativen Votum in der Landeshauptstadt. Von den Teilnehmern an der Volksbefragung in Innsbruck waren 52,6 Prozent gegen eine neuerliche Olympia-Kandidatur. Die Stadtpolitik sah sich an das Ergebnis gebunden, obwohl landesweit 69 Prozent für Olympia votierten. Allerdings betrug die Wahlbeteiligung nur 24 Prozent.

Weil im aktuellen Olympia-Konzept lediglich 30 Prozent der Bewerbe in Innsbruck ausgetragen werden, hat der Innsbrucker Gemeinderat diesmal eine Selbstbindung abgelehnt. Politisch haben sich ÖVP, SPÖ, FPÖ Impuls sowie NEOS klar für eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen. Die Landesgrünen sind „konstruktiv skeptisch“ bis ablehnend, die Stadtgrünen jedoch klar dagegen. Auf Landesebene kritisierte einzig die Liste Fritz die Bemühungen für eine Olympia­kandidatur 2026.

Bis zum Schluss haben Befürworter und Kritiker für ihre Anliegen getrommelt, heute sind die Tiroler am Wort. Olympioniken und Kritiker haben letztlich eines gemeinsam: Beide hoffen auf eine hohe Wahlbeteiligung. (pn)

Olympia 2026

Machbarkeitsstudie. Sie weist Durchführungskosten von 1,175 Mrd. Euro aus, Steuergeld soll keines benötigt werden. Die allgemeinen Sicherheitsaufwendungen werden nicht beziffert, für sie wäre bei einer Austragung der Bund zuständig. Durch Steuermehreinnahmen seien sie jedoch gedeckt, wird argumentiert.

Keine neuen Sportstätten. Für Olympia werden keine neuen Sportstätten errichtet. Austragungsorte wären Innsbruck, St. Anton, das Kühtai (Silz), Seefeld, Hochfilzen und Inzell (Bayern). Die Eishockeyvorrunde könnte in Bozen, Garmisch, Salzburg oder Wien ausgetragen werden.

Streit um Fragestellung: Die Initiative „mehr demokratie" übt seit Wochen scharfe Kritik an der ihrer Meinung nach manipulativen Fragestellung. Sie wird die Volksbefragung deshalb anfechten. Das Land verteidigt hingegen die Frage