Letztes Update am Mo, 16.10.2017 10:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia-Volksbefragung

Olympia-Nein „katastrophal“: So reagieren die Austragungsorte

58,43 Prozent der Tiroler schritten für die Olympia-Volksbefragung zu den Urnen. Drei der vier möglichen Austragungsorte – ohne Innsbruck – haben, teilweise mit großen Mehrheiten, für eine Bewerbung gestimmt. Einzig die Gemeinde Silz, zu der der Skiort Kühtai gehört, war gegen eine Bewerbung. Großer Unmut herrscht über das Nein aus Kitzbühel.

© Thomas Boehm / TTDie Tiroler haben bei der Volksbefragung am Sonntag mehrheitlich gegen eine Bewerbung Tirols/Innsbrucks für Olympische Winterspiele 2026 gestimmt. 53,35 Prozent votierten mit "Nein".



Innsbruck – Es ist ein Auszählungskrimi. Nahezu im Sekundentakt drückt Seefelds Bürgermeister (BM) Werner Frießer – flankiert von Seefelds Touristikern – auf seinem Tablet die Aktualisierungstaste. Laufend kommen neue Auszählungsergebnisse aus den Gemeinden. Je mehr es werden, desto länger werden die Gesichter. Schließlich ist klar: Das geht sich nicht mehr aus. 53,35 Prozent der abgegeben Stimmen entfielen auf „Nein“. Das war es also mit Olympia 2026 – daran ändern auch die 65 Prozent Ja-Stimmen aus Seefeld nichts – für TVB-Seefeld-Vorstand Markus Daschil ohnehin zu wenig Zustimmung für einen Olympia-Austragungsort. „Ich hätte mir hier schon 80 Prozent Zustimmung erwartet.“

„Das ist reines Neid-Denken“

Groß ist die Enttäuschung auch bei BM Frießer. In Seefeld sei nicht mehr zu holen gewesen als die 65 Prozent, ist er überzeugt. „Bei uns ist es im Moment sehr schwierig, weil wir so große Baustellen für die Nordische Weltmeisterschaft haben, das irritiert die Leute“, sagt Frießer mit belegter, leiser Stimme. Für ihn ist es völlig unverständlich, dass selbst Tourismusorte gegen Olympia gestimmt haben. Für TVB-Vorstand Daschil ist etwa das mehrheitliche Nein aus Kitzbühel ein „absolutes No-go“. „Das ist reines Neid-Denken. Ich halte das bedenklich für die Zukunft des gesamten Landes Tirol“, erklärt der TVB-Vorstand.

Heiß und kalt im Oberland

Auch der Bürgermeister von St. Anton, Helmut Mall, äußert seinen Unmut: „Das Nein von Kitzbühel ist ein Wahnsinn.“ Zumindest der Bezirk Landeck sei zusammengestanden, betont er. In seiner Gemeinde stimmten 85,12 Prozent der Wahlberechtigten für eine Olympia-Austragung 2026. Es ist das beste Ergebnis der Volksbefragung in Tirol.

Den Jungen hat man damit viele Möglichkeiten genommen.“
Karl Schranz, Skilegende

Kein Wunder, in der Arlberggemeinde sollten die gesamten alpinen Skibewerbe stattfinden – so der bisherige Plan. Zudem hatte man im Vorfeld stark für Olympia mobilisiert. Umso größer die Bestürzung, als am Abend nach Auszählung der Innsbrucker Stimmen (67,41 Prozent „Nein“) das Ergebnis feststeht. Die Arlberggemeinde profitiere immer noch von der Weltmeisterschaft 2001, sagte BM Mall. „Wir haben eine große Chance vertan“, ergänzte er am Abend. Die St. Antoner Skilegende Karl Schranz kann die Ergebnisse zunächst gar nicht glauben. „Mich enttäuschen die, die dagegen gestimmt haben. Mich betrifft es nicht mehr. Ich bin 2026 88 Jahre alt. Den Jungen hat man damit aber viele Möglichkeiten genommen.“

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Der Kühtaier Hotelier Mario Geber bangte bis zuletzt auf eine Trendwende in der Landeshauptstadt. Denn auch seine Gemeinde Silz, zu der das Kühtai gehört, stimmte klar gegen die Bewerbung für Olympische Spiele im Jahr 2026. „Katastrophal, ich bin schockiert“, sagt Gerber. Bürgermeister Helmut Dablander musste nach der Auszählung zur Kenntnis nehmen, dass nur 43,74 Prozent, also 507 Gemeindebürger, für das Großereignis gestimmt haben – 652 Personen, also 56,26 Prozent, sagten Nein.

Umso mehr stellt sich die Frage, wie es in Silz zu diesem Ergebnis gekommen ist. Ein zerknirschter Hotelier Gerber glaubt, dass „die Gemeinde die Bürger zu wenig aufgeklärt hat“. Das will der Bürgermeister so nicht gelten lassen. Er vermutet, dass sich die Silzer zu wenig für das Kühtai interessieren. „Für mich ist es ja ein touristisches Gewerbegebiet, aber für die Leute ist es halt sehr weit weg.“ Die Inntalgemeinde Silz hat nämlich am Talboden „vielleicht 30 bis 40 Betten“, sagt Dablander, „und oben im Kühtai wohnen ganzjährig nur 20 Wähler“.

Große Zustimmung in Hochfilzen, Bedauern in Bayern

Positiver war die Stimmung in Hochfilzen. „Wenn das das Ergebnis für ganz Tirol ist, würden wir es nehmen“, scherzt Hochfilzens Bürgermeister Konrad Walk, als er am Sonntag um Punkt 17 Uhr das Befragungsergebnis seiner Gemeinde erfahren hat. 80,71 Prozent und damit 498 Personen haben mit Ja gestimmt, 119 (19,29 Prozent dagegen. Die Enttäuschung über das Nein des vorläufigen Endergebnisses ist dann trotzdem nicht überhörbar. „Dass es knapp wird, hat man ja vorher schon gewusst. Es geht uns allen zu gut und es ist eine Sättigung eingetreten“, analysiert Hochfilzens Mr. Biathlon Franz Berger, Biathlon-OK-Chef in Hochfilzen.

Die Ablehnung der Tiroler zu einer Bewerbung für die Winterspiele 2026 hat auch in Inzell und Garmisch-Partenkirchen für Enttäuschung gesorgt. Inzell war als Olympia-Austragungsort für die Eisschnelllauf-Wettbewerbe Teil des Konzepts von Innsbruck-Tirol für die Spiele in gut acht Jahren. „Es ist schade, dass sich das Land Tirol dagegen entschieden hat. Es hätte eine vernünftige Bewerbung werden können“, sagte Inzells Bürgermeister Hans Egger am Montag. In der Max Aicher Arena in Inzell werden regelmäßig internationale Top-Events austragen.

Garmisch-Partenkirchen war im Gespräch für Eishockey-Partien. „Gerne“ wäre der Wintersport-Traditionsort am Fuße der Zugspitze Gastgeber für Wettkämpfe gewesen, sagte Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer auf Anfrage. Sie bezeichnete die Ablehnung der Tiroler als „bedauerlich“. (mr, pascal, aha, dd)

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