Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.10.2017


Bezirk Kitzbühel

Mögliches Bauvorhaben in Kitzbühler Öko-Gebiet schockt Anrainer

Kitzbühels BM Winkler schließt Umwidmung eines Grundstücks in einem sensiblen Schutzgebiet nicht aus. Für die Umweltanwaltschaft ein Unding.

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© TT



Von Max Strozzi

Kitzbühel – Am Lutzenberg in Kitzbühel, einem ökologisch sensiblen Gebiet, werden wieder Begehrlichkeiten wach. Konkret geht es um die rund 2400 Quadratmeter große Parzelle 3358/2. Sie liegt im Freiland, außerhalb der festgelegten Siedlungsgrenze, ist laut Landesumweltanwaltschaft als landschaftlich wertvolle Fläche ausgewiesen und liegt im Schwarzsee-Schutzbereich. Kriterien, die eigentlich einer Umwidmung in Bauland und einer Bebauung widersprechen. Trotzdem gibt es besonders seitens der ÖVP-Fraktion um BM Klaus Winkler Bestrebungen, diese Parzelle in Bauland umzuwidmen. „Es sind Verhandlungen im Gange, die Parzelle umzuwidmen“, bestätigt Grundeigentümer Friedrich Eisenkeck sen., ein Ex-Unternehmer mit Hauptwohnsitz in Gunskirchen (OÖ). Geplant sei, die Parzelle zu teilen – er selbst würde einen Teil seinem Enkel geben, der nach Kitzbühel ziehen würde. Der Rest sei für Einheimischen-Grundstücke gedacht. Im Grundbuch ist bereits eine Rangordnung für die Veräußerung eingetragen. Sprich: Das Grundstück soll verkauft werden. Das sei so zu verstehen, dass die Stadt die Fläche erwerben will, sagt Eisenkeck. Die Verhandlungen führe laut Eisenkeck Ex-Finanzstadträtin Barbara Planer.

Auf TT-Anfragen reagierte BM Winkler tagelang nicht. Bis Anrainer das Thema bei der Gemeindeversammlung aufs Tapet brachten. „Es gibt derzeit kein konkretes Projekt. Es werden aber Möglichkeiten auf der Fläche geprüft“, räumte Winkler ein. Es sei aber „nur ein Projekt mit leistbarem Wohnen für Einheimische möglich“. 2012 klang dies anders. Schon damals geriet das Grundstück in die Schlagzeilen. Und damals lehnte Winkler gegenüber dem Magazin Echo eine Umwidmung ab. Sollte ein Widmungsansuchen eingereicht werden, „ist für mich eine Umwidmung ausgeschlossen“, betonte er einst. Darauf berufen sich nun die Nachbarn. „Der Bürgermeister hat vor fünf Jahren zugesichert, dass dort nicht gebaut wird“, sagt Anrainer Andreas Gredler: „Mit dem Zuckerl der Einheimischen-Gründe soll nun aber ein Spekulationsobjekt geschaffen werden.“ Die Stadt müsse sich fragen, „ob sie für jemanden, der gar keinen Hauptwohnsitz in Kitzbühel hat, mitten im Seenschutzgebiet aus Grünland Bauland machen will“. Es gehe nicht darum, dass ihm eine Aussicht verbaut würde. „Im Gegenteil, unser Grund würde im Wert sogar steigen. Hier geht es aber um Grundlegendes“, betont Gredler.

GR Marielle Haidacher (Liste UK) ist gegen eine Umwidmung: „Wir sind dagegen, dass in einem Seenschutzgebiet Freiland in Bauland umgewidmet wird. Wir sind gegen den Ausverkauf unserer Heimat.“ Vertreter von SP, Grünen und FP waren gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar, sollen aber einer Umwidmung kritisch gegenüberstehen, hört man.

Auch für den stv. Landesumweltanwalt Walter Tschon wäre eine Umwidmung ein Unding. „Das Grundstück liegt in dem im Naturschutzgesetz festgelegten 500-Meter-Seenschutzbereich, auf einer Amphibien-Wanderstrecke zwischen Schwarzsee und einem Moor, und ist als ökologisch und landschaftlich wertvolle Freihaltefläche ausgewiesen“, erklärt Tschon. Für eine Umwidmung bräuchte es ein Naturschutzverfahren und ein verstärktes öffentliches Interesse. Letzteres kann Tschon nicht erkennen: „Einheimischen-Gründe gelten nicht als öffentliches Interesse. Es genug alternative Plätze für Einheimischen-Gründe.“ Er werde gegebenenfalls „alle Rechtsmittel ausschöpfen“.

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