Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 06.11.2017


Bezirk Imst

Gemeinderat Jerzens ebnet Weg für weiteres Chaletdorf

An der Talstation der Hochzeigerbahn in Jerzens könnte das nächste Hoteldorf im Pitztal entstehen. Gegner scheinen derzeit nicht in Sicht.

© PaschingerHier im Bereich der Skischule sollte das Haupthaus entstehen, daran anschließend das Hoteldorf.Foto: Paschinger



Von Alexander Paschinger

Jerzens – Der Trend zu Chaletdörfern sorgt im Pitztal seit etwas mehr als einem Jahr für Diskussionsstoff. Vor allem das geplante Projekt im Wenner Ortsteil Bichl am Piller trieb eine Gruppe von Anrainern auf die Barrikaden. Bereits voll im Bau befindet sich das Anlageobjekt einer niederländischen Investorengruppe in Mittelberg (St. Leonhard). Dieses wird von der Gemeindeführung als große Chance bezeichnet. Ziemlich unbeachtet blieb dabei das Vorhaben an der Jerzner Hochzeiger-Talstation, das vom Obmann des TVB Pitztal, Rainer Schultes, schon seit Jahren verfolgt wird.

Bei der letzten Gemeinderatssitzung wurden Raumordnungskonzept und Flächenwidmungsplan für „Liß Chalet“ beschlossen, wie BM Karl Raich auf Anfrage der TT bestätigt. Auf etwas mehr als 10.000 m² sollte eine Hoteldorfanlage mit mindestens 18 und maximal 22 Gebäuden mit 100 bis 140 Betten entstehen. Außerdem ist ein Haupthaus mit Rezeption, Restaurant sowie Tiefgarage vorgesehen. „Die Entscheidung fiel einstimmig dafür“, berichtet Raich, „das war aber auch schon im Raumordnungskonzept vorgesehen.“ Insgesamt habe es schon „drei Überlegungen zu Chaletdörfern gegeben“.

Schultes hält den Ball gegenüber der TT dennoch flach: „Wir müssen noch wegen der Wildbachsituation schauen“, sagt er. Seit sechs Jahren stehe er hinter dem Projekt, „und wir hatten auch schon einen Interessenten“. Wie sich das „nun finanziell etc. ausgeht, darüber werden wir erst in den nächsten zwei Monaten mehr wissen“.

Landespolitisch trat zuletzt vor allem die Liste Fritz gegen solche Chaletdörfer auf. Bezirkssprecher Markus Rottensteiner ist etwa im Fall Wenns überzeugt, „dass das mitten im landwirtschaftlichen Gebiet keinen Sinn macht“. In St. Leonhard sieht er das „Verkaufen der Gründe an Ausländer“ kritisch. Das Jerzner Projekt entstehe dagegen direkt beim Skigebiet, „das gibt keinen zusätzlichen Verkehr“. Prinzipiell kritisch müsse man aber den Flächenverbrauch bei Chalets sehen.