Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.11.2017


Bezirk Schwaz

Viele Baustellen für den Schwazer Bauernbund

Der Schwazer Bauernbund krempelt die Ärmel hoch. Neben den Großbaustellen in Schlitters und Rotholz gilt es auch die Sorgen rund um Sozialversicherung, Eigentum und Hochwasserschutz zu mindern.

© FankhauserHStv. Josef Geisler und Hannes Partl (r.).



Von Eva-Maria Fankhauser

Strass i. Z. – Eine Baustelle nach der anderen tut sich beim Schwazer Bauernbund auf. Doch Bezirksbauernobmann Hannes Partl sieht das nicht negativ. Für ihn haben die vielen Umbrüche und Entwicklungen Positives.

Eine der Baustellen ist die Käsepack- und Schneideanlage in Schlitters. „Für mich ist diese Anlage ein klares Zeichen der Stärkung unserer heimischen Produkte“, sagt Partl. Dass die Bedeutung der Regionalität steigt, freut auch Bauernbundobmann und LHStv. Josef Geisler: „Früher war alles zu klein, alles musste wachsen und größer werden. Heute ist es den Leuten aber wieder wichtig, Produkte aus der Region zu kaufen, im Kleinen.“ Zudem gebe es viele Single­haushalte. „Da kauft man nicht wie früher für die ganze Familie kiloweise Käse und Sachen ein. Das muss auf den Konsumenten abgestimmt werden“, sagt Geisler.

Eine weitere Baustelle ist der Bildungs- und Jugendbereich. Er erwartet einige Umbrüche durch das neue Führungsteam Lisa und Benedikt Geisler. Die Landjugend sei laut Partl ein großer Mehrwert für die Gemeinden: „Sie bringen sich aktiv ein, angefangen bei den Senioren, Kinderbetreuung, aber auch in Sachen Kultur.“ Dennoch zeigt ein Blick auf die verschiedenen Ortsgruppen des Bezirkes, dass es deutliche Unterschiede gibt, wie aktiv der Verein betrieben wird. Mancherorts schläft er ein. Woanders blüht neue Hoffnung auf.

Stolz kommt beim Bauernbund auf, wenn es um den Bau des Bildungs- und Forschungszentrums Rotholz geht. Das wurde auch bei der Herbstkonferenz in Strass im Zillertal deutlich.

Herbstkonferenz des Schwazer Bauernbundes in Strass.
- Tiroler Bauernbund

Zahlreiche Bauern des Bezirkes waren gekommen, um sich über aktuelle agrarpolitische Geschehnisse zu informieren. „Aber es geht auch darum, zu erfahren, wo der Schuh drückt“, sagt Geisler. Dabei kam vor allem das Thema Sozialversicherung zur Sprache. Der Einheitswert sei laut Partl im Bezirk seit 25 Jahren nicht mehr angepasst worden, dadurch entstand nun ein neuer Einheitswert, der so manchen Bauern schockierte. „Der Einheitswert ist um 42,3 % gestiegen, das hat natürlich Auswirkungen auf die Sozialversicherung oder die Abgaben beim Finanzamt“, sagt Partl. In den restlichen Bezirken Tirols liegt die Steigerung des Wertes bei 18 bis 20 %. „Da hat es uns doppelt so stark getroffen“, sagt Partl. Mehr einzuzahlen habe laut Geisler aber auch den Vorteil, dass bei der Pension dann mehr herausschaue.

Partl war um Erklärung bemüht und schlug vor, die Wirksamkeit um ein Jahr zu verschieben. „Auf den 1. 1. 2018. So kann man das alles gut berechnen und die Bauern informieren“, sagt Partl.

Ein weiteres Thema, das den Bauern unter den Nägeln brennt, ist der Hochwasserschutz. „Es braucht ein gutes Entschädigungsmodell und es muss mit den betroffenen Bauern offen besprochen werden“, sagt Geisler. Laut Partl wird der Hochwasserschutz im Bezirk aber erst richtig angegangen, wenn der Bereich bis Wörgl endlich geklärt ist. „Erst danach wird mit den Betroffenen in unserem Bezirk gesprochen“, stellt Partl klar.

Angesprochen wurde von den anwesenden Landwirten auch der Eigentumsschutz. Immer mehr Mountainbiker und E-Biker würden „überall rauf“ fahren und Privatstraßen missachten. „Die Radfahrer am Berg sind definitiv mehr geworden. Das ist aber kein Riesenproblem“, versucht Partl zu beschwichtigen.

Zum Thema Zillertalstraße in Fügen betonte Geisler, dass die Gespräche und Detailplanung gut voranschreiten. „Wir wollen den Bauern nicht ihren Grund nehmen. Daher planen wir einen Grundtausch in Fügen“, sagt Geisler.

Geisler wurde zudem als Bauernbund-Spitzenkandidat des Bezirks für die Landtagswahl bestellt.




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