Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.11.2017


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Sowi-Apotheke: Stadtpolitik übt Kritik an Gebietsschutz

Apothekerkammer-Präsident König sieht Schließung der SoWi-Apotheke als „rein juristische Entscheidung“ – und „Bedarfssystem“ als sinnvoll an.

© DomanigDen Apothekenstandort beim SoWi-Areal (Bild) hält BM Christine Oppitz-Plörer für „unverzichtbar“.



Innsbruck – Die bevorstehende Schließung der Innsbrucker SoWi-Apotheke schlägt hohe Wellen. Wie berichtet, muss Inhaberin Elisabeth Wieser ihren Betrieb, den sie 1999 rechtskräftig eröffnet hatte, mit Jahresende einstellen. Ein Rechtsstreit mit bestehenden Apotheken der Umgebung, die sich in ihrer Existenz gefährdet sahen, wurde nun nach über 18 Jahren vom Verwaltungsgerichtshof entschieden: Er bestätigte ein neues Gutachten der Apothekerkammer – und damit die Schließung.

Die Kammer habe im Laufe „zahlreicher Verfahren zur Erteilung der Konzession an die Sowi-Apotheke mehrere negative Gutachten abgegeben, aus denen hervorgeht, dass es zu keiner Zeit einen Bedarf an einer weiteren Apotheke in der Innsbrucker Innenstadt gegeben hat“, erklärt Tirols Apothekerkammer-Präsident Matthias König. Schon vor der ersten Konzessionserteilung an die SoWi-Apotheke 1999 habe es ein solches Gutachten gegeben. „Magister Wieser konnte eröffnen, wusste aber von Anfang an, dass sie die Apotheke womöglich einmal schließen muss, da letztinstanzlich noch nicht entschieden wurde“, betont König.

Dass es bis zu dieser Entscheidung 18 Jahre gedauert habe, sei zu bedauern und liege sicher daran, „dass sich im Laufe der Jahre die Zuständigkeiten bei den Behörden geändert haben“. König hält fest, dass die Schließung der Apotheke „ein rein juristisches Problem“ sei, die Betreiberin habe „fachlich immer ausgezeichnet gearbeitet“. Ob umliegende Apotheken durch die SoWi-Apotheke in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen seien, könne er nicht beurteilen – ebenso wenig deren tatsächliche Kunden- und Touristenfrequenz.

Jedenfalls sei Innsbruck mit 31 Apotheken „sehr gut versorgt“, auch durch die Schließung der SoWi-Apotheke drohe keine Lücke. König sieht auch keinen Anlass, das bestehende Bedarfssystem – wonach keine neue Apotheke errichtet werden darf, wenn umliegende dadurch weniger als 5500 Personen zu versorgen hätten – zu hinterfragen: „Apotheken haben einen besonderen Auftrag zu erfüllen – nämlich die Versorgung mit Arzneimitteln.“ Mit Lebensmittelgeschäften etc. sei das nicht vergleichbar, „das sieht auch der Gesetzgeber so“.

Für BM Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) ist die Entscheidung dagegen „unverständlich und zum Schaden der Nutzer. Man sieht, wie manche Regelungen an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbeigehen.“ Der Gebietsschutz sei aus Sicht der Stadt „nicht mehr zeitgemäß“. Und: „Wir halten diesen Apothekenstandort für unverzichtbar.“ Für Gesundheitsstadtrat Franz Gruber (VP) „darf die singuläre Stellung des Apothekerberufs keinesfalls aufgeweicht werden, medizinische Produkte müssen exklusiv bei den Apotheken bleiben“. Aber den Gebietsschutz hält auch er für „veränderungsbedürftig, er entspricht nicht mehr den Ansprüchen der Kunden“.

Oppitz-Plörer wie Gruber verweisen kopfschüttelnd darauf, dass gerade rund um die SoWi mit einer weiter steigenden Kundenfrequenz zu rechnen sei – schließlich entstehen in der Nähe u. a. das neue Sicherheitszentrum und der Neubau des MCI. (md)




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